Vergangenheit trifft Gegenwart in Daytona: Am Wochenende beginnt eine neue Sportwagen-Ära im Tempo-Tempel Floridas. „World Center of Racing“ nennen die Amerikaner ihr Oval selbstbewusst. Mit Porsche, BMW, Cadillac und Acura kämpfen gleich vier LMDh-Hersteller um den Sieg beim Sportwagen-Klassiker im Januar.
Für alle vier nagelneuen Hybrid-Rennwagen ist es der erste große Auftritt. Für den Porsche 963 wird es aber auch ein Treffen mit der Vergangenheit. 1968 holten Vic Elford, Jochen Neerpasch, Rolf Stommelen und Hans Herrmann im 907LH den ersten Porsche-Sieg in Daytona. 1970 gewannen Pedro Rodriguez, Leo Kinnunen und Brian Redman im legendären 917K im Gulf-Design. Ein Jahr später wiederholten Rodriguez und Jackie Oliver den Triumph.
Porsche geht bei den 24 Stunden von Daytona 2023 mit dem 963 ins Rennen. Der traf zum Warm-up auf seinen Urahn.

Mehr als 50 Jahre danach traf der Gulf-Porsche im Vorfeld der 24h von Daytona zum rollenden Fotoshooting auf den neuen 963. Der Oldtimer stammt aus der Brumos-Kollektion, wurde 1971 für die Dreharbeiten zu „Le Mans“ mit Steve McQueen verwendet. Am Steuer bei der Fotofahrt: Porsche Legende Hurley Haywood (74). Der US-Amerikaner hat fünf Mal den Sportwagen-Klassiker in Daytona gewonnen.
„Dieses Auto ist einfach eine wunderschöne Kreatur und hat die Maßstäbe in der Sportwagenwelt der späten 60er und frühen 70er-Jahre gesetzt“, sagt er zu AUTO BILD. „Es ist immer wieder ein Privileg, dieses Auto fahren zu dürfen.“ Der 917 wurde von einem luftgekühlten Zwölfzylinder-Mittelmotor angetrieben. Die ersten Motoren hatten bei einem Hubraum von 4,5 Litern eine Leistung von 383 kW (520 PS) bei 8000/min. 1973 wurden die Motoren mit Turboladern versehen und hatten eine Leistung von 810 kW (1100 PS) bei 7800/min. „Sie waren nicht leicht zu fahren“, weiß die US-Legende.
Vergangenheit trifft Gegenwart in Daytona.

Haywoods eigener erster Sieg im Porsche Carrera RSR liegt dieses Jahr genau 50 Jahre zurück. Zum Jubiläum fuhr er neben dem aktuellen 963 durch die berühmten Steilkurven. „Der 963 ist eine Revolution“, betont er. Der Hybridantrieb aus einem 68-PS-Elektromotor und einen 4,6-Liter-V8-Biturbo leistet maximal 680 PS. Den Einsatz leitet das US-Team Penske. Über eine Balance of Performance werden die vier Rennwagen der Top-Klasse auf ein Niveau gebracht.
Im Qualifying machte Acura den besten Job. Der Porsche #7 mit dem Trio Campbell/Nasr/Christensen am Steuer geht von Platz zwei aus ins Rennen. Live zu sehen am Samstag ab 19.40 Uhr auf https://www.imsa.com/tvlive/.

Von

Bianca Garloff