Wie viel Überraschung gibt es für 50.000 Euro? Weinsberg baut dafür einen Teilintegrierten, in dem es sich besser als im Liner liegt.
Christian Steiger
Schnell jetzt, nicht lange nachdenken: Wo fängt unterwegs das gute Leben an? Dort, wo ein Smart aus der Heckgarage fährt und die Arbeitsplatte in der Küche aus Blue-Pearl-Granit besteht? Beim indirekt beleuchteten Acrylschrein für die Weingläser? Oder doch beim Bett, das nie zu knapp wird? Dieses hier ist breiter als lang. Zwei-Meter-Kerle können notfalls quer darin schlafen. Und selbst in der Luxus-Liner-Klasse müssten Sie lange suchen, bis 1,96 Meter Länge und 2,06 Meter Breite übertroffen sind. Nur dass ein Weinsberg nicht zu den unerreichbaren Lebensträumen gehört: Die Carasuite-Preisliste beginnt bei 48.190 Euro für die Sieben-Meter-Version, die 650 heißt. Wir fuhren den 7,43 Meter langen Carasuite 700 ME, Grundpreis 50.490 Euro.
Weinsberg spart am Lametta, aber nicht am Möbelbau
Der halbhohe Kühlschrank mit der großen Ablage ist gut für den allgemeinen Raumeindruck.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Das ist er: Kein ganz neues Modell, sondern die Hubbett- und Stretch-Version des bekannten Caraloft. Der Mehrpreis für die Großraumversion (ab 1800 Euro) ist moderat. Und das, obwohl das Raumangebot des Carasuite 700 locker mit dem von Vollintegrierten konkurrieren kann. Auch die Verarbeitungsqualität fällt in dieser Preisklasse angenehm auf: Die Knaus-Tabbert-Einsteigermarke spart teures Lametta, aber anscheinend nicht am Möbelbau. Soft-close-Schubladen und kerzengerade Fugen, die kräftigen Scharniere der Dachstauschränke und die dicken Matratzen im Heck, der wackelfreie und erweiterbare Tisch in der Dinette – nichts riecht hier nach Discount.
Platz ist kein Problem: Der Tester misst 1,87 Meter – und kann unterm Hubbett bequem stehen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Das hat er: Platz, sehr viel Platz, nicht nur im Heckbett. Das liegt auch daran, dass der Carasuite 15 Zentimeter höher ist als die Caraloft-Basis. Selbst unterm eingeklappten Hubbett huschen Hünen noch durch, ohne den Kopf einziehen zu müssen, und auch die Dusche bietet stolze 1,90 Meter Stehhöhe. Nebenbei ist die Nasszelle mit ihren Kunststoffflächen auch leicht zu reinigen. Knapp wird's für große Leute auf der steilen Sitzbank in der zweiten Reihe, wo noch dazu die Kopfstützen zu kurz sind. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil sich die Entwickler länger mit ihnen beschäftigt haben. Denn wenn der Carasuite zum Wohnen gebraucht wird, lassen sich die beiden Stützen aus ihren Halterungen ziehen; ein formschönes Brettchen deckt das Oberteil der Sitzbank ab und macht sich als Küchenanrichte nützlich. An so was haben sie gedacht, die Weinsberg-Leute, und bauen es ohne Mehrpreis ein. Auch das große Panoramafenster im Fahrerhaus gehört dazu, aus dem die Reisenden im Hubbett nachts den Sternenhimmel beobachten können. Aber kurz vor Schluss kam anscheinend doch noch ein Controller, um ein paar Goodies wegzustreichen. Dazu gehören die linke Garagentür, die den großen Stauraum erst nutzbar macht, und das zweite Schlafzimmerfenster, ohne das es hinten im Wagen düster aussieht. Beides lässt sich Weinsberg mit 299 bzw. 259 Euro extra bezahlen. Wir würden auch noch ein paar Euro für ein kleines Fenster in der Dusche ausgeben. Und für ein paar Kleiderhaken im hinteren Wohnbereich. Aber dieses Zusatzgeschäft hat der Controller wohl vergessen.
Der 150-PS-Diesel sollte es mindstens sein
So fährt er: Ein bisschen lendenlahm, wenn er auf der Autobahn überholen oder auf der Landstraße zwischenbeschleunigen muss – im Kampf gegen die große Stirnfläche sollte es nicht weniger sein als der 150-PS-Diesel, für den Weinsberg 1790 Euro extra berechnet. Übermotorisiert ist der große Wagen auch dann nicht, aber der Sprung zu 180 PS tut weh: 4290 Euro. Dass uns Weinsberg ein ganz frühes Carasuite-Exemplar schickte, war auf der großen Testrunde durch die Weite Niedersachsens nicht zu spüren: Er rollte geschmeidig ab, nervte trotz des großen Panoramafensters nicht mit hässlichen Windgeräuschen und ließ auf schlechter Strecke nur sein Hubbett leise im Takt der Schlaglöcher knistern. Bremsen- und Fahrdynamiktests absolvierte der Carasuite ohne negativen Befund. ESP bringt er serienmäßig mit, für Beifahrer-Airbag und Isofix zahlen Weinsberg-Käufer extra. Macht zusammen noch mal 510 Euro. Schnell jetzt, nicht lange nachdenken: Gehört zum guten Leben unterwegs nicht das komplette Sicherheitsprogramm?
Bildergalerie
Wohnmobil-Test Weinsberg Carasuite 700 ME
Fazit
von Christian Steiger
Alle großen Dinge sind einfach: Weinsberg bläst einen bekannten Teilintegrierten zum KingsizeModell auf, das mit viel Platz, guter Qualität und attraktivem Grundpreis überzeugt. Sein größter Fehler ist die lange Aufpreisliste. Urteil: vier von fünf Punkten.
Wohnmobil-Test Weinsberg Carasuite 700 ME
1/21
Der 7,43 Meter lange Weinsberg Carasuite 700 ME bietet einiges, gehört dabei aber nicht zu den unerreichbaren Lebensträumen. Klingt super, auf zum Wohnmobil-Test!
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
2/21
Die Carasuite-Preisliste beginnt bei 48.190 Euro für die Sieben-Meter-Version, die 650 heißt. Der Grundpreis für unseren Carasuite 700 ME: 50.490 Euro.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
3/21
Der Carasuite 700 ME ist kein ganz neues Modell, sondern die Hubbett- und Stretch-Version des bekannten Caraloft. Der Mehrpreis für die Großraumversion (ab 1800 Euro) ist moderat. Und das, obwohl das Raumangebot des Carasuite 700 locker mit dem von Vollintegrierten konkurrieren kann.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
4/21
Der Knaller bei unserem Wohnmobil ist das Bett: Es ist breiter als lang. Zwei-Meter-Kerle können notfalls quer darin schlafen. Und selbst in der Luxus-Liner-Klasse müssten Sie lange suchen, bis 1,96 Meter Länge und 2,06 Meter Breite übertroffen sind.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
5/21
Doch nicht nur die Größe macht's, sondern auch der gute Liegekomfort im Kingsize-Bett.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
6/21
Auch die Verarbeitungsqualität fällt in dieser Preisklasse angenehm auf: Die Knaus-Tabbert-Einsteigermarke spart teures Lametta, aber anscheinend nicht am Möbelbau. Soft-close-Schubladen und kerzengerade Fugen, die kräftigen Scharniere der Dachstauschränke und die dicken Matratzen im Heck, der wackelfreie und erweiterbare Tisch in der Dinette – nichts riecht hier nach Discount.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
7/21
Auch außerhalb des Heckbetts bietet der Weinsberg viel Platz. Das liegt auch daran, dass der Carasuite 15 Zentimeter höher ist als die Caraloft-Basis. Selbst unterm eingeklappten Hubbett huschen Hünen noch durch, ohne den Kopf einziehen zu müssen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
8/21
Auch die Dusche bietet stolze 1,90 Meter Stehhöhe. Nebenbei ist die Nasszelle mit ihren Kunststoffflächen auch leicht zu reinigen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
9/21
Das großes Fenster (229 Euro) macht's schön hell im Bad, genug Platz in den Schränken ist vorhanden – aber kein einziger Handtuchhaken.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
10/21
Knapp wird's für große Leute auf der steilen Sitzbank in der zweiten Reihe, wo noch dazu die Kopfstützen zu kurz sind. Doch wenn der Carasuite zum Wohnen gebraucht wird, lassen sich die beiden Stützen aus ihren Halterungen ziehen. Ein formschönes ...
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
11/21
... Brettchen deckt das Oberteil der Sitzbank ab und macht sich als Küchenanrichte nützlich. Die LED-Bänder gehören zum AmbienteLichtpaket (299 Euro).
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
12/21
Fürsorglich: Herausnehmbare Zusatzstufe in der Dinette. Ganz ohne Stolperfalle geht's nicht.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
13/21
Ohne Mehrpreis ist das große Panoramafenster im Fahrerhaus dabei, aus dem die Reisenden im Hubbett nachts den Sternenhimmel beobachten können.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
14/21
Aber kurz vor Schluss kam anscheinend doch noch ein Controller, um ein paar Goodies wegzustreichen. Dazu gehören die linke Garagentür, die den großen Stauraum erst nutzbar macht, ...
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
15/21
... und das zweite Schlafzimmerfenster, ohne das es hinten im Wagen düster aussieht. Beides lässt sich Weinsberg mit 299 bzw. 259 Euro extra bezahlen.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
16/21
Die Gasflaschen in der Garage sind ein Fall für schmerzbefreite Bandscheiben.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
17/21
Feine Sache: Frischwasser rein, Grauwasser raus – alles hinter einer gemeinsamen Serviceklappe.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
18/21
Und wie fährt er sich? Ein bisschen lendenlahm, wenn er auf der Autobahn überholen oder auf der Landstraße zwischenbeschleunigen muss – im Kampf gegen die große Stirnfläche sollte es nicht weniger sein als der 150-PS-Diesel, für den Weinsberg 1790 Euro extra berechnet. Übermotorisiert ist der große Wagen auch dann nicht, aber der Sprung zu 180 PS tut weh: 4290 Euro.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
19/21
Dass uns Weinsberg ein ganz frühes Carasuite-Exemplar schickte, war auf der großen Testrunde durch die Weite Niedersachsens nicht zu spüren: Er rollte geschmeidig ab, nervte trotz des großen Panoramafensters nicht mit hässlichen Windgeräuschen und ließ auf schlechter Strecke nur sein Hubbett leise im Takt der Schlaglöcher knistern.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
20/21
Bremsen- und Fahrdynamiktests absolvierte der Carasuite ohne negativen Befund. ESP bringt er serienmäßig mit, für Beifahrer-Airbag und Isofix zahlen Weinsberg-Käufer extra. Macht zusammen noch mal 510 Euro.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
21/21
Fazit: Weinsberg bläst einen bekannten Teilintegrierten zum Kingsize-Modell auf, das mit viel Platz, guter Qualität und attraktivem Grundpreis überzeugt. Sein größter Fehler ist die lange Aufpreisliste. Urteil: vier von fünf Punkten.