24h Le Mans: Lotterer erklärt seinen Porsche 936
"Ferrari gegen Porsche, das klingt mega!"

Porsche-Star André Lotterer startet am Wochenende bei den 100. 24h von Le Mans.
Bild: Porsche
- Frederik Hackbarth
- Bianca Garloff
André Lotterer ist der einzige deutsche Porsche-Werkspilot bei den 24 Stunden von Le Mans. Er pilotiert einen 680 PS starken 963. Hier erklärt er seinen LMDh-Renner.
Herr Lotterer, an diesem Wochenende fahren Sie für Porsche die 100. Ausgabe der 24h von Le Mans. Was macht das Rennen so besonders?
André Lotterer: Es ist eines der ältesten und prestigeträchtigsten Rennen der Welt. Viele Automarken sind dort groß geworden. Alle tun alles dafür, diesen Ausdauerkampf für sich zu entscheiden. Auch historisch ist dort sehr viel passiert, insbesondere was Innovationen angeht. Es ist die Plattform, auf der man sich als Fahrer und Hersteller zeigen kann – und wenn man vorn ist, kann man sich entsprechend gut verkaufen.
André Lotterer: Es ist eines der ältesten und prestigeträchtigsten Rennen der Welt. Viele Automarken sind dort groß geworden. Alle tun alles dafür, diesen Ausdauerkampf für sich zu entscheiden. Auch historisch ist dort sehr viel passiert, insbesondere was Innovationen angeht. Es ist die Plattform, auf der man sich als Fahrer und Hersteller zeigen kann – und wenn man vorn ist, kann man sich entsprechend gut verkaufen.
Sie haben das Rennen für Audi dreimal gewonnen. Was ist der Schlüssel zum Sieg?
Man muss das richtige Auto haben, das richtige Team und die richtigen Teamkollegen. Dann natürlich Standfestigkeit, Speed, man muss gut durch den Verkehr kommen und fehlerfrei sein. Es ist nicht ohne, so ein Rennen ohne Wehwehchen durchzustehen.
Man muss das richtige Auto haben, das richtige Team und die richtigen Teamkollegen. Dann natürlich Standfestigkeit, Speed, man muss gut durch den Verkehr kommen und fehlerfrei sein. Es ist nicht ohne, so ein Rennen ohne Wehwehchen durchzustehen.

Der Duisburger André Lotterer gewann die 24 Stunden von Le Mans dreimal für Audi. Zur 100. Ausgabe greift er 2023 im Porsche 963 an.
Bild: Porsche
Wie speziell ist es, in Le Mans für den Rekordsieger Porsche (19 Erfolge) anzutreten?
Wenn man für Porsche antritt, will und muss man gewinnen. Aber den Druck haben alle: die Mechaniker, die Ingenieure, die Leute zu Hause im Werk. Alle müssen dieses Puzzle gemeinsam zusammensetzen. 2017 bin ich in Führung liegend ein paar Runden vor Schluss mit einem Defekt ausgefallen. Ich habe also noch eine offene Rechnung und freue mich riesig, dass Porsche wieder zurück in der Top-Klasse des Langstreckensports ist.
Wenn man für Porsche antritt, will und muss man gewinnen. Aber den Druck haben alle: die Mechaniker, die Ingenieure, die Leute zu Hause im Werk. Alle müssen dieses Puzzle gemeinsam zusammensetzen. 2017 bin ich in Führung liegend ein paar Runden vor Schluss mit einem Defekt ausgefallen. Ich habe also noch eine offene Rechnung und freue mich riesig, dass Porsche wieder zurück in der Top-Klasse des Langstreckensports ist.
Erklären Sie Ihren neuen Dienstwagen, den Porsche 963!
Wir starten in der neuen LMDh-Klasse. Im Vergleich zur alten LMP1 ist die Technik dort relativ standardisiert: Unser Motor kommt zum Beispiel aus der Serie. Neu ist außerdem, dass es kein Saugmotor mehr ist, sondern ein Doppelturbo mit Hybridtechnik. Der Elektro-Part – also Motor, Batterie und Steuereinheit – ist für alle LMDh-Autos gleich. Das Chassis haben wir gemeinsam mit Multimatic entwickelt, die Aerodynamik stammt von uns.
Wir starten in der neuen LMDh-Klasse. Im Vergleich zur alten LMP1 ist die Technik dort relativ standardisiert: Unser Motor kommt zum Beispiel aus der Serie. Neu ist außerdem, dass es kein Saugmotor mehr ist, sondern ein Doppelturbo mit Hybridtechnik. Der Elektro-Part – also Motor, Batterie und Steuereinheit – ist für alle LMDh-Autos gleich. Das Chassis haben wir gemeinsam mit Multimatic entwickelt, die Aerodynamik stammt von uns.

Enges Cockpit und Hightech-Lenkrad: Hier verbringt Lotterer Tag und Nacht in Le Mans.
Bild: Porsche
Was unterscheidet die LMDh-Kategorie von der LMH, in der beispielsweise Ferrari und Toyota unterwegs sind?
Die LMDh ist eine Plattform mit mehr Einheitsteilen. Man baut das Auto quasi wie aus einem Baukasten zusammen. Das hält die Kosten in Grenzen. Im Gegensatz dazu wird in der LMH-Klasse alles vom Hersteller selbst entwickelt und produziert. Der Vorteil der LMDh ist für uns, dass wir mit demselben Auto auch in den USA (IMSA; d. Red.) fahren können. Ohne dieses Konzept wären viele Hersteller wohl nicht hier.
Die LMDh ist eine Plattform mit mehr Einheitsteilen. Man baut das Auto quasi wie aus einem Baukasten zusammen. Das hält die Kosten in Grenzen. Im Gegensatz dazu wird in der LMH-Klasse alles vom Hersteller selbst entwickelt und produziert. Der Vorteil der LMDh ist für uns, dass wir mit demselben Auto auch in den USA (IMSA; d. Red.) fahren können. Ohne dieses Konzept wären viele Hersteller wohl nicht hier.
Wie lautet die Zielsetzung im ersten Jahr mit dem neuen Auto: ankommen?
Nur um anzukommen, fahren wir sicher nicht nach Le Mans. Das ist das Spannende im Langstreckensport: die Technik zu pushen, ans Limit zu gehen, aber trotzdem die Standfestigkeit zu erhalten.
Nur um anzukommen, fahren wir sicher nicht nach Le Mans. Das ist das Spannende im Langstreckensport: die Technik zu pushen, ans Limit zu gehen, aber trotzdem die Standfestigkeit zu erhalten.

Das Herz des Porsche 963: ein 4,6-Liter-V8- Biturbo mit Elek-trounterstützung. Der Basis-Motor stammt aus dem Porsche 918 Spyder.
Bild: Porsche
Genauso wie die große Konkurrenz, die dieses Jahr zum 100. Geburtstag sogar noch größer ist.
Es ist auf jeden Fall sehr prestigeträchtig, diese ganzen Marken im Starterfeld zu haben. Wenn man allein schon hört: Ferrari gegen Porsche. Das klingt doch mega! Und das ausgerechnet für den 100er, eine bessere Story kann man sich ja gar nicht wünschen. Aber klar: Für uns bedeutet es auch mehr Konkurrenz. So hart umkämpft wie dieses Jahr war es – glaube ich – noch nie. Es gab immer Hersteller, die es geschafft haben, neue Techniken zu entwickeln und dadurch eine gewisse Dominanz zu zeigen. Aber jetzt haben ACO (der Le-Mans-Veranstalter; d. Red.) und FIA es geschafft, eine Plattform zu finden, wo der Wettkampf im Vordergrund steht – im Vergleich zu der teils exotischen Technik aus der LMP1.
Es ist auf jeden Fall sehr prestigeträchtig, diese ganzen Marken im Starterfeld zu haben. Wenn man allein schon hört: Ferrari gegen Porsche. Das klingt doch mega! Und das ausgerechnet für den 100er, eine bessere Story kann man sich ja gar nicht wünschen. Aber klar: Für uns bedeutet es auch mehr Konkurrenz. So hart umkämpft wie dieses Jahr war es – glaube ich – noch nie. Es gab immer Hersteller, die es geschafft haben, neue Techniken zu entwickeln und dadurch eine gewisse Dominanz zu zeigen. Aber jetzt haben ACO (der Le-Mans-Veranstalter; d. Red.) und FIA es geschafft, eine Plattform zu finden, wo der Wettkampf im Vordergrund steht – im Vergleich zu der teils exotischen Technik aus der LMP1.
Ist die Zeit der Seriensiege also vorbei?
Ich denke schon. Noch hat Toyota Favoritenstatus, weil sie die ganzen Jahre dabei geblieben sind. Sie haben am meisten Erfahrung, aber wir holen gerade auf.
Ich denke schon. Noch hat Toyota Favoritenstatus, weil sie die ganzen Jahre dabei geblieben sind. Sie haben am meisten Erfahrung, aber wir holen gerade auf.

Lotterer zeigt seinen Pneu: Porsche fährt in Le Mans mit Slickreifen von Michelin.
Bild: Porsche
Mal weg vom Rennsport auf die Straße: Was ist persönlich Ihr Lieblingsauto?
Ganz klar: Der Porsche Carrera GT, einfach weil da ein großes Stück Motorsport in einem Straßenauto steckt. Das ist natürlich als Rennfahrer ein tolles Gefühl, so ein Auto zu bewegen, zu spüren und auch es wertzuschätzen: Es ist auch der einzige V10 von Porsche, der klingt mega, ist wunderschön und einfach zeitlos.
Ganz klar: Der Porsche Carrera GT, einfach weil da ein großes Stück Motorsport in einem Straßenauto steckt. Das ist natürlich als Rennfahrer ein tolles Gefühl, so ein Auto zu bewegen, zu spüren und auch es wertzuschätzen: Es ist auch der einzige V10 von Porsche, der klingt mega, ist wunderschön und einfach zeitlos.
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