Technik

Machen Klimaanlagen krank? Machen Klimaanlagen krank?

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— 06.08.2003

Machen Klimaanlagen krank?

Klimaanlagen werden verdächtigt, Bakterien-schleudern zu sein. Stimmt dieses Gerücht?

Klimaanlagen verhindern Keime

Die Angst geht um. Die Angst vor der Klimaanlage. Autofahrer fürchten dabei nicht Erkältung oder Zugluft, sondern die Klimaanlage als Brutstätte von Krankheiten. Immer wieder erhalten wir Briefe wie den von Torge Jansen aus der Nähe von Bad Bramstedt. Der Mechaniker ist sicher, dass seine Bronchitis aus der Autokühlung kommt. Monatelang bekam er beim Fahren kaum noch Luft. Dass es im Wagen stank, merkte er nicht. Erst ein Kollege roch es, schickte ihn samt Auto in die Werkstatt.

Die fand Schimmelpilze in allen Luftkanälen und im Innenraum. Ursache: verstopfte Abflüsse. Die Pilze wuchsen in der Klimaanlage auf dem gestauten Kondenswasser. Ungewöhnlich, denn normalerweise taugen Autoklimaanlagen nicht als Brutkästen. Der Wechsel zwischen kalt und warm, trocken und feucht ist nicht gut für das Gedeihen von Bakterien. Auch das unabhängige Landesgewerbeamt Bayern bestätigt, dass durch Klimaanlagen die Zahl von Keimen in der Luft nicht steigt, sondern eher sinkt.

Der Grund ist klar: Die vorgeschalteten Luft- oder Mikrofilter sammeln Schmutz, Pollen und teilweise auch die Krankheitskeime. Was trotzdem durchkommt, spült normalerweise das Kondenswasser von den Oberflächen der Kondensatoren. An besonders heißen Tagen fließen dort bis zu acht Liter Kondenswasser pro Stunde ab. Sind die Abflüsse frei, landen Staub, Pollen und Bakterien auf der Straße und nicht im Auto.

Wartungs-Werweigerer werden weniger

Dafür muss die Klimaanlage jedoch regelmäßig gewartet und gereinigt werden. Einmal pro Jahr, sagen die Hersteller. Erfreulich, dass die jahrelangen Forderungen von AUTO BILD offenbar gewirkt haben: Die Front der Autohersteller, die eine Wartung völlig verweigern, bröckelt mittlerweile. Zwar wechseln die meisten bei der Inspektion nur die Filter. Aber immer mehr Firmen empfehlen eine gesonderte Sicht- und Funktionsprüfung oder nehmen diese sogar fest in den Wartungsplan auf. Zeigen sich hier Fehler, wird tiefer eingestiegen.

Noch sind die Wartungs-Verweigerer aber nicht komplett ausgestorben. Deren Argumente lauten: Klimaanlagen sind geschlossene Systeme, bei denen lediglich Dichtigkeit und Funktion geprüft werden müssten. Dafür reicht angeblich eine Sichtprüfung bei der Motorkontrolle. Alles andere wäre für den Kunden zu teuer. Eine Wartung mit Tausch der Trocknerpatrone und der Kühlflüssigkeit könne schnell bis zu 300 Euro kosten. Dass es die Diagnose auch billiger geben kann, zeigt der Schnelltest Klimaanlagenbauers Valeo.

Werden bei diesem Check Schwankungen angezeigt, ist eine genauere Prüfung angesagt. Dafür ist es bei Torge Jansen mittlerweile zu spät. Trotz Reinigung und Desinfektion blieben die Schimmelpilze im Luftkreislauf seines Wagens. Am Ende nahm ihn der Autohersteller zurück. Torge Jansen hofft, dass seine Bronchitis heilt und die Wartung der Klimaanlage bei allen Autoherstellern Pflichtteil der Inspektion wird. Wir bleiben dran.

Kuhl, kühler – am coolsten

Drei Schritte zu einem kühlen Auto • Nach dem Einsteigen in ein aufgeheiztes Fahrzeug (Sonnenparker) alle Fenster und Türen (ggfs. Schiebedach) kurz öffnen und die heiße Luft per Gebläse rausblasen. Dazu alle Lüftungsklappen öffnen. • Anschließend Fenster und Türen schließen, die Klimaanlage auf Umluft stellen und nur die mittleren Düsen zum Autohimmel hin öffnen (siehe unten). Jetzt zirkuliert nur die Innenraumluft und wird schneller gekühlt (ideal: 21 bis 23 Grad). Tipp: Sofort losfahren. Das spart Sprit, denn der Fahrtwind erleichtert die Wärmeabgabe. Achtung: Der kalte Luftzug darf die Insassen nicht direkt treffen. Erkältungsgefahr! • Ist eine angenehme Temperatur erreicht, von Innenraumkühlung (Umluft) auf Zuluft umschalten. Temperatur nicht verändern.

Andreas Lamm vom Klimaanlagenhersteller Valeo gibt Tipps zum Schutz der Klimaanlage • Innenraumfilter (wenn möglich) im Frühjahr selbst wechseln. Wie das geht, steht im Autohandbuch, auf vielen Verpackungen oder bei www.bosch.de. Zudem Fliegen mit Wasser und weicher Bürste vom Kondensator entfernen. Das erhält die Kühlleistung. • Den Luftkreislauf der Klimaanlage einmal jährlich desinfizieren und reinigen lassen. Das ist besonders wichtig bei Fahrzeugen, die oft Kurzstrecken fahren. Bei ihnen reicht das Kondenswasser nicht für die Selbstreinigung aus. • Kühlkreislauf einmal pro Jahr prüfen lassen (Dichtigkeit, Funktion). • Fünf Minuten vor Fahrtende den Klimakreislauf abschalten (nur über den AC-, Econ- oder *-Schalter!). Gebläse nicht ausschalten. Es trocknet das Klimagerät. • Klimaanlagen arbeiten erst ab einer Außentemperatur von fünf Grad. Tipp: Dann das Gerät nur zum Entfeuchten der Luft nutzen, z. B. wenn nasse Passagiere oder Hunde eingestiegen sind. Vorteil: Die Scheiben beschlagen nicht mehr. • Manuell zuschaltbare Klimaanlagen auch im Herbst und Winter alle zwei bis drei Wochen kurz im Leerlauf zuschalten. So bleiben die Dichtringe elastisch. Das verhindert Reparaturen und Kältemittelverlust • Bei Fahrzeugen mit Klimaautomatik den Klimakreislauf im Herbst und im Winter abschalten, um Kraftstoff zu sparen.

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