VW T4 Multivan: Gebrauchtwagen-Test
Gebrauchter VW T4 Multivan – ein bezahlbarer Traum
VW T4 Multivan im Test
Bild: Christoph Boerries
Die Bulli-Zeitenwende ist 34 Jahre her. Damals stellte VW die vierte Transportergeneration (T4) vor. Das viel modernere Layout mit Frontmotor und Frontantrieb verstimmte anfangs die gusseisernen Fans, ebnete jedoch den Weg für reichlich Gleichteile mit diversen Pkw-Modellen. Und obwohl die Wachablösung bereits 2003, also vor 21 Jahren, erfolgte, ist der 1,9 Millionen Mal gebaute T4 kein klassischer Young- oder Oldtimer, sondern als Gebrauchter noch immer eine feste und gefragte Größe. Besonders als Multivan hat er sich über die Jahre den Ruf eines eben noch erschwinglichen, multifunktionalen und neidarmen Traumautos erarbeitet.
Als Multivan ist der VW T4 auf Vielseitigkeit ausgelegt
Das ist er: Der T4 ist ein traditionsreiches Raumwunder. Auf der Grundfläche eines aktuellen Mittelklasse-Kombis ist der nur 4,79 Meter (bis zum Facelift 4,70 Meter) lange T4 so vielseitig und geräumig wie kaum ein anderes Fahrzeug. Die seitliche Schiebetür erleichtert das Einsteigen in den Fondraum und das Beladen enorm. Neben der von uns gefahrenen Multivan-Variante für Freizeit und Familie gibt es zahlreiche weitere T4-Versionen, die jedoch nicht so stark auf Vielseitigkeit ausgelegt sind. Nackte Nutzfahrzeuge mit viel Blech und rudimentärem Komfort sind Kastenwagen, Transporter und Kombi.
Der Caravelle ist als reiner Personentransporter konzipiert, als California ist der T4 ein kompakter Camper. Als enorm praktisches Alltagsauto besonders gesucht sind heute die Facelift-Modelle ab 1996. Sie sind äußerlich leicht an der abgerundeteren Front mit dem sogenannten Happy Face sowie den voluminösen Stoßfängern zu erkennen. Vorsicht: Am Markt befinden sich auch etliche Selbstumbauten und -ausbauten. Nicht jede Multivan- oder Caravelle-Offerte hatte ihr Autoleben lang eine Pkw-Laufbahn.
Bis zu sieben Sitzplätze und eine erstaunlich komfortable Liegefläche
Das hat er: Unzählige Talente hat der T4 zu bieten. Seinen Ruf des automobilen Schweizer Taschenmessers trägt der Multivan zu Recht. Mit serienmäßigen Komfortdetails geizte VW damals jedoch. Sein Innenraum ist höchst funktional, wirkt jedoch meist etwas spröde. Je nach Konfiguration sind ein Tisch und fünf bis sieben vollwertige Sitzplätze an Bord. Zu Übernachtungszwecken lässt sich dank der Klappschlafbank und des Multiboards im Kofferraum mit wenigen Handgriffen eine erstaunlich komfortable Liegelandschaft zaubern.

Streng funktionales Cockpit. Auf 26 Jahre hochgerechnet ist die Laufleistung mit rund 430.000 Kilometern eher normal.
Bild: Christoph Boerries
Wenn Transporttalente gefragt sind, verschwinden im leergeräumten Fond dank maximal 5400 Liter Ladevolumen wahlweise ein Motorrad oder ein kleinerer Hausstand. Beim Thema Komfort kneift es aus heutiger Sicht etwas. Ausstattungsmerkmale wie elektrische Fensterheber, Klimaanlage, (inzwischen veraltete) Navigationssysteme, Standheizung oder Sitzheizung kosteten einst empfindlich hohe Aufschläge und trieben die ohnehin heftigen Listenpreise in unerwartete Höhen.
Für Freunde gehobener Ausstattungen sind insbesondere die spät gebauten Sondermodelle spannend. Als die Kundschaft anspruchsvoller wurde und der Abverkauf der Teilelager angekurbelt werden durfte, zeigte man sich kreativ. Am Marktverfügbar sind die Editionen Allstar, Atlantis, Classic, Family, Generation, Last Edition, Special, Tim & Tom, Topstar sowie der Luxusliner Highline.
Weit verbreitet ist der fünfzylindrige 2.5 TDI
So fährt er: Der Fahreindruck kommt bis auf die erhöhte Sitzposition den damaligen Pkw-Geschwistern Golf und Passat sehr nahe. Er ist noch immer erstaunlich zeitgemäß und verblüffend handlich: Mit den 1,9-Liter- und 2,4-Liter-Dieselmodellen ist man nach heutigen Maßstäben arg untermotorisiert. Zeitgemäßer fahren die größeren Motoren: Weit verbreitet ist der fünfzylindrige 2.5 TDI ab 102 PS. Er ist enorm langlebig, charismatisch und selbst ungechippt recht kräftig.

Überragendes Raumangebot im Fond. Je nach Bestuhlung gibt es drei bis fünf vollwertige Sitzplätze.
Bild: Christoph Boerries
Nochmals besser geht die150-PS-Variante mit rotem "I" im TDI-Schriftzug. Klangstark, aber extrem durstig sind die recht seltenen VR6- und V6-Versionen mit140 oder 204 PS. Mit ihnen sollte man realistisch nicht mit Verbräuchen unter 15 Liter Super kalkulieren. Das Fünfgang-Schaltgetriebe ist deutlich gefragter als die optional angebotene Vierstufenautomatik, die dem T4 spürbar Dynamik raubt und im Alter nicht immer fehlerfrei funktioniert.
Vorsicht: Eine grüne Plakette für Umweltzonen gab es für die Dieselmodelle ab Werk nie, jedoch konnten diese mit einem nachgerüsteten Partikelfilter nachträglich erlangt werden. Für leichtes Gelände und zum Ziehen schwerer Anhänger tauglich sind die allradgetriebenen Syncro-Versionen mit (im Alter leider teils verschlissener) Visco-Kupplung. 1999 machte die Fahrsicherheit durch die Einführung des elektronischen Stabilisierungssystems ESP einen großen Sprung.
Technische Daten
2.5 TDI | 2.5 TDI | 2.8 V6 | |
|---|---|---|---|
Motor | Fünfzylinder/vorn quer | Fünfzylinder/vorn quer | VR6/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 | 2 pro Zylinder/1 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 2461 cm³ | 2461 cm³ | 2792 cm³ |
Leistung | 75 kW (102 PS) bei 3500/min | 111 kW (150 PS) bei 4000/min | 150 kW (204 PS) bei 6200/min |
Drehmoment | 250 Nm bei 1900/min | 295 Nm bei 1900/min | 245 Nm bei 2500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 157 km/h | 181 km/h | 194 km/h |
0-100 km/h | 18,1 s | 12,5 s | 12,4 s |
Tank/Kraftstoff | 80 l/Diesel | 80 l/Diesel | 80 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Fünfgang manuell/Vorderrad | Fünfgang manuell/Vorderrad | Vierstufenautomatik/Vorderrad |
L/B/H | 4789/1840/1920 mm | 4789/1840/1920 mm | 4789/1840/1900 mm |
Kofferraumvolumen | 720-5400 l | 720-5400 l | 720-5400 l |
Leergewicht/Zuladung | 1971/729 kg | 2001/659 kg | 2132/528 kg |
Umfangreiche Rostschäden können die Sanierungskosten explodieren lassen
Das macht Ärger: Lackgarantie (drei Jahre) und Durchrostungsschutzgarantie (sechs Jahre) sind beim T4 längst abgelaufen. Daher ist bei der Besichtigung ein genauer Blick auf die Karosseriesubstanz das A und O. Umfangreiche Rostschäden im Bereich der Säulen und Schweller sowie an der Bodengruppe unter dem PVC-Unterbodenschutz können die Sanierungskosten beim Karosseriebauer explodieren lassen. Oder andernfalls beim HU-Termin das K.-o.-Kriterium sein.
Gefällt uns
- Sensationelles Raumangebot
- Hohe Variantenvielfalt
- Allroundeigenschaften herausragend
Gefällt uns nicht
- Müde Basismotoren
- Fahrzeugsubstanz stark pflegeabhängig
- Preisniveau hoch und eher steigend
Der Zustand des Innenraums ist extrem abhängig von der individuellen Fahrzeughistorie. Nicht selten tauchen Fahrzeuge mit unplausiblen Tachoständen am Markt auf, daher sollten alte Rechnungen und Serviceunterlagen genau geprüft werden. Häufiger marode sind Stoßdämpfer, Motorlager und -dichtungen, die Gummis der Achsaufhängung und Türkabelbäume. Der Zahnriemen verzeiht keine Überziehung, muss spätestens alle 90.000 Kilometer aufwendig gewechselt werden.
Einzelne Plastikblenden im Innenraum verspröden und brechen. Museal und häufig defekt sind die Navigationssysteme mit optischem Laufwerk. Die Getriebe leiden bei schwerem Anhängerbetrieb, besonders die Automaten sind anfällig. Beim Kraftfahrt-Bundesamt ist für den T4 nur ein Rückruf hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,8 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 213 g/km |
Inspektion | 400-900 Euro |
Haftpflicht (15)* | 378 Euro |
Teilkasko (18)* | 461 Euro |
Vollkasko (14)* | 736 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 3) | 345 Euro |
Ersatzteilkosten*
Lichtmaschine (AT) | 650 Euro |
|---|---|
Anlasser | 430 Euro |
Wasserpumpe | 450 Euro |
Zahnriemen | 1000 Euro |
Nachschalldämpfer | 350 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1200 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 765 Euro |
Radioanlage | ab 300 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 225/55 R 17) | 650 Euro |
Service-Links






















