Werkstattärger: So wehren Sie sich

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Werkstattärger: So wehren Sie sich

— 09.06.2010

So wehren Sie sich bei Werkstattärger

Rechnung gesalzen, Reparatur verpfuscht? Das kann jeden Autofahrer treffen. Doch man muss nicht alles hinnehmen: AUTO BILD verrät, wie man sich bei Ärger mit der Werkstatt wehren kann.

So lange das verschleißfreie Auto nicht erfunden ist, muss es regelmäßig in die Werkstatt. Meist ist deren Arbeit auch nicht zu beanstanden – doch oft genug gibt es Streit über Arbeitsqualität und Kosten. AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.
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Ist ein Kostenvoranschlag verbindlich, und muss er bezahlt werden?
Rechtlich ist er eine "unverbindliche fachmännische Berechnung der voraussichtlichen Kosten". Ein Kostenvoranschlag darf zwar überschritten werden, doch bei mehr als 20 Prozent Überschreitung urteilen die Gerichte meist zugunsten des Kunden. Vorausgesetzt, die Werkstatt hat den Kunden nicht informiert und es versäumt, dessen Zustimmung einzuholen. Strikt eingehalten werden müssen Angebote mit einem vereinbarten Festpreis.

Bei mehr als 20 Prozent Überschreitung des Kostenvoranschlags urteilen die Gerichte meist zugunsten des Kunden.

Ist die Werkstatt verpflichtet, einen Vorabcheck zu machen? Nein, rechtlich ist sie das nicht. Gute Werkstätten zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie das Auto gemeinsam mit dem Kunden begutachten und die anstehenden Arbeiten erklären. Das vermeidet spätere Auseinandersetzungen über Art und Umfang der Reparatur.

Was tun, wenn nicht ausgeführte Arbeiten berechnet wurden? Sofort beanstanden und auf Korrektur der Rechnung bestehen, denn der spätere Nachweis wird schwieriger. Vorsicht dabei mit dem bösen Wort "Betrug". Solch ein Vorwurf sollte nicht leichtfertig erhoben werden, denn auch bei der Rechnungsstellung können Fehler passieren.

Bei Streit mit der Werkstatt um Kosten oder Qualität der Arbeit kann man die Schiedsstelle des Kfz-Gewerbes einschalten.

Müssen später als überflüssig erkannte Arbeiten bezahlt werden? Dazu gilt: Ist eine Fehlerursache nicht eindeutig zu erkennen, kann die Werkstatt auch Arbeiten zum Ausschluss möglicher Fehlerquellen vornehmen. Sie muss dabei aber regelgerecht vorgehen. Wird etwa beim Beheben eines Motorruckelns nach dem Austausch des Steuergerätes schließlich der Luftfilter als Ursache erkannt, muss der Kunde auch nur diesen bezahlen.

Was tun, wenn Reparaturarbeiten mangelhaft ausgeführt wurden? Beispiel: eine Blecharbeit oder Lackierung misslingt. Dann hat der Kunde Anspruch auf Behebung der Mängel oder auf eine Preisminderung. Voraussetzung ist, dass die Arbeit deutlich schlechter ausgefallen ist, als sie unter Beachtung der Regeln der Handwerkskunst und nach dem Stand der Technik möglich wäre.

Wie sieht es mit Garantie und Gewährleistung auf Reparaturarbeiten aus? Eine Werkstatt muss zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung ("Sachmängelhaftung") auf ihre Arbeit geben, kann die Frist aber vertraglich auf ein Jahr verkürzen. Tritt in dieser Zeit ein Mangel auf, muss die Werkstatt diesen beheben. Eine Garantie auf Arbeiten tritt neben die gesetzliche Gewährleistung, für die Garantie gelten deren Bestimmungen.

Wem gehören aus dem Fahrzeug ausgebaute und ersetzte Teile? Wurde nichts anderes vereinbart, etwa die Verrechnung, kann der Kunde die Teile verlangen. Ausgenommen sind Teile und Stoffe, zu deren fachgerechter Entsorgung die Werkstatt gesetzlich verpflichtet ist.

Was passiert, wenn der Wagen in der Werkstatt beschädigt wurde?Dann muss die Werkstatt den Schaden beheben oder bezahlen, dafür tritt deren Haftpflichtversicherung ein.

Was muss bei der Abnahme des Autos beachtet werden? Ist die Rechnung zweifelhaft oder die Arbeit nicht zufriedenstellend ausgeführt, sollte das sofort beanstandet werden. Lässt sich ein Streit nicht schnell gütlich beilegen, gibt es für den Kunden einige Möglichkeiten, sich zu wehren. Bei Streit mit der Werkstatt um Kosten oder Qualität der Arbeit kann der Autofahrer die für ihn zuständige Schiedsstelle des Kfz-Gewerbes einschalten. Vorausgesetzt, der Rechtsweg wurde noch nicht eingeschlagen. Der Spruch der Schiedsstelle ist für die Werkstatt verbindlich, sofern diese Mitglied der Kfz-Innung ist. Passt dagegen dem Kunden die Entscheidung nicht, kann er immer noch vor Gericht gehen. Die zuständige Schiedsstelle findet sich unter kfzgewerbe.de.

Hilfe für Automobilklub-Mitglieder

Mitglieder von Automobilklubs können sich auch an die kostenlose rechtliche Erstberatung ihres Klubs wenden. Telefonische oder persönliche Rechtsberatung gegen Gebühr bieten auch die örtlichen Verbraucherzentralen. Links zu allen Stellen unter vzbv.de.

Autor: Roland Bunke

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