Wohnprojekt "Carloft" in Berlin

Carloft: Wohnkonzept mit Zimmer fürs Auto Carloft: Wohnkonzept mit Zimmer fürs Auto

Wohnprojekt "Carloft" in Berlin

— 15.07.2008

Das Auto-Haus

Garage auf der Etage: Im "Carloft" nutzen Mensch und Auto den Lift gemeinsam. Das Berliner Bauprojekt ist im Oktober 2008 bezugsfertig – sieben Wohnungen sind schon verkauft.

In Berlin-Kreuzberg entsteht zurzeit ein Bauwerk, das die Gemüter bewegt: das Carloft. Kaum ein Passant, der sich nicht nach dem Bauschild umdreht und die Augenbrauen hebt. Luxusappartments mit angeschlossenen Autostellplätzen, ausgerechnet hier! Der Kiez ist für Linke Legende: Wo sich zu Mauerzeiten Aussteiger, Alternative und Ausländer einnisteten, gelten noch heute besondere Gesetze. Man gibt sich progressiv, fährt Fahrrad, hat etwas gegen allzu üppigen bürgerlichen Wohlstand und entsprechende Statussymbole. Allen voran das Auto: Nicht zufällig werden in dem Westberliner Stadtbezirk immer wieder des Nachts Luxuslimousinen abgefackelt. Und mittendrin nun das zehn Millionen Euro teure Carloft. "Na und?", fragt Johannes Kauka, der Architekt, und lacht entwaffnend: "Kreuzberg steht auch für ungewöhnliche, innovative Ideen."

Parkplatzsuche adé

Die Idee, die hinter dem Carloft steht, ist eigentlich ganz einfach: Warum soll man sein Auto in der Tiefgarage oder gar vor der Tür parken, wenn man genügend Platz auf der Etage hat? Wozu Einkaufstaschen oder Koffer umständlich vom Parkplatz durch den Regen oder vom Keller durch endlose Korridore zum Fahrstuhl schleppen, wenn man tatsächlich direkt vor der Wohnungstür parken kann? Stattdessen fährt der Loft-Eigentümer einfach in den Aufzug, der Fahrzeug mitsamt Insassen in rund zweieinhalb Minuten aufwärts schnurrt. Oben öffnet sich das Tor, der Wagen wird in der Garage abgestellt, von der eine Tür in die Wohnung führt. Wer sein Auto eben wirklich liebt, nimmt es mit aufs Zimmer. Natürlich ist im Carloft alles etwas feiner: Der Fahrstuhl, eigentlich ein besserer Lastenaufzug, heißt Carlift, der Zwinger für das vierrädrige Haustier Carloggia. Kleider machen eben auch im Immobiliengeschäft Leute. Dank Wasseranschluss und Benzinabscheider wird die sonntägliche Autowäsche im Abstellraum mit Schaufenster zur Selbstverständlichkeit. Und für den seltenen Fall, dass man mal ohne Auto das Haus verlässt, gibt es auch einen Personenaufzug und im Erdgeschoss ein paar Stellplätze für Gäste. Das Bauwerk hat elf Wohnungen mit ebenso vielen Auto-Zimmern. Im Oktober 2008 soll es bezugsfertig sein, bereits jetzt sind sieben Wohneinheiten verkauft.

Interessenten aus aller Welt

Simple Idee: Statt vor der Tür oder im Keller "wohnt" das Auto auf einer Ebene mit den Eigentümern.

Ein Carloft ist vor allem geräumig, nicht nur wegen der 90 Quadratmeter großen Garage. Die Kreuzberger Auto-WG gibt es erst in Größen ab 224 Quadratmeter zu kaufen. Das Penthouse im Obergeschoss bietet sogar mehr als das Doppelte an Fläche. Die Mehrheit der Eigentümer zieht die Trennwand zwischen dem Wohnbereich fürs Auto und dem für die Familie nur kniehoch, darüber kommt Glas, um den Liebling immer im Blick zu haben. Mit einem Kaufpreis von rund 3000 Euro pro Quadratmeter sind die Lofts zwar teuer, aber auch nicht so astronomisch unerschwinglich, wie man spontan vermuten würde. Erstaunlich, dass erst der Architekt Manfred Dick, Geschäftspartner Kaukas, auf die Idee kam. In 39 Ländern hält er ein Patent für das Konzept. Und es kommt an: In Düsseldorf, Frankfurt und München sind bereits die nächsten Carlofts in Planung. Aus aller Welt melden sich weitere Interessenten: In St. Petersburg, Brüssel, Tel Aviv, New York und Dubai könnten bald ebenfalls Carlofts aus dem Boden wachsen. Sogar aus Kleinstädten, wo Parkraum nicht knapp ist, kommen Anfragen. Leben im Carloft ist vor allem eine Stilfrage. "Endlich mal wieder was Neues", schwärmt Architekt Kauka. Mehr Infos unter: www.carloft.de

Autor: Roland Wildberg

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.