Unimog: Zukunft trifft Vergangenheit

— 19.09.2012

Captain Future

Entsetzen mischt sich mit Begeisterung: Mercedes schenkt dem Unimog zum 60. Geburtstag eine nutzwertbefreite Designstudie. Da schüttelt sich der Ur-Unimog von 1951.

Sagt Ihnen der Name Hans Zabel etwas? Nicht? Aber der Name Unimog schon? Dann sollten Sie diese beiden verknüpfen, denn der eine hat den anderen erfunden. Als nämlich der erste Unimog gebaut war, wusste man nicht recht, wie man diese Art Fahrzeug nennen sollte. Heutzutage bezeichnet Wikipedia so etwas als "Frontsitztraktor mit Allradantrieb". Doch 1945 gab es das Online-Nachschlagewerk noch nicht; also konnte Albert Friedrich, vor dem Krieg Flugmotorenkonstrukteur, dort nicht nachsehen, was er soeben erfunden hatte. So bezeichnete er seinen ersten Entwurf als "motorgetriebenes Universalgerät für die Landwirtschaft". Der erwähnte Hans Zabel, etwas später zum Entwicklungsteam gestoßen, zog dann 1946 das "Universal-Motor-Gerät" zum Kunstwort "Unimog" zusammen. Einfach so, ganz ohne Marketingabteilung und Namensfindungsmeeting.

Lesen Sie auch: Ein Konzept zum Unimog-Geburtstag

"Offen gestanden geschlossen", antwortet der Ur-Unimogfahrer auf die Frage, wie er bei Regen fährt. Die Studie kann nichts schließen.

Dass die Pläne sich zunächst explizit auf den Einsatz in der Landwirtschaft bezogen, hatte mit dem "Morgenthau-Plan" zu tun, demzufolge das besiegte Deutschland nach Kriegsende deindustrialisiert und in einen reinen Agrarstaat umgewandelt werden sollte. Zwar kam es dann doch anders, aber für Albert Friedrich war das Bekanntwerden dieser Geheimpläne eine Art Urknall zu einer Idee, die unter anderem auch seine eigene berufliche Zukunft sichern sollte. Er tat sich mit Heinrich Rößler zusammen – einem anderen Ex-Flugmotoreningenieur. Der hatte Erfahrung in der Landwirtschaft und viele Ideen, wie man viel bessere Arbeitsmaschinen als die damaligen Traktoren bauen konnte: schneller und damit straßentauglich; mit einem Wetterschutz für den Fahrer; mit vielfältigen Anbaumöglichkeiten für Arbeitsgeräte; und natürlich mit Allradantrieb über vier gleich große Räder, ähnlich wie beim "Stier" der Hamburger Firma Nordtrak.

Trotz des hohen Preises von 13.800 DM war die Nachfrage nach dem ersten Unimog groß.

Schon Ende 1946 stellt man bei der Metallwarenfabrik Eberhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd den ersten Prototypen fertig. Als Motor ist ein 1,7-Liter-Benziner von Daimler-Benz eingebaut. Für die Fertigung des neu konstruierten Getriebes findet sich auch ein Partner – die Werkzeugmaschinenfabrik Boehringer in Göppingen. Dort ist man sehr interessiert am Unimog-Projekt. Im August 1947 übernimmt Boehringer die gesamte Produktion. Die Serienfertigung startet 1948 mit einem von Mercedes gelieferten Dieselmotor, denn es gibt für die Landwirtschaft steuergünstigen Dieselkraftstoff, aber kein subventioniertes Benzin. Damit steht das Grundkonzept fest – einschließlich der Portalachsen mit Radvorgelege, die für mehr Bodenfreiheit sorgen. Die Nachfrage nach dem neuen, genialen Arbeitsgerät ist groß, trotz des hohen Preises von 13.800 DM. Von 1948 bis 1950 werden bei Boehringer rund 600 Exemplare gebaut. Moment, werden Sie jetzt sagen. Wieso feiert Mercedes dann erst jetzt den 60. Unimog-Geburtstag – und nicht schon vor drei Jahren? Ganz einfach – weil der Unimog anfangs noch kein Mercedes war.
Autor:

Thomas Rönnberg

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare zum Artikel (16)

Erstellt

Inhalt

Melden

Hasenbrot
21.09.2012, 09:15Uhr

Haha, ist das auch ein Renault (LKW) dem man einen Mercedes-Stern angeflanscht hat? Mercedes ist ja immer für Design-Kalauer gut, genau wie der Witze-Onkel Dr. Zetsche. Von den Qualitäten und Werten, die Mercedes zu Mercedes gemacht haben ist nicht mehr viel übrig geblieben, siehe Mercedes Kangoo....

tomtom
20.09.2012, 20:28Uhr

dieses ding hab ich schon bei der retro clasic in stuttgart gesehn ausserdem sieht das ding irrsinig aus und ist nicht geeignet als nutzfahrzeug wie die aktuellen unimog sondern nur als show car

anbe19
10.01.2012, 00:33Uhr

So ein Quatsch habe ich noch nie gesehen !!! einfach nur zum Lachen, das soll ein Unimog werden ? NIEMALS *LACH*

Was ist mit Daimler bloß los?

rrzz
11.10.2011, 15:06Uhr

Hässliche Studie! Kann ja nur von Benz kommen der Schrott.

12345
11.10.2011, 13:34Uhr

sehr schönes teil, damit könnte man sehr sehr viele widerliche vw's, audis und skodas zerquetschen

Seite 1 2 3 4

Kommentar verfassen

  • Anmelden
  • Registrieren
Sie haben noch 800 Zeichen übrig
Anzeige

Versicherungsvergleich

Neuwagen

Porsche 911

Neuwagen deutlich
unter Listenpreis

Porsche 911 Neuwagen-Angebote

Gebrauchtwagen

Mercedes-Benz Gebrauchtwagen-Angebote

Mercedes-Benz

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige