Land Cruiser HJ61: Fahrbericht

Toyota Land Cruiser HJ61 Toyota Land Cruiser HJ61

Toyota Land Cruiser HJ61(1986): Fahrbericht

— 27.05.2011

Eine Erfolgsgeschichte

Als erster Kombi mit Direkteinspritzer-Turbodiesel nimmt der HJ61 eine Sonderstellung unter den alten Toyota-Kraxlern ein. Thomas Rönnberg trat mit ihm zum 60. Land-Cruiser-Geburtstag eine Reise in die Vergangenheit an.

Die Tür schließt vertrauenerweckend satt; die Pumpe der Servolenkung knarrt ein wenig, als ich zum Ausparken ganz einschlage. Und mit der Kupplung muss ich vorsichtig umgehen. Ich kann doch hier nicht hoppelnd und ruckend vom Platz fahren, mit den ganzen Leuten, die zusehen! Die Kombination des extrem bissig aufs Gas ansprechenden Motors mit der weichen Triebwerksaufhängung bedarf der Gewöhnung. Lieber zeitig weiterschalten, als zu ruckeln. Die Gänge rasten exakt, ein bisschen knochig vielleicht: Man merkt, man schiebt hier große Schaltmuffen in große Zahnräder. Der Geländeparcours mit seinen kurzen Hügelchen stellt dem Land Cruiser HJ61 kein wirkliches Hindernis in den Weg. Ich muss vorsichtig Gas geben, sonst springe ich drüber weg. Trotzdem habe ich das Verteilergetriebe auf L4 gestellt. Ich will ja langsam fahren, sonst ist es so schnell vorbei.

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Der HJ61 turnt verblüffend behände durch den kleinen Parcours. Hilfs-Elektronik wie sein Enkel braucht er dafür nicht.

Auf der Geröllpiste zappelt das Lenkrad ein bisschen hin und her. Kein Wunder, bei diesen Rädern. Jemand hat breite Stahlsportfelgen angebaut; zehn Zoll werden sie wohl breit sein. Und 33er-MT-Reifen. Das wurde damals gern gemacht; sie passen in die weit ausgeschnittenen Radhäuser und sorgen für ordentlich Bodenfreiheit. Dazu eine dezente Höherlegung: Old Man Emu hatte einen guten Ruf bei Blattfederfahrwerken, der Taubenreuther hat sie damals aus Australien geholt. Heutzutage baut niemand mehr Federn um. Die Blattfedern dieses HJ61 sind offenbar schon ein bisschen weichgeritten. Das ist angenehm in den Verwindungspassagen: So verschränken die Achsen besser – man kommt auch ohne Differenzialsperren oder elektronische Traktionshilfen prima durch. An manchen Stellen muss man halt ein bisschen mehr Mitdenken und Vorausschauen als in einem automatisch schlupfgeregelten "Gelände-Automaten" wie dem aktuellen großen Land Cruiser. Man mutete dem Fahrer damals überhaupt mehr Denkarbeit zu – traute ihm anderseits auch mehr zu.

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Tief im Dreck schlägt die große Stunde des großen Land Cruiser.

Das merke ich auch, als ich eine Runde auf den Beton- und Asphaltpisten dieses ehemaligen Militärflugplatzes drehe. Speziell mit den dicken, melancholisch heulenden Geländereifen erreicht der HJ61 den Kurvengrenzbereich schon bei Geschwindigkeiten, wo man mit dem aktuellen VDJ200 noch kaum Querbeschleunigung wahrnimmt. Und ist dieser Grenzbereich erreicht, fasst der kantige Station Lenkbewegungen eher als unverbindliche Empfehlung auf, weniger als Befehl. Die Karosserie neigt sich in den langen Federwegen recht ungehemmt zur Seite; keine KDSS-Stabilisierung hindert sie daran. Wenn der Grenzbereich überschritten wird, muss man eben zusehen, wie man die Fuhre wieder auf Kurs bringt; kein VSC hilft beim Gegenlenken.

Toyota Land Cruiser V8

Und den nach heutigen Maßstäben für ein so großes und schnelles Auto – der HJ61 erreichte echte 160 km/h – etwas abenteuerlichen Bremsen treibt auch kein Multi-Terrain-ABS das Blockieren aus. Heute würden sich nicht nur die Sicherheitspäpste der großen Autoklubs schier die Haare ausraufen angesichts dieser "schweren Sicherheitsmängel". Damals war das eben so – für die Sicherheit war der Fahrer zuständig. Es war eben eine andere Zeit damals; irgendwie selbstbestimmter und ehrlicher als heute. Keiner prangerte die Abwesenheit von heckaufprallgerechten Rücksitzbankkopfstützen an; keiner bemängelte, dass der Wagen im Gelände durchaus in Sumpf oder Sand stecken bleiben konnte, wenn der Fahrer grobe Fehler machte: Dann war er eben selbst schuld.

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Harter Brocken: Der HJ61 bringt einen überall hin. Ob es dort Straßen gibt – oder auch nicht.

Und wenn sich der Motor vergleichsweise bedeutende Mengen an Kraftstoff einverleibte, dann verzieh man ihm das milde lächelnd: "Was er braucht, das soll er haben. Schließlich bringt er mich seit Jahren und Jahrzehnten, wohin ich auch immer will. Und wieder zurück." Manchmal tut es gut, in einem 25 Jahre alten Auto zu fahren. Man bekommt wieder einen Blick fürs Wesentliche. Oben in der Galerie finden Sie nicht nur die Bilder zu diesem Fahrbericht. Dazu kommen die wichtigsten Modelle aus 60 Jahren Toyota Land Cruiser.
Technische Daten Toyota Land Cruiser HJ61
Motor 6-Zyl.-Reihe, Turbodiesel
Hubraum 3980 ccm
Leistung 100 kW (136 PS)
Drehmoment 315 Nm
Radaufhängung Starrachse, Blattfedern
Reifengröße (Serie) 205 R 16
Getriebe 5-Gang-Schaltgetriebe
Achsübersetzung 3,70
Antrieb Hinterradantrieb
Kraftverteilung Vorderachse elektrisch zuschaltbar
Radstand 2730 mm
Länge 4750 mm
Breite 1800 mm
Höhe 1800 mm
Testwagengewicht 2145 kg
Zuladung 655 kg
Anhängelast gebremst 2800 kg
0-100 km/h 16,7 s
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Testverbrauch (100 km) 13,1 l Diesel
Versicherungs-Typklasse (heute) HPF 16, TK 13, VK 16
Kfz-Steuer/Jahr (heute) 1503 Euro
Neupreis (1988) 54.060 DM

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Autor: Thomas Rönnberg

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