Manchmal ist auch in der Nische einer Nische noch Platz – der Dethleffs Evan zeigt es. Ein sportlicher Vollintegrierter im kompakten Format, knackig und modern wie ein Campingbulli! So etwas hatte die Campinggemeinde noch nicht gesehen. Aber kann das Wohnmobil auch im Alltagstest bestehen? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht – und festgestellt, dass der coole Koffer nicht bei jedem gleich gut ankommt. Da ist zunächst mal das Einsteigen. Beim Evan Performance hat man die Qual der Wahl, vier Türen stehen zur Verfügung: Fahrer- und Beifahrertür, Zugangstür auf der rechten Fahrzeugseite sowie die große Hecktür. Wie praktisch, sagen die einen – überflüssig und teuer, sagen die anderen.

Pkw-Feeling: Zügige Beschleunigung und direkte Lenkung

Dethleffs Evan I 560 B Performance
Der Evan guckt ganz schön böse und zischt mit dem starken Diesel munter durch die Stadt.
Wenig zu mäkeln gibt es dagegen am Fahrverhalten. Die 177 PS starke Dreiliter-Dieselmaschine bringt den Evan gehörig auf Trab, das immerhin drei Tonnen schwere Reisemobil beschleunigt fast wie ein Pkw und schwimmt entsprechend selbstbewusst im Verkehrsstrom mit. Die Lenkung ist erstaunlich direkt und macht das Dethleffs-Gefährt bemerkenswert handlich. Die straffe Federung sorgt dafür, dass der Evan nicht hin und her schaukelt, sondern stabil durch die Kurve zieht. Kehrseite der Medaille: Auf schlechter Wegstrecke rappelt und klappert es gehörig. Dafür sind in erster Linie die Verdunkelungsjalousien im Fahrerhaus verantwortlich. Aber auch aus dem Hintergrund hört man es rumoren – Herdabdeckung, Klappen, Schrankeinbauten.
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Bei Bedarf wird der Evan zumTransporter

Dethleffs Evan I 560 B Performance
Fahrräder, Taucherausrüstung, Surfboards: Durch die riesige Tür im Heck passt alles.
Womit wir beim außergewöhnlichen Grundriss des Evan sind. Vorn und hinten gibt es große Türen, die den Zugang erleichtern. Aktive Camper werden vor allem die Hecktür lieben: Gleich, ob Fahrräder, Taucherausrüstung oder Surfboards, alles lässt sich bequem und einfach einladen. Fürs sichere Verzurren sorgen zwei solide Schienen, die im Boden eingelassen sind. Zwischen den Schienen ist im Boden noch das Staufach für zwei 1,8-kg-Gasflaschen versteckt – das ist leider viel zu wenig Vorrat. Auf der linken Fahrzeugseite im Heck steckt ein winziger Sanitärbereich, der mit Einlagebrettern auch als Wandschrank dienen kann. Gegenüber ist ein weiterer Schrank mit einem Gestell eingebaut, etwa für Schmutzwäsche. Beide Türen lassen sich zusammen verriegeln, sodass je nach Bedarf ein Ankleidezimmer oder ein Toilettenraum entsteht. Weiter vorn schließen sich die schmale Küchenzeile mit Zweiflammkocher und kleinem Spülbecken sowie gegenüber Kühl- und Kleiderschrank an. In diesem Bereich ist der Gang nur knapp einen Meter breit. Mehr Platz (1,92 Meter) hat man ganz vorn.

Das Hubbett fällt knapp aus

Dethleffs Evan I 560 B Performance
1,80 Meter mal 1,50 Meter: Für Großgewachsene ist das Hubbett etwas klein geraten.
Die Seitensitzgruppe mit zwei ausgeformten Einzelsitzen und die vorderen Pilotensitze bilden das sportive Wohn- und Esszimmer für vier Personen. Einzige Schlafgelegenheit bietet das Hubbett im Fahrerhaus, das mit 1,80 Meter mal 1,50 Meter zudem auch noch sehr knapp ausfällt. Wer also eine Schlafgelegenheit für zwei weitere Reisegefährten sucht, sollte das in dieser Klasse einmalige (aber teure) Aufstelldach mit zwei weiteren Schlafplätzen ordern. Positiv fallen noch die aufwendige Illumination in den oberen Staufächern sowie die großen Dachluken mit indirekter Beleuchtung auf. Er ist ein eigenwilliger Typ, der Evan. Mal sehen, ob er sich in der Mobilszene voll integrieren kann.

Bildergalerie

Dethleffs Evan I 560 B Performance
Dethleffs Evan I 560 B Performance
Dethleffs Evan I 560 B Performance
Kamera
Dethleffs Evan I 560 B Performance im Test

Fazit

von

AUTO BILD
Pro (Manfred Klangwald): Ich möchte im Fahrbetrieb einen Hauch Dynamik spüren, selbst wenn der halbe Haushalt an Bord ist. Der Evan ist handlich, die Lenkung vermittelt viel Fahrbahnkontakt, selbst kurvige Strecken machen Spaß. Das Beste aber ist der Motor, der 3.0 JTD von Fiat. 177 PS und 400 Newtonmeter machen den Evan mobil und agil. Als Verkehrshindernis wird dieses Reisemobil bestimmt nie wahrgenommen. Für ein dynamisches Pärchen ist der Evan ein interessanter Typ.
Contra (Axel Sülwald): Auf die Gefahr hin, dass Sie mich jetzt für eine Spaßbremse halten: Ich kann mit diesem Reisemobil nichts anfangen. Ja doch, er sieht ganz chic aus und fährt auch recht anständig. Das war es dann aber auch schon. Auf fast sechs Meter Länge bietet der Evan nämlich nicht viel mehr als ein Campingbulli: Mini-Küche, kaum Gas an Bord, Toilettenwürfel, mickriges Hubbett! Und für das Aufstelldach, das Alleinstellungsmerkmal in dieser Klasse, muss ich auch noch extra zahlen. Nein danke!

Von

Manfred Klangwald