Ratgeber Werkstattpfusch

Werkstattpfusch

— 16.06.2010

So schützen Sie sich vor Werkstattpfusch

Ein Alptraum: Bei einer Routine-Reparatur entsteht in der Werkstatt ein größerer Schaden. Wer kommt für die Kosten auf, wenn die Werkstatt bei einer Reparatur das Auto beschädigt?

Eigentlich wollte Sebastian Kroll bei seinem Mégane Cabrio nur den Zahnriemen wechseln lassen. Doch als er es aus der Vertragswerkstatt holen wollte, kam die Hiobsbotschaft: Der Ölkühler sei beim Tausch des Ölfilters abgerissen. Macht 450 Euro Mehrkosten. Kroll fragt eine zweite Werkstatt und den Obermeister in der Kfz-Innung um Rat. Ihr Urteil: Der Schaden war vermeidbar. Doch die Vertragswerkstatt bleibt stur, will, dass der Kunde die 450 Euro bezahlt. Der sieht das nicht ein: "Ich bringe mein Auto zur Reparatur und bekomme es kaputt zurück. Nicht ich, sondern die Werkstatt hat den Ölkühler abgerissen." Was gilt in so einem Fall? Muss die Werkstatt oder der Kunde zahlen?
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Wer zahlt, wenn das Auto bei der Reparatur beschädigt wird?
Wenn der Schaden vermeidbar war, muss die Werkstatt bezahlen. Meistens hat sie dafür auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Kompliziert wird es, wenn die Werkstatt behauptet, der Schaden sei nicht absehbar gewesen oder eine Folge etwa des schlechten Zustandes des Autos. Dann muss ein Gutachter klären, ob das stimmt.

Wer darf so ein Gutachten erstellen, und wer bezahlt es?
Soll eine Rechtsschutzversicherung die Kosten übernehmen, muss das Gutachten von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen oder einer rechtsfähigen Sachverständigen-Organisation erstellt werden. Vorher sollte die entsprechende Deckungszusage der Rechtsschutzversicherung eingeholt werden.

Beim Tausch des Ölfilters riss in der Werkstatt der Ölkühler ab. Wer muss jetzt zahlen?

Muss man zahlen, wenn die Werkstatt etwas repariert, ohne zu fragen?
Nein. Die Werkstatt darf nur das reparieren, was der Kunde in Auftrag gegeben hat. Legen Sie also vor der Reparatur den Umfang des Auftrags genau fest. Zeigen sich während der Reparatur neue Schäden, muss die Werkstatt den Kunden "auf eine notwendige Erweiterung des Reparaturauftrages hinweisen" und seine Zustimmung einholen.

Wie lange kann man nachträglich Mängel reklamieren?

Grundsätzlich zwei Jahre lang (§ 634a BGB). Doch je länger die Reparatur zurückliegt, umso schwieriger lässt sich Pfusch beweisen. Also: Besichtigen Sie beim Abholen des Autos mit dem Meister Ihren Wagen. Kontrollieren Sie, ob alle Aufträge abgearbeitet wurden. Lassen Sie sich die Altteile zeigen, und halten Sie das Ergebnis schriftlich fest.

An wen kann man sich wenden, wenn es Streit mit der Werkstatt gibt?
Laufen Sie nicht gleich zum Anwalt. Eine Klage sollte immer das letzte Mittel sein. Bei jeder Kfz-Innung gibt es sogenannte Schiedsstellen. Sie vermitteln zwischen Werkstatt und Kunden und überprüfen, ob die Werkstatt korrekt gearbeitet hat.

Wo finde ich Schiedsstellen?
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe hat bei den Handelskammern Schiedsstellen eingerichtet. Sie sollen bei Streitigkeiten zwischen Werkstatt und Kunden den Fall prüfen und schlichten, für die Kunden kostenlos. Für die Werkstätten ist der Schiedsspruch bindend, die Kunden können dagegen klagen. Die Adressen finden Sie unter www.kfzschiedsstelle.de.

Das sagt der Rechtsanwalt
Grundsätzlich gilt: Wurde das Auto während der Reparatur beschädigt, haftet die Werkstatt. Allerdings nicht bei Schäden, die sich nicht vermeiden lassen. Jetzt muss geklärt werden, ob in diesem Fall die Schraubverbindung am Ölkühler tatsächlich festgesetzt und nicht anders zu lösen war. In dem Fall müsste Herr Kroll die Mehrkosten bezahlen. Problem: Als die Schwierigkeiten mit dem Ölkühler auftraten, hätte die Werkstatt den Kunden auf mögliche Gefahren hinweisen und seine Zustimmung zu Reparatur einholen müssen. Jetzt hat der Gutachter das Wort.

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