Wildunfälle: Was tun? Wer zahlt?

Vorsicht, wenn es wild wird ... Vorsicht, wenn es wild wird ...

Wildunfälle

— 14.05.2003

Vorsicht, wenn es wild wird ...

Wenn Hirsch und Hase Hochzeit halten, zwingen sie manchen Autofahrer zur Notbremse. Wie Wildschäden versichert sind, erklärt ONTOS-Versicherungsexperte Bernd Schmitz.

Wildunfälle können das Leben kosten

Im Wonnemonat Mai heiraten wir statistisch gesehen am liebsten. Und auch Männchen und Weibchen in der Tierwelt packt regelmäßig die Liebes-Sehnsucht. Und weil Liebe blind macht, kommt es jährlich zu mehr als 200.000 Wildunfällen auf Deutschlands Straßen. Allein im Jahr 2001 starben dabei 33 Autofahrer, 900 wurden schwer verletzt. Der Sachschaden kostete mehr als 350 Millionen Euro. Vor allem Oktober bis Januar (Brunftzeit) und April bis Juni (Revierkämpfe) gelten als typische Zeit für Wildunfälle.

Dagegen hilft erhöhte Vorsicht in diesen Monaten – vor allem außerhalb der Stadt. Dabei können schon einige wenige Verhaltensregeln Schlimmeres verhindern, erklärt Bernd Schmitz, Versicherungsexperte vom Direktversicherer ONTOS: "Oft hilft Fernlicht, um die funkelnden Wildaugen rechtzeitig am Straßenrand zu erkennen. Generell gilt natürlich immer, den Fahrbahnrand rechts und links im Auge zu behalten sowie vorausschauend zu fahren. Und wenn ein Tier auftaucht: bremsen, sofort abblenden und hupen."

Auf jeden Fall sollte damit gerechnet werden, dass nach dem ersten Tier meist noch ein ganzes Rudel folgt und die Unfallgefahr noch nicht vorbei ist. Bei Wildwechsel-Schildern mit dem springenden Hirsch sollte deshalb grundsätzlich das Tempo reduziert werden. Denn wer statt mit Tempo 80 nur 60 fährt, verkürzt seinen Anhalteweg um 40 Prozent, genauer um 34 Meter. Wertvolle Bremsmeter, denn wenn es kracht, dann meist gewaltig.

Im Überblick: Alles zum Thema Kfz-Versicherung

Fasane und Pferde sind nicht wild genug

"Ein Zusammenstoß bei rund 50 km/h multipliziert das Aufprallgewicht des Tieres um etwa das 25-fache seines Eigengewichts", erklärt DEKRA-Unfallexperte Jörg Ahlgrimm. Schon ein "20-Kilo-Reh", das gegen ein 50 km/h schnelles Auto prallt, entwickelt ein Aufschlaggewicht von einer halben Tonne. Ein 80 Kilo schweres Wildschwein bringt es auf einen Zwei-Tonnen-Einschlag. Da hilft dann auch die Knautschzone bei Kleinwagen nicht immer; ein Totalschaden ist oft die Folge.

Der wird allerdings nicht von der Kfz-Haftpflicht getragen, denn die zahlt nur bei Schäden durch das Auto. "Wildschäden am eigenen Fahrzeug werden über die Teilkasko reguliert. Eine Belastung des Schadenfreiheitsrabattes erfolgt nicht", erläutert Bernd Schmitz. Doch trotz Kasko ist auch nicht jeder Wildunfall versichert. Denn die Formulierung in den Versicherungsbedingungen lautet meist "Haarwild".

Das ist nach dem Bundesjagdgesetz nur haariges Getier; also Hirsch und Reh, Dachs und Fuchs, Wildschwein und Otter. Fasane und Eulen zählen nicht dazu, obwohl der Schaden am Auto ebenfalls gewaltig sein kann. Auch Schäden durch Pferde und Ziegen sind oft nicht versichert, weil zwar behaart, aber nicht wild. Einige Versicherer wie z.B. die ONTOS haben diese typischen Nutztiere aber in ihre Wildschadensklausel mit eingeschlossen. Damit sind Zusammenstöße versichert.

Ausweichmanöver sind mitversichert

Aber was passiert, wenn der Autofahrer geistesgegenwärtig auszuweichen versucht und dabei am Baum landet; keine Spur vom Reh am Auto, aber der Schaden ist kaum minder? Dann zahlt die Versicherung meist trotzdem die so genannten "Rettungskosten"; und zwar deshalb, weil ein Zusammenstoß mit großen Tieren noch größere Schäden verursachen könnte. "Hier zahlt die Versicherung für den gut gemeinten Versuch, Schaden abzuwenden", sagt Schmitz von der ONTOS.

Doch das beste Rezept ist immer noch die Vorsorge. Wo ist die Gefahr am größten? Vor allem in waldigen Gebieten kommt es zu Wildunfällen. Denn hier kommt der Hirsch so plötzlich vors Auto gesprungen, dass kaum noch reagiert werden kann. Ausweichen funktioniert aber auch auf weiter Flur nicht immer, denn Fuchs und Hase sagen sich bevorzugt in der Dämmerung Gute Nacht, wenn die Sicht schon eingeschränkt ist.

Besonders kritisch ist es zwischen fünf und acht Uhr morgens sowie 17 bis 22 Uhr am Abend. Oft kommen auf weiten Wiesenflächen noch Abend- oder Frühnebel dazu und vermindern die Sicht. Viel Aufmerksamkeit ist auch bei Getreidefeldern und dichtem Gebüsch am Wegesrand geboten. Beides nutzt das Wild als Deckung.

Was tun, wenn der Hirsch lossprintet?

Wenn der Unfall unausweichlich ist, nicht hektisch reagieren. Lenkrad festhalten und geradeaus steuern, voll auf die Bremse treten und Aufprall erwarten. Unkontrolliertes Ausweichen ist immer riskanter, als ein kontrollierter Zusammenstoß. Danach unbedingt folgende Regel beachten:

• Warnblinker einschalten und Unfallstelle absichern • Abstand vom verletzten Tier halten, damit sein Stress nicht größer wird • Getötetes Wild an den Straßenrand ziehen, aber nicht einpacken oder mitnehmen – das gilt als Wilderei und wird bestraft! • Füchse nur mit Handschuhen anfassen – Tollwutgefahr! • Beweise sichern für die Versicherung (Foto, Zeugen) • Polizei verständigen; die informiert auch den zuständigen Jäger • Falls die Polizei nicht kommt, zur nächsten Dienststelle fahren und Unfallspuren (Haarreste) sichern oder bestätigen lassen • Schaden innerhalb einer Woche der Versicherung melden

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