Mercedes-Benz 200 D — 23.03.2009
Eine Frage des Charakters
Die Heckflosse als Diesel: Lahmer geht es nicht. Falsch. Warum 55 PS einst flott voranfuhren und ihre Bändiger etwas ganz Besonderes waren. Er war der schnellste Diesel der Welt, und der komfortabelste.
Dieselfahren musste erst noch gelernt werden
| Kosten pro Jahr | |
|---|---|
| Steuer | 192 Euro |
| Versicherung | 77,50 Euro |
| Diesel | 665 Euro |
| 0,13 Euro pro Kilometer | |
| Berechnungsgrundlagen: 7000 Kilometer im Jahr, Oldtimer-Versicherung, H-Kennzeichen | |
Der 200 D war deutlich schneller als ein VW Käfer
Folglich wandert die "Wanderdüne" (Volksmund) gar nicht mal so langsam. Messwerte attestieren ihr 28,2 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und 133 km/h Spitze – ein VW Käfer war damals deutlich langsamer. Es sei denn, der Dieselfahrer gönnte sich die beruhigende Wirkung der Automatik. So aber gestaltet sich die Reise im Ur-Diesel keineswegs unerträglich zäh. Bei Betriebstemperatur nagelt und vibriert er nur noch dezent, Bremsen, Schaltung und Lenkung sind problemlos zu managen, nur der Blick in den Rückspiegel ist nicht immer von Erfolg gekrönt, denn mitunter behindert schwarzer Rauch die Sicht nach hinten. 1965 wertete Mercedes den 190 D zum 200 D auf, was nur an der Ausstattung und an der Zahl der Kurbelwellenlager etwas änderte, nichts aber an der Leistung. Insgesamt verließen 387.263 Diesel-Flossen das Werk. In aller Ruhe. Mit 55 PS.
| Technische Daten Mercedes 200 D | |
|---|---|
| Motor | Vierzylinder-Dieselmotor, vorn längs |
| Ventile | Zwei pro Zylinder |
| Hubraum | 1988 cm³ |
| Leistung | 40 kW (55 PS) bei 4200/min |
| max. Drehmoment | 113 Nm bei 2400/min |
| Getriebe | Viergang-Schaltgetriebe (auf Wunsch Viergang-Automatik) |
| Bremsen | Scheibenbremsen vorn/Trommelbremsen hinten |
| Reifen | 7.00-13 vorn/hinten |
| Länge/Breite/Höhe | 4730/1795/1495 mm |
| Radstand | 2700 mm |
| Leergewicht | 1350 kg |
| Tankinhalt | 65 l |
| 0–100 km/h | 28 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 133 km |
| Verbrauch | 9 Liter Diesel/100 km |
| Neupreis 1965 | 11.300 Mark |
| Wert 2009 in Zustand 1 | 19.500 Euro |
Plus/Minus
Alte Liebe kann leider auch rosten, und für die Heckflosse gilt das ganz besonders. Der Hang zur Korrosion ist zweifellos ihr größter Nachteil. Ansonsten überwiegt freilich das Vergnügen, sei es auch von der gemütlichen Sorte. Bequemes Reisen, mit besinnlichem Tempo des Weges ziehen, bei Bedarf mit Kind und Kegel an Bord, das ist der Reiz eines 190 D oder 200 D. Schön auch die solide Machart und gut zu wissen, dass bei der Konstruktion bereits auf passive Sicherheit Wert gelegt wurde. Wird sie gepflegt, hält so eine Diesel-Heckflosse ewig. Und bei neun bis zehn Liter Verbrauch, 192 Euro Steuer und einer günstigen Oldtimerversicherung lacht auch der Geldbeutel.Ersatzteile
An den Ersatzteilen sollte das Glück mit einer Heckflosse nicht scheitern. Wie bei Mercedes üblich, ist fast alles lieferbar, auch wenn vieles davon heftig ins Geld geht. Schwierigkeiten könnte es nur bei einigen Zierteilen und Ausstattungskombinationen geben. Ansonsten genügt einfach nur der Gang zur Mercedes-Vertretung. Sollte hingegen der Diesel, insbesondere dessen Einspritzung, eine Revision benötigen, helfen diverse Spezialisten.Marktlage
Eine gute Diesel-Heckflosse zu finden, erfordert langes Suchen. Denn 190 D und 200 D führten in der Regel ein strapaziöses Dasein, häufig gedroschen und selten gepflegt. Gegen eine aufwendige Restaurierung spricht der geringe Marktwert, sodass oft billig zurechtgeflickte Blender angeboten werden. Ist sie gesund, die Flosse, dann muss mit mindestens 6000 Euro gerechnet werden. 200.000 und mehr Kilometer sind dabei der Normalfall. Dieselflossen mit weniger Laufleistung sind quasi nicht mehr existent.Empfehlung
Lassen Sie sich nicht von satt schließenden Türen und sauberen Polstern täuschen: Das bieten auch Heckflossen, die in Wahrheit reif für die Abwrackprämie sind. Das Unheil (sprich: der Rost) droht selbst hinter intakten Radläufen, Reserveradmulden, Endspitzen und Schwellern. Die Flosse trägt ihre Wunden im Verborgenen, deshalb sollte beim Kauf ein Fachmann mit möglichst endoskopischem Diagnosegerät hinzugezogen werden.Historie
1961: Der Mercedes 190 D (W 110) als verkürzte Variante der Sechszylindermodelle (W 111) ersetzt den Ponton-Mercedes 190 D (W 121), wahlweise auch mit Servolenkung und Automatik.1965: Aufwertung zum 200 D, gleiche Karosserie, aber mit Entlüftungsschlitzen an der C-Säule, Blinkern unter den Scheinwerfern und rechteckigen Rückleuchten, fünffach gelagertem Motor und vergrößertem Tank (von 51 auf 65 Liter).
1968: Produktionsende nach 387.263 190 Dc und 200 D, Vorstellung des Nachfolgers Mercedes/8 (W 115).
Weitere Klassiker für Knauserer:
BMW 525e
Porsche 924
Fiat 500 D
VW Golf I
BMW 1802
Citroën 2 CV 6
Opel Kadett B 1100
VW 1200 A
Audi 100 LS
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