Nach Protesten und Verhaftungen: Uber will in Frankreich den umstrittenen Mitfahrdienst UberPop einstellen – zumindest erst einmal.
(dpa) Nach massiven Taxifahrer-Protesten und der Anklage zweier Spitzenmanager wirft der Fahrdienstvermittler Uber in Frankreich vorerst das Handtuch. Der umstrittene Dienst UberPop werde ausgesetzt, teilte das Unternehmen mit. Frankreich-Chef Thibaud Simphal begründete dies in einem Interview der Zeitung "Le Monde" in erster Linie mit der Sicherheit der Uber-Fahrer. "Sie waren in den letzten Tagen Opfer von Gewalttaten", sagte er. Zum anderen wolle Uber eine Entscheidung des Verfassungsgerichts zu dem Dienst abwarten.
Denn die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Anklage gegen Uber Frankreich, Simphal und einen weiteren Uber-Manager erhoben. Sie wirft ihnen unlautere Geschäftspraktiken und Beihilfe zur illegalen Tätigkeit als Taxifahrer vor. Taxifahrer wehren sich in vielen Ländern gegen die für Fahrgäste häufig billigere Konkurrenz. In Frankreich waren diese Proteste in den vergangenen Wochen besonders heftig.
Die Proteste von Taxifahrern gegen UberPop in Paris waren Ende Juni eskaliert.
Bild: dpa
So hatten französische Taxifahrer vor allem in der Hauptstadt Paris zahlreiche Straßen blockiert und ein Verkehrschaos ausgelöst. Auf der Ringautobahn legten Streikende am 25. Juni 2015 Feuer, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Behinderungen gab es auch an Bahnhöfen und den beiden großen Pariser Flughäfen Charles de Gaulle und Orly. Hier wurden Zufahrtsstraßen blockiert.
In Frankreich hatten Taxigewerkschaften zum unbefristeten Streik aufgerufen, um die Regierung zu einem härteren Vorgehen gegen die aus ihrer Sicht unfaire Konkurrenz zu zwingen. "Seit zwei Jahren sagt die Regierung, dass sie etwas machen will. Sie machen nichts", empörte sich ein Taxifahrer im Sender BFMTV. Dabei kam es nach Medienberichten vereinzelt zu Übergriffen. Die amerikanische Sängerin Courtney Love klagte auf Twitter, ihr Wagen sei in Paris angegriffen worden. "Sie schlagen die Autos mit Metallstangen. Ist das Frankreich? In Bagdad bin ich sicherer", schrieb die 50-Jährige.
An dieser Stelle finden Sie eingebettete Inhalte von TWITTER.
Um diese Inhalte darstellen zu können, benötigen wir Ihre Zustimmung.
Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist Ihre jederzeit widerrufliche Einwilligung (über den Schalter oder über „Widerruf Tracking und Cookies“ am Seitenende) zur Verarbeitung personenbezogener Daten nötig. Dabei können Daten in Drittländer wie die USA übermittelt werden (Art. 49 Abs. 1 lit. a DSGVO). Mit dem Aktivieren des Inhalts stimmen Sie zu. Weitere Infos finden Sie hier.
Auch in Deutschland hatten Taxiverbände erbittert gegen Uber gestritten. Der Dienst UberPop wurde hierzulande für rechtswidrig erklärt. Uber versucht nun einen Neustart nach deutschen Regeln mit dem Dienst UberX, bei dem Fahrer die nötigen Genehmigungen haben und die Fahrzeuge offiziell als Mietwagen zugelassen sind. Auch in Frankreich ist offenbar die Umstellung auf UberX geplant.