Drei Alkoven-Wohnmobile im Vergleich

Wohnmobil-Test: Forster A 699 HB/Sunlight A 68/Sun Living Lido A 49 DP

— 21.03.2015

Kampf um die Familienklasse

Vater, Mutter, Kinder? Dann muss ein bezahlbares Alkoven-Wohnmobil her. Das Angebot ist knapp wir prfen drei Kandidaten von Forster, Sunlight und Sun Living im groen Vergleichstest.

Der Schwellenpreis gehrt zum Einmaleins des Marketings wir alle kennen ihn: 99 Cent fr die Zahnpasta klingt eben sympathischer als 1,05 Euro. Entsprechend wird gefeilt, bis der Preis passt. Was im Kleinen gilt, funktioniert auch im Groen, bei Wohnmobilen fr die Familie. Da liegt die Schwelle bei 40.000 Euro. Vorn sollte also eine 39 stehen. Die Mobile unseres Trios schaffen das alle knapp, allerdings nur mit der Basismotorisierung des Fiat Ducato, einem 115-PS-Diesel. Doch alles, was man wirklich braucht, ist auch an Bord: Heizung, Herd, Khlschrank, Bad mit Dusche und Toilette, Aufbaubatterie, Beleuchtung und zwei Sitze mit Dreipunktgurten auf der Sitzbank im Wohnbereich. Klimaanlage im Cockpit, Radio, Rckfahrkamera, Markise oder Fahrradtrger? Kosten extra. Die Hersteller verkaufen das in attraktiven Paketen, doch ein Preis von unter 40.000 Euro ist nicht zu halten. Es sei denn, der Kufer feilscht ihn heraus. Sparalternative: Ab Werk nur ordern, was spter nicht nachzursten ist. Markise, Satelliten-TV und Rckfahrkamera dagegen kann spter noch der Weihnachtsmann bringen.
Im berblick: Alles zum Thema Wohnmobile

Forster A 699 HB: Der elegante Italiener

Der hochgezogene Alkoven des Forster bringt Kopffreiheit und verleiht optisch Schwung.

Das ist er: Die 2013 eingefhrte Marke Forster ist die Zweitmarke des Traditionsherstellers Eura (Sprendlingen). Sie ist erfolgreich gestartet, der Absatz lag im ersten Jahr bereits deutlich ber den Planungen. Gebaut werden die Forster-Modelle in einem italienischen Werk der franzsischen Trigano-Gruppe, zu der Eura gehrt. Das Modellprogramm (vier Teilintegrierte, drei Alkoven) ist ausgerichtet auf Einsteiger, die schrfer rechnen, dabei aber keine Abstriche in Sachen Verarbeitung und Ausstattung machen wollen. Der traditionsreiche italienische Reisemobilbau zeichnet sich seit jeher durch elegantes Innenraumdesign aus, das sich auch in den Forster-Modellen wiederfindet. Alle Modelle laufen, wie auch die beiden anderen Mobile im Vergleich, auf Fiat Ducato. Der Grundriss des knapp sieben Meter langen A 699 HB ist klassisch, er bietet zwei Doppelbetten (im Alkoven und im Heck). Vorteil dieses Layouts: Es ist nicht nur tauglich fr Familien, sondern auch fr vier Erwachsene. Dach und Auenwnde sind in glasfaserverstrktem Kunststoff (GfK) ausgefhrt, der im Unterschied zu Alublech kaum empfindlich fr Hagel ist.

So fhrt er: Mit dem empfehlenswerten 130-PS-Diesel (1490 Euro Aufpreis zum Basismotor mit 115 PS) ist das Mobil ausreichend motorisiert. Wer mehr Power will, zahlt fr den 150-PS-Diesel 2780 Euro Aufpreis. Mit dem kurzem, am Armaturenbrett angebrachten Schaltknppel lsst sich gewohnt flssig durch die sechs Gnge schalten.

Das hat er: Das Mobil ist bereits in der Grundausstattung reiseklar ausgerstet, unter anderem mit gut dimensionierten Doppelbetten, 110-Liter-Frischwassertank, groem 160-Liter-Khlschrank, Drei-Flammen-Kocher, Waschraum mit separater Dusche, fr Mntel tauglichem Kleiderschrank. Sehr gut: der groe Auenstauram unter dem Heckbett, der eine Tr auf jeder Seite bietet. Die Aufpreisliste ist erfreulich kurz. Empfehlenswert sind die Klimaanlage im Fahrerhaus (1190 Euro), das Sicherheitspaket (u. a. ASR/ESP, Tempomat) sowie das Komfortpaket (u. a. beheizte Auenspiegel, Radiovorbereitung/Lautsprecher) fr 890 Euro.

Sunlight A 68: Der kompakte Kumpel

Beim Sunlight fllt der groe Alkoven auf. Die Stauraumklappe ist Serie, die Markise Extra (899 Euro).

Das ist er: Dethleffs und Hymer haben die preisreduzierte Zweitmarke schon vor zehn Jahren im Mobilbau eingefhrt. Gemeinsam produzieren sie die weitgehend baugleichen Modelle der Marke Carado (Hymer) und Sunlight (Dethleffs) im Capron-Werk in Neustadt nahe Dresden und knnen so mit Qualitt "made in Germany" werben. Der Sunlight A 68 ist im Programm das Einsteigermodell fr Familien. Und das ganz klassisch, mit Etagenbetten quer im Heck. Das bringt eine Fahrzeuglnge von 6,63 Metern, spart so im Vergleich zum Forster 36 und zum Sunliving 60 Zentimeter. Nachteil: Der Heckstauraum fllt kleiner aus. Und er erreicht seine volle Hhe erst, wenn das untere Etagenbett in die Senkrechte geklappt wird. Etagenbetten statt eines Doppelbetts fr die Kinder sind vor allem dann gnstiger, wenn die Kinder einen Altersabstand haben, der unterschiedliche Schlafenszeiten mit sich bringt. Dann hat jedes Kind seine ganz eigene Koje und seine Ruhe. hnlich alte Geschwister, die sich auch noch gut verstehen, erobern auch gern gleich den Alkoven als ihre Hhle. Dann ist fr die Eltern ein Doppelbett im Heck natrlich sinnvoller.

So fhrt er: Seine vergleichsweise kompakte Bauform macht das Mobil stadttauglicher als die beiden Konkurrenten. Mit 6,63 Meter Lnge passt er noch in entsprechend ausgelegte Lngs-Parkbuchten. Mit dem 130-PS-Diesel ist er agil unterwegs und auch auf der Autobahn nicht ausschlielich fr die rechte Spur gebucht. Wie alle Alkoven ist er wegen des hheren Schwerpunkts kein Kurvenwunder, untersteuert aber brav und beherrschbar. Die bei Mobilen dieses Formats grundstzlich empfehlenswerte Rckfahrkamera hatte der Testwagen fr einen Aufpreis von 898 Euro an Bord.

Das hat er: Dach und Heckwand sind aus widerstandsfhigem GfK, die Seitenwnde aus glattem Alublech gefertigt. Der Heckstauraum ist nur von der Beifahrerseite zugnglich. Klassenblich: Lattenroste in den Betten, Herd mit drei Flammen, runde Edelstahlsple, LED-Leuchten, Kassetten-Toilette und Dusche. Wer sich noch einen Backofen gnnt, zahlt 489 Euro Aufpreis.

Sun Living Lido A 49 DP: Der groe Begleiter

Mit 7,23 Metern ist der Sun Living das lngste Mobil hier. Das bringt ordentlich Raum.

Das ist er: Sun Living ist die Zweitmarke des traditionsreichen slowenischen Herstellers Adria aus Novo Mesto, wo seit fast 50 Jahren produziert wird. Mit 7,23 Metern ist der Lido A 49 das lngste Mobil im Test-Trio. Das bringt viel Platz im Haus auf Rdern, das zudem freundlich hell und in doppeltem Sinn einladend gestaltet ist. Serienmig ist seine Auenhaut aus Alublech, die unter anderem gegen Hagelschlag widerstandsfhigere (und empfehlenswerte) GfK-Ausfhrung gibt es nur im Aufpreispaket "Kit De Luxe" fr 2099 Euro, zusammen mit weiteren Extras wie der zweiten Auenstauraumtr und einem greren, 150 Liter fassenden Khlschrank. Die Paketersparnis betrgt dabei bis zu 2479 Euro.

So fhrt er: Die Gesamtlnge erfordert auch einen lngeren Radstand als bei den Konkurrenten, er betrgt 4035 Millimeter. Damit gert der Sun Living nicht zum Kurvenknstler, auf gerader Strecke fhlt er sich am wohlsten. Die Lenkung arbeitet mit akzeptabler Rckmeldung, die Sechsgangschaltung flssig. Wer mehr Kraft als die 130 PS des Testmobils (Aufpreis zur 115-PS Basismotorisierung 1300 Euro) wnscht, bestellt den 150-PS-Diesel der Aufpreis zum Basismotor betrgt allerdings 2500 Euro.

Das hat er: Vor allem Platz! Die beiden Doppelbetten im Alkoven wie im Heck quer bieten zwei Erwachsenen mit einem Lngsma von mehr als zwei Metern ausreichend Platz. Der wird optisch untersttzt durch helle Mbel im Dekor Ulme und frische blaue Sitzbezge. Fnf Fenster und vier Dachluken lassen zudem viel Licht herein. Der groe Stauraum im Heck kann durch zwei 80 mal 120 Zentimeter groe Tren (die zweite gegen Aufpreis) bequem beladen werden. Der Khlschrank steht separat links neben der Eingangstr, ist nicht direkt in den Kchenbereich integriert. Dieses Layout ist selten und damit Geschmackssache. Ebenso wie die schwarzen, stark spiegelnden Fronten des Frosters. Dafr liegt der groe Kleiderschrank gut erreichbar zwischen Kchenblock und Heckbett und gegenber dem Bad. Ein solider Mbelbau rundet das Gesamtbild positiv ab.

Kampf um die Familienklasse

Technische Daten
Fahrzeugdaten Forster A 699 HB Sunlight A 68 Sun Living Lido A49
Fahrgestell Fiat Ducato Multijet 130 Fiat Ducato Multijet 130 Fiat Ducato Multijet 130
Motor Bauart/Zylinder/
Einbaulage
Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Hubraum 2287 cm3 2287 cm3 2287 cm3
kW (PS) bei U/min 96 (130)/3600 96 (130)/3600 96 (130)/3600
Nm bei U/min 320/1800 320/1800 320/1800
Höchstgeschwindigkeit 129 km/h 129 km/h 135 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/75 R 16 CP 116 Q 215/70 R 15 CP 109 R 215/70 R 15 CP 109 Q
Reifentyp Michelin Agilis Camping Continental Wenco Camper Michelin Agilis Camping
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 90 l/Diesel 90 l/Diesel 90 l/Diesel
Anhängelast gebremst/
ungebremst
2000/750 kg 2000/750 kg 2000/750 kg
Länge/Breite/Höhe 6990/2350/3050 mm 6631/2325/3100 mm 7234/2330/3075 mm
Radstand 3450 mm 3800 mm 4035 mm
Leergewicht/Zuladung 2947/553 kg 2820/675 kg 2930/570 kg
Testverbrauch – COπ 10,6 l D – 281 g/km 11,9 l D – 315 g/km 11,5 l D – 304 g/km
Reichweite 850 km 756 km 783 km
Aufbau
Außenmaterial
Wand/Dach/Boden
GfK/GfK/Holz Alu/GfK/Holz GfK/GfK/Holz
Isoliermaterial
Wand/Dach/Boden
Styrofoam/Styrofoam/
Styrofoam
Styropor Styropor
Wandstärke
Wand/Dach/Boden
32/33/70 mm 34/34/42 mm 31/31/41 mm
Fenster 5 5 4
Dachhauben 2 5 4
Innenhöhe/Innenbreite 2215/2195 mm 1955–2315/2180mm 2029/2190 mm
Bettenmaß Alkoven (L x B) 2200 x 1575 mm 2100 x 1600 mm 2100 x 1400 mm
Bettenmaß Sitzgruppe (L x B) 1810 x 1250 mm 1750 x 1000 mm 1900 x 1000 mm
Bettenmaß Heck (L x B) 2200 x 1400 mm 2 Stockbetten 2100 x 850 mm 2100 x 1450 mm
Herd 3 Flammen 3 Flammen 3 Flammen
Kühlschrank 160 l 113 l 100 l
Modell Toilette Thetford Thetford Thetford
Sitzplätze/
mit Dreipunktgurten
6/4 6/4 6/4
Heizung Gas-Warmluft/Truma Combi 4 Gas-Warmluft/Truma Combi 4 Gas-Warmluft/Truma Combi 4
Steckdosen 12/230 V 3/3 3/2 3/2
Leuchten 17 13 8
Aufbaubatterie 100 Ah 95 Ah 100 Ah
Frischwassertank 110 l 112 l 90 l
Abwassertank 100 l 92 l 85 l
Gasvorrat 2 x 11 kg 2 x 11 kg 2 x 11 kg
Kosten/Garantien
Abgasnorm Euro 5 Euro 5 Euro 5
Steuer pro Jahr 240 Euro 240 Euro 240 Euro
Versicherungen (HPF/VK)* 810 Euro 860 Euro 860 Euro
Werkstattintervalle nach Anzeige nach Anzeige nach Anzeige
Garantie Basis/Durchrostung 2/10 Jahre 2/10 Jahre 2/10 Jahre
Gar. Aufbau/Dichtheit (Serie) 2/2 Jahre 2/2 Jahre 2/5 Jahre
Mobilitätsgarantie 2 Jahre 2 Jahre 2 Jahre
Preise
Grundpreis (mit 115 PS Motor) 39 990 Euro 39 999 Euro 39 699 Euro
Testwagenpreis 44 915 Euro 47 844 Euro 45 797 Euro
Roland Bunke

Roland Bunke

Fazit

Was zeigt unser Vergleich? Erstens: Keiner der drei kann den werbewirksamen Preis von unter 40.000 Euro im wirklichen Leben halten. Zweitens: Mit ihren Endpreisen sind sie dennoch Ihr Geld wert, weil sie eine vergleichsweise solide Qualitt von erfahrenen Produzenten mit deutschen Hndlernetzen bieten. Drittens: Die Aufpreispolitik bei Ausstattungspaketen ist nicht immer nachvollziehbar.

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