Wolga V12 Coupé

Wolga V12 Coupé Wolga V12 Coupé

Wolga V12 Coupé

— 25.10.2002

Russische Revolution

Er war der geheimnisvollste Wagen auf dem Pariser Salon. Ein Einzelstück für 500.000 Dollar. Was steckt hinter dem Wolga V12 Coupé? AUTO BILD-Redakteur Nikolaus Eickmann hat es exklusiv erfahren.

BMW-Designer Bangle: "Hier stimmt alles"

Fette Yachten in Südfrankreich, Rolex-Uhren mit dicken Brillanten, Stoppelschnitt und unkultivierte Umgangsformen – so stellen wir uns reiche Russen vor. Alles vergessen, beim ersten Blick auf den geheimnisvollsten Wagen der Pariser Motorshow. Der Wolga V12. Ein edles Meisterstück aus der Moskauer Tuner-Werkstatt von A:Level. Ein schwarzer Zar auf Rädern mit unglaublichen Proportionen und ebenso unglaublicher Geschichte.

Und die erzählte man uns so: Eine Gruppe junger autobesessener Russen gründete vor zwei Jahren eine Tuner-Werkstatt, die aus steuerlichen Gründen keine großen Gewinne abwerfen sollte. Soll es ja geben. Sie bezeichnen sich als Auto-Enthusiasten, sind wohlhabend, alle um die 30 und wollen sich ihre Freizeit mit exklusiven Autos aus eigener Fertigung verschönern, die sie anschließend auf internationalen Motorshows präsentieren.

Chris Bangle, Hauptschuldiger des BMW-Siebener-Stylings, zeigte sich auf dem Salon beeindruckt. "Hier stimmt alles." Unter der langen Haube traf der BMW-Designer einen alten Bekannten: einen V12 Münchner Bauart. Die Spiegel hatte er auch schon mal gesehen, am M3. Selbst der Bremssattel trägt stolz das große M der Motorsportabteilung von BMW.

Dicke Deutsche und ein Einzelstück

Ein Wolga von der Isar. Na ja, fast jedenfalls. Der schwarze Riese besteht aus zwei 850 CSi, einer handgemachten Karosserie, deren Design aus patriotischen Gründen an den Wolga M21 erinnert – und 17 Monaten Schweiß. Von Wolga selbst stammen nur Scheinwerfer und Heckleuchten.

Dem neuen Besitzer, ein 30-jähriger Unternehmer, der größten Wert auf Diskretion legt, war dieser nagelneue Oldie eine halbe Million Dollar wert. Er trägt die Nummer zehn in seiner Garage. Dicke Deutsche parken hier schon zur Genüge; was fehlte, war ein Einzelstück. Und das wird der Wolga V12 Coupé auch bleiben. Leider. Denn dieser Brillant protzt mit einer Reife, die schon unheimlich ist.

So ein sattes Schließen der Türen habe ich das letzte Mal bei einer 73er S-Klasse gehört. Der Ledergeruch erinnert an die Winterkollektion edler Herrenausstatter, der feine Motorklang an die Wiener Philharmoniker. Akustisch betrachtet, war der Zwölfer schon im Sportwagen 850 eine Fehlbesetzung. Wie hier leider auch das Cockpit.

Original-Achter-Styling der Achtziger

Keine Spur mehr von Retro, es regiert das triste Original-Achter-Styling der Achtziger. Das BMW-Bavaria-Radio krachte schon, als ich noch viele Haare und BMW wenig Modelle hatte. Der Wunsch nach möglichst unauffälligem Design kann wohl kaum hinter dieser Geschmacksverirrung stehen. Dann wäre das Coupé ein Fehlkauf.

Selbst im autoverwöhnten Paris verdrehte der Wolga alle Köpfe. Und manch einem die Sinne. "How much, wie viel?", wollte ein feiner Bentley-Fahrer wissen. "Dreimal so viel wie Ihres." Auf diese Antwort reagierte er pikiert, als hätte sich gerade die Steuerfahndung angekündigt. Für einige Stunden wird der Riesen-Russe zum beliebtesten Fotomodell an der Seine. Alle wollen ihn knipsen. Was sind schon 300 Meter Eiffelturm gegen 4,85 Meter Wolga V12?

Schnurrt es aus dem Motorraum im Ehebett-Format, wird der Wolga per Fußtritt zum Tier. Etwa auf den Champs-Élysées, wo wir den schönen Schwarzen etwas kitzeln. Die Polizei guckt ebenso fasziniert wie tatenlos zu. Der Tankwart leider auch. Ja, sehe ich denn aus wie ein Mafia-Boss? Nur keine Angst, zieh die Pistole. Doch vor lauter Begeisterung vergisst er seinen Job – und ich darf selbst zapfen. Auch gut, ich tanke ja nur für 50 Euro, die Benzinuhr bleibt knapp unter Viertel.

Technische Daten Wolga V12 Coupé

Wer nach dem Verbrauch fragt, hat ohnehin verloren. Immerhin sprechen wir von einem Auto, das so viel kostet wie ein Maybach und ein Ferrari 360 zusammen. Also bitte, nicht kleinkariert werden. Keine Zeit mit Debatten über die Ökosteuer verlieren.

Die nutzen die Jungs von A:Level lieber zum Nachdenken. Über ihr nächstes Auto etwa. Ein Sportwagen mit 850 PS. Mit Carbon-Aufbau und einem Design, das stark an den Mercedes C 140, den alten CL 600 erinnert. Noch drehen sie damit ihre Testrunden am Nürburgring und proben mit dem Sechsliter-Biturbo die Revolution. Wenn alles perfekt ist, dürfen wir einsteigen. Vielleicht schon im Frühjahr, nach dem Genfer Salon.

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