Umstrittener Männerparkplatz in Triberg

Umstrittener Männer-Parkplatz in Triberg

— 21.08.2015

"Feuchte Täler" trockengelegt

Nach Sexismus-Vorwürfen hat das Schwarzwald-Städtchen Triberg seine schlüpfrigen "Männer-Parkplätze" entschärft. Weitere Maßnahmen sollen folgen.

Steile Berge, feuchte Täler: In der ersten Version gab's auch ganz viel Natur zu gucken.

(dpa/cj) Diese Aufregung hatte er wohl nicht erwartet. Mit zwei "Männer-Parkplätzen" samt einer schlüpfrigen Frauen-Silhouette und der Aufschrift "Steile Berge, feuchte Täler" hatte Bürgermeister Gallus Strobel (CDU) Werbung für sein Städtchen Triberg (Schwarzwald-Baar-Kreis) machen wollen. Doch statt positiver Presse gab es einen Sturm der Entrüstung und Sexismus-Vorwürfe im Netz. "Triberg liebt's niveaulos", war auf Twitter noch einer der harmloseren Kommentare. Ein anderer lautete: "Ist das ekelhaft!" Und die "Emma"-Redaktion um Frauenrechtlerin Alice Schwarzer twitterte etwas ungläubig: "Kannste dir nicht ausdenken."

Schilder-Zoff: Schweden gegen Spitzbrüste

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Nun ist aus der Silhouette eine Landschaft geworden: Schwarzwaldberge haben die in die Luft gestreckten Brüste ersetzt, ein blauer See ziert den ehemaligen Schambereich. "Artig" will Triberg sein, das Wort hat Künstler Werner Oppelt im Slogan hervorgehoben, als er Anfang der Woche eigenmächtig erneut zum Pinsel griff. Doch damit nicht genug: In einer nicht öffentlichen Sondersitzung beschloss der Gemeinderat des 5000-Einwohner-Ortes, dass die Darstellung komplett getilgt und weiß übermalt werden soll.

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

"Kannste dir nicht ausdenken": Auch Alice Schwarzer hat sich schon zu Wort gemeldet.

Denn zufrieden sind die Gegner auch nach der Entschärfung nicht. "Jetzt kann man das Bild nicht mehr als wirklich sexistisch bezeichnen, aber jeder, der die Version vorher kannte, weiß noch, wo die Frau im Bild zu sehen ist", sagt die Sprecherin der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Baden-Württemberg, Anette Klaas. Auch der Spruch sei immer noch unpassend. "Ich kann nicht verstehen, wie ein Bürgermeister mit christlichem Hintergrund so etwas malen lassen kann in Zeiten, in denen sexuelle Übergriffe zunehmen", sagt Klaas. Dieser sieht die Kritik an dem von ihm bestellten Bild indes gelassen. "Ja, es war ein Alleingang, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte Strobel der "Badischen Zeitung" (Mittwoch).

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Vor drei Jahren hatte der CDU-Politiker "Deutschlands erste Männer-Parkplätze" in dem Parkhaus ausweisen lassen. "Die Stellplätze sind sehr schwer zu befahren, da kommt man eigentlich nur rückwärts rein", sagt Strobel. "Da haben wir die Idee gehabt, daraus welche für Männer zu machen." Dann prangte dort das frivole Bild der Frau. Vielen Passanten gefiel's – sagte zumindest Künstler Oppelt, der mehrere Tage lang im Parkhaus am umstrittenen Bild gearbeitet hat. "Es sind immer wieder Leute vorbeigekommen – auch Holländer, Italiener und Spanier – da hat sich niemand negativ geäußert”, sagt er. Manch eine Frau habe auch ein männliches Pendant über einem Frauenparkplatz gefordert. Damit will Oppelt dann aber nichts mehr zu tun haben. "Ich habe das von Anfang an mit etwas Widerwillen gemacht, das ist einfach nicht so mein Stil", räumt der Rentner ein. Für den Hobby-Künstler ist das eine Auftragsarbeit gewesen – mehr nicht.

Ähnlicher Spruch für Tourismusverein Schwarzwald

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'Schlüpfrige Werbung: Gefährlich im Straßenverkehr?'

Auch Designerin Selina Haas will kein Pendant für einen Frauenparkplatz kreieren. "Ich finde schon, dass das eine Parkplatzbild da nicht hingehört." Sie hatte im vergangenen Jahr mit einem ähnlichen Spruch und Frauen-Silhouette die Anzeige des Tourismusvereins Ferienland Schwarzwald im Bordmagazin einer Fluggesellschaft entworfen – und viel Aufsehen erregt. "Große Berge, feuchte Täler & jede Menge Wald" war da unter einem Frauenumriss zu lesen. Nach Kritik wurde die Anzeige zurückgezogen.

Umstrittener Männerparkplatz in Triberg

Haas ärgerte, dass "der Konkurrent" mit der Idee Werbung machte, denn Triberg war aus dem Tourismusverein Ferienland Schwarzwald ausgetreten – noch bevor die Kampagne mit ihrer Anzeige herausgekommen war. Ihr Entwurf sei deutlich gemäßigter gewesen, das Triberger Parkplatzbild dagegen "sexistisch", sagt sie. "Vor allem mit dem Kontext Männerparkplatz rückt das Bild in eine erotische Ecke, das ist zu provokant", sagt die Designerin.

Immer wieder gibt es Diskussionen, wenn Werbung unter Sexismus-Verdacht gerät. Werden Frauen zu Objekten degradiert? Ist zu viel nackte Haut zu sehen? Auch Haas' Entwurf rief vor einem Jahr bereits den Deutschen Werberat auf den Plan.

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