Vier getunte BMW 320d

Vier getunte BMW 320d Vier getunte BMW 320d

Vier getunte BMW 320d

— 01.09.2005

Flotte Dreier

Als "treibende Kraft" wird der neue 3er in den BMW-Werbespots gepriesen. AC Schnitzer, Mattig, Wimmer und Wetterauer verpassen dem 320d noch eine Zugabe.

Gleiche Leistung, verschiedene Charaktere

Hand aufs Herz: Haben Sie nicht auch schon mal davon geträumt? Von einem richtig flotten Dreier? Nein, nicht von einem M3. Der ist ja nur was für Extremsportler und außerdem noch gar nicht im neuen 3er-Dreß der fünften Generation erhältlich. Wir meinen den familientauglichen BMW 320d, serienmäßig schon recht flott mit 163 Diesel-PS und bis zu 340 Newtonmetern Drehmoment. Vor 20 Jahren feierte der Selbstzünder in der 3er-Reihe Premiere, damals als 324d mit – aus heutiger Sicht – bescheidenen 86 PS.

Der jüngste Nachfolger bringt mit Turbolader und Chiptuning deutlich mehr als das Doppelte an die Antriebsachse: Jeweils rund 200 PS und 400 Nm holen die Experten von AC Schnitzer, Mattig, Wetterauer und Wimmer Rennsporttechnik aus dem Zweiliter-Common-Rail-Aggregat heraus. Obwohl die Leistung bei allen vieren praktisch identisch ist, Unterschiede in Sachen Motorcharakteristik gibt's trotzdem. Und bei Fahrwerkabstimmung und Optik fahren auch nicht alle auf der gleichen Schiene. Äußerlich zurückhaltend beispielsweise kommt der 320d von Wetterauer daher. Der Koblenzer Chiptuningspezialist, der für alle gängigen Marken Leistungssteigerungen anbietet, läßt den Basis-3er optisch nahezu unverändert.

Eins läßt Wetterauer zum Glück nicht, wie es ist: die Räder. Wir möchten zwar niemanden dazu drängen, an seinen neuen 3er vergoldete 23-Zöller zu montieren. Aber von Haus aus schaut der kleine Bajuware mit den mickrigen 16-Zoll-Stahlrädern nicht sonderlich eindrucksvoll aus. Da ist gutes Rad teuer. Mal mehr, mal weniger. Bei Wetterauer eher weniger: 2355 Euro kostet ein kompletter RH-Aluradsatz in 19 Zoll, inklusive 235er-Bridgestone-Breitreifen. Unserer Meinung nach eine empfehlenswerte Investition. Dazu noch ein Federnsatz von Eibach sowie eine Carbon-Motorabdeckung – fertig ist der dezente Wetterauer.

Gutes Rad muß nicht teuer sein

Gewohnt auffällig tritt dagegen der 320d von Mattig auf: Frontspoiler, Heckschürze, Seitenschweller, Vierrohr-Auspuff, Scheinwerfer-Blenden – eben das volle Programm. Der Tuner aus Bayern, der mit Til Schweigers Breitbau-Manta aus dem Film "Manta, Manta" über die Landesgrenzen hinaus Bekanntheit erlangte und schwerpunktmäßig in der Club-Szene verkauft, will jetzt auch im gehobenen Segment Fuß fassen. Geschäftsführerin Petra Mattig: "Wenn sich der Teileverkauf positiv entwickelt, werden wir einen Body-Kit für den 1er nachlegen." Als einziger der vier 3er rollt der Mattig-BMW auf 20-Zoll-Rädern.

Die Bereifung ist nicht minder imposant: 285er-Walzen an der Hinterachse sind in dieser Fahrzeugklasse absolut rekordverdächtig. Auf Grund des niedrigen Querschnitts der Conti-Sportreifen werden Lenkbewegungen hier am direktesten umgesetzt (weniger Schräglaufwinkel). Auf dem Rundkurs in Oschersleben bestätigt sich der agile Eindruck: Bestzeit für Mattig in 1:53,92 Minuten. Eine Top-Leistung, vor allem wenn man die für Turbos ungünstige Außentemperatur von über 25 Grad Celsius berücksichtigt. Das KW-Gewindefahrwerk zeigt deutlich weniger Wankbewegungen als die Konkurrenz, dafür geht's im Stadtverkehr ruppig zu.

Daß eine sportliche Abstimmung keinen kompletten Komfortverzicht bedeuten muß, beweist der 3er von AC Schnitzer. Das mit Stabilisatoren verstärkte Sportfahrwerk, von AC Schnitzer-Fahrwerkspezialist Manfred Wollgarten auf der Nordschleife abgestimmt, bietet die perfekte Balance aus Komfort und Rennstreckentauglichkeit. Auf dem Rundkurs zeigt der ACS3 2.0d eine minimale Tendenz zum übersteuern, die geübten Fahrern viel Freude bereitet und das Auto deutlich schneller um die Ecke bringt. Daß die Rundenzeit trotzdem nicht Spitze ist, liegt allein an der schwächeren Beschleunigung (dazu später mehr).

Tuningmaßnahmen und Preise

Auf der Autobahn macht er dafür den besten Eindruck, Bodenwellen werden anstandslos gemeistert, dazu rollt der Schnitzer ausreichend komfortabel ab. Doch nicht nur beim Fahrverhalten, sondern auch in puncto Aussehen verdient das Schnitzer-Paket Bestnoten. Mit zackigem Frontspoiler, typischen Schnitzer-Alus, Heckspoiler und angedeutetem Diffusor verwandeln die Aachener das allzu brave Serienauto in eine markante Sportlimousine. Besonders die Heckpartie, optisch ein Schwachpunkt des neuen 3ers, gewinnt an Dynamik und wirkt deutlich bulliger.

Innen erstrahlt der ACS3 ebenfalls in vollem Schmuck: Carbon, Aluminium, Chrom und Leder – das sieht alles gut aus, der Preis für diesen Luxus liegt allerdings in schwindelerregenden Höhen. Solch einen finanziellen Overkill müssen die Kunden von Wimmer Rennsporttechnik nicht befürchten. Räder und Fahrwerk, mehr verändert der Tuner nicht. Genau wie Konkurrent Wetterauer setzt Wimmer bewußt auf Understatement. "Wer möchte, kann bei uns natürlich auch ein Spoiler-Kit ordern", so Wimmer-PR-Chefin Gesine Dageförde. "Die meisten Kunden investieren aber lieber in Fahrwerkoptimierung und Leistungssteigerung."

Letzteres ist bei dem unauffälligen Rheinländer mit Blick auf die Meßtabelle besonders gelungen: Bei Beschleunigung und Elastizität erzielt der 320d von Wimmer die besten Werte. Vor allem im Zwischenspurt hängt er deutlich besser am Gas als die Konkurrenz, von 80 bis 120 km/h im fünften Gang beträgt der Vorsprung auf den AC Schnitzer beispielsweise satte zwei Sekunden. Aber auch Mattig und Wetterauer lassen den ACS3 2.0d nicht besonders gut aussehen. Allerdings nur auf den ersten Blick ...

Fahrleistungen und Verbrauch

Denn der Vorsprung in Elastizität und Beschleunigung ist mit einer Einschränkung erkauft, die sich für Kunden nur bedingt bezahlt macht. Bei längeren Vollastfahrten im höchsten Gang auf der Autobahn hatten die 320d von Mattig, Wimmer und Wetterauer in konstanter Regelmäßigkeit mit Leistungsverlust zu kämpfen. Dann sackte die Tachonadel trotz durchgetretenem Gaspedal plötzlich von 240 auf 210 km/h, um Sekunden später wieder nach oben zu wandern.

Lediglich der AC Schnitzer fuhr während unseres gesamten Testzeitraums völlig ohne Beanstandung, obwohl das Phänomen dort ebenfalls bekannt ist: "Der Rußpartikelfilter ist das Problem", erklärt Technikchef Roman Fenners. "Damit der Filter einwandfrei funktioniert, muß eine bestimmte Temperatur vor und hinter dem Rußpartikelfilter gewährleistet sein." Diese Temperatur liegt bei zirka 700 Grad Celsius, Schutzparameter in der Motorelektronik verhindern eine Überhitzung.

Um den Antritt zu optimieren, erhöhen viele Tuner die Einspritzmenge im unteren Drehzahlbereich. Das Problem: Am Partikelfilter kann es so unter Vollast zum Hitzestau und einem Temperaturanstieg von deutlich über 700 Grad kommen. "Dann", so Fenners, "greifen die Schutzparameter der Elektronik ein und reduzieren die Leistung." In diesem Fall wird die zu hohe Temperatur als "Fehler" erkannt und zur "Abhilfe" die Leistung gedrosselt.

Eine Reaktion, die das Auslesen der Fehlerspeicher von uns bei allen Problemfällen bestätigte. "Wir hatten bei unseren ersten Prüfstandsmessungen die gleichen Probleme", gibt Fenners offen zu. "Letztlich haben wir uns gegen eine bessere Beschleunigung entschieden, aber dafür hält unser System auch unter extremem Vollastbetrieb." Gegenüber dem Serienmodell schneidet der AC Schnitzer außerdem immer noch gut ab: Im Spurt auf 100 km/h verbessert sich die "durchzugsschwächste" Tuningversion im Vergleich von 8,6 auf 8,0 Sekunden.

Technische Daten und Fazit

Fazit von sportscars-Redakteur Ingo Roersch: Flotte 3er, das sind sie alle vier. Dennoch gibt es bei diesem Vergleich einen klaren Sieger, und der heißt AC Schnitzer. Optisch gelungen, überzeugt der ACS3 2.0d mit einem perfekten Fahrwerk und hat als einziger keine Probleme mit der Rußfilter-Technik. Allerdings liegt er in den Beschleunigungswerten klar hinter der Konkurrenz.

Wenn Mattig, Wetterauer und Wimmer die – durchaus lösbaren – Schwierigkeiten mit dem Partikelfilter in den Griff bekommen, bieten sie nicht nur im Preis eine überlegenswerte Alternative zur Leistungssteigerung von AC Schnitzer. Der Mattig 320d besticht zudem durch sein günstiges Aerodynamikpaket und die schnellste Runde in Oschersleben.

Autor: Ingo Roersch

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