Tracktest Seat León TDI WTCC
Seats Diesel-Monster

Der Seat León TDI schlug in der WTCC ein wie ein gelber Blitz. Von jetzt auf gleich waren die Spanier Meisterschaftskandidaten. Warum, zeigt der direkte Vergleich mit dem Benzin-Bruder.
Die Kälte kriecht überall hin. Meine Füße frieren unter dem dünnen Wildleder der roten Fahrerschuhe. Nur vier Grad sind es heute. Werkspilot Jordi Gené (37) hat den Kragen seiner gelben Seat-Jacke bis zum Kinn hochgezogen. Nieselregen fällt aus dem dunstigen Hochnebel. "Eigentlich bräuchtest Du Intermediates bei diesem Wetter", raunt er. Das Reglement erlaubt aber nur Slicks – oder Regenreifen, die jetzt drauf sind. Auf beiden Versionen von Seats WTCC-Tourenwagen León, die sie heute hierher gebracht haben – zum Circuito del Jarama bei Madrid. Benziner und Diesel treten zum Tracktest-Duell an. Rückblick: Im zweiten Rennen des León mit Turbodiesel-Motor (TDI) siegte Yvan Muller (38) letzte Saison. Schlagartig wird er zum Meisterschaftskandidaten. Vorher fuhren die Seat mit Benzinmotor BMW und Chevrolet hinterher. Nur eine lockere Spritpumpe hindert ihn beim Saisonfinale in Macau daran, Meister zu werden. Jetzt soll unser Vergleich klären: Warum ist der León mit Turbodiesel-Motor so plötzlich auf die Überholspur gezogen? Zuerst ist der Benzin-León dran. Ich sitze im Cockpit. Gené kniet in der offenen Fahrertür. Seats Rennprofi spielt heute meinen Einweiser. "Dreh ihn ruhig auf 5000 Touren, ehe Du die Kupplung kommen lässt. Sonst stirbt der Benziner gleich ab."

Diesel-Power: Auf den Geraden ist der León TDI wahnsinnig schnell

Nur nicht zwischen Kurven, mit leicht eingeschlagenen Vorderreifen. Ein Ruck und das Heck tanzt Tango. Heftig Gegenlenken, nur so halte ich den León im Zaum. Warum? Schon mal im Getränkemarkt drei schwere Bierkästen ganz vorne auf dem Einkaufswagen gestapelt? Eben! Zu viel Gewicht auf die Vorderachse gepackt, hebelt die leichte Hinterachse aus. Stolze 55 Kilo schwerer ist der Turbodiesel. Das Heck ist richtig leicht, verliert deshalb schnell die Bodenhaftung. "Wir mussten uns während der Saison eine andere Fahrtechnik für den TDI angewöhnen", bestätigt Einsatzfahrer Gené. Die heißt: möglichst nur mit geraden Rädern bremsen, die Kurve spitzer fahren und dann wieder drauf." Stört ihn das nicht? "Nein!" entgegnet er mit einem verschmitzten Grinsen. "Das macht die Rennen doch nur spannender. Denn auf den Geraden sind wir schneller als die anderen. Und dort wird schließlich überholt."
Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Reporter Martin Westerhoff
Ein gelbes, mit seiner Kraft wütendes Monster: Das hat der Turbodiesel aus Seats WTCC-León gemacht. Schwieriger zu fahren als der Benziner – aber dafür sauschnell! Weil er durch mehr Leistung besser beschleunigt und mehr Höchstgeschwindigkeit bringt. Ganz schön clever, wie Seat so auf die Überholspur ging.
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