Wasserauto-Erfinder Daniel Dingel

Wasserauto-Erfinder verurteilt

— 28.07.2009

Ausgedingelt

Mit seiner Idee wollte er zu Reichtum kommen. Inzwischen ist er auf dem Weg in den Knast. Doch Wasserauto-Erfinder Daniel Dingel kämpft - und will seine Weltrevolution in Europa vorstellen.

Kaum eine AUTO BILD-Geschichte hat jemals so viele Leserkommentare erhalten, Fachleute fasziniert und Fragen hinterlassen wie diese. Wir brachten sie erstmals in Heft 43/2000, setzten die Berichterstattung bis 2006 viermal fort. Die Rede ist vom Auto, das mit Wasser fährt. Das jedenfalls behauptet sein Erfinder Daniel Dingel. Jetzt gibt es Neuigkeiten. Dingel, der Daniel Düsentrieb aus Manila (Philippinen), wurde in seiner Heimat gerichtlich verurteilt. Der Vorwurf: Betrug.

"Extrem energiereicher Wundersprit"

Rückblick: Bereits 1969 will der bastelnde Autodidakt die Grundsätze der Thermodynamik auf den Kopf gestellt haben. Mehrmals zeigte er uns sein Labor (aus Platzmangel im Hausflur beheimatet) sowie das Studienobjekt, seinen 1996er Toyota Corolla 1.6 GLI, der äußerlich höchstens durch einen rasanten Doppelheckspoiler spektakulär wirkt. Dingels erste Version: Der Toyota fahre mit Wasserstoff, der mit einer ordinären Zwölf-Volt-Batterie an Bord erzeugt werde. Spätere Korrektur: Nicht Wasserstoff treibe die Kiste an, sondern "dessen elektromagnetische Verwandlung in einen extrem energiereichen Wundersprit". Konstante derweil: Dingels Verbrauchsangabe. 0,5 bis 1,0 Liter Leitungswasser pro 100 Kilometer. Und dieses Versprechen: "Ich werde der reichste Mann der Welt – und alles mit meinen armen Landsleuten teilen." Na klar.

Förderer sieht ihn als Scharlatan

"Dingels größte Erfindung war sein Trick, Investoren Geld aus der Tasche zu ziehen", sagt Diplom-Ingenieur Dieter Klauke.

Einen ernsthaften Dreh bekam die Sache dadurch, dass ihm Industrie wie Investoren Millionen boten. Und durch Fachleute, die Dingels Thesen vor Ort zumindest nicht widerlegen konnten. Indes: Seine oft zugesagte Offenbarung der Erfindung blieb stets aus. Heute sehen ihn auch seine Förderer Günther Brand und dessen Berater Dieter Klauke (wir begleiteten beide nach Manila) als Scharlatan. Wie das Gericht: Dingel soll 20 Jahre absitzen, einem Investor aus Taiwan die erschwindelten 410.000 US-Dollar zurückzahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sein Anwalt Frank Chavez will Berufung einlegen. Jetzt wurde Dingel nach Österreich eingeladen, um seine Weltrevolution vorzuführen. Derzeit kämpft Chavez um eine Ausreisegenehmigung. Denn Dingel darf die Philippinen nicht verlassen. Ist wohl auch besser so...

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