Es ist ein Duell auf höchstem Niveau. Nicht nur wegen der gemeinsamen Ausgangsbasis in Form des RS Q3, der mit 1,58 Metern Höhe – räumlich gesehen – den Gipfel der RS-Geschichte markiert; sondern auch, weil die, die mit ihm hier gegeneinander antreten, zur absoluten High Society der Audi-Tuner gehören. Hans-Jürgen gegen Roland, Abt gegen Mayer, das ist das Kräftemessen der Urgesteine, das Bayern-Derby der Branche oder – wie Beckenbauer sagen würde – ein echter "Glassicker" – vor allem, wenn er auf dem Block eines Fünfzylinder-Turbos ausgetragen wird. Zwar ist der 2480 Kubik große TFSI nicht mal annähernd so lange dabei wie MTM oder Abt Sportsline, allerdings pocht – aufgrund seiner konzeptionellen Verwandtschaft zu den Quattro-Herzen – die Sporttradition in ihm heftiger als in jedem anderen Audi-Organ.Bis zu 525 PS hat er für diverse Studien inzwischen aus sich herausgeholt, im Serientrimm waren es immerhin bereits 360, der RS Q3 jedoch begrenzt sich auf 310 – was den Ertrag des Tunings aber in keinster Weise zu beeinträchtigen scheint: Exakt 100 PS kitzeln beide zusätzlich heraus.

Beide halten das Serienauto auf Distanz

Audi Abt RS Q3
Abgasanlage und Fahrwerk wirken sich im Abt deutlich dezenter aus.
Bild: Lena Barthelmess / AUTO BILD
AbT RS Q3 Abt speist die Mehrleistungsdaten von außen per Zusatzbox in die Elektronik, bleibt im Kräftemessen etwas unterhalb, schafft es im Gegensatz zu MTM jedoch, die werksseitigen Plateaus von Leistung und Drehmoment ungeschmälert zu übernehmen. Soll heißen: Seine 410 PS erstrecken sich wie beim Serien auto von 5200 bis 6700/min und werden weiterhin von einem 3700 Touren breiten Drehmomentfundament unterbaut, das statt 420 nun 530 Newtonmeter emporragt.
Audi MTM RS Q3
MTM schärft sogar das DSG. Es schaltet und reagiert nun spürbar fixer.
Bild: Lena Barthelmess / AUTO BILD
MTM RS Q3 MTM tunt direkt im Steuergerät, setzt dabei 570 Newtonmeter frei, wodurch man rein nominell von der besseren Ausgangsposition ins Rennen geht. Beide Leistungssteigerungen integrieren sich – ungeachtet ihres Zustandekommens – ohne spürbare Übergänge, aktivieren ihren vollen Umfang zum Wohle des Motors erst nach Erreichen der Betriebstemperatur und sind vom TÜV gesegnet. Kompromissbereitschaft erfordern nur ein paar Kleinigkeiten: Der MTM plagt sich mit einem – durch die umfassenden Fahrwerksmodifi kationen – ausufernden Wendekreis herum, Abt wiederum mit einer kinderkranken Elektronik. Die verursacht beim Neustart des Motors nach Start-Stopp-Phasen jedes Mal einen kapitalen Absturz des Infotainments, sei – laut Pressestelle inzwischen aber mit Hilfe eines Software-Updates kuriert.


Fazit

von

Stefan Helmreich
Wie viele Topspiele fühlt sich auch dieses über weite Strecken enger an, als es endet. Der MTM geht besser, klingt derber, kurvt aggressiv und ist dank der Adaptivdämpfer auf Tastendruck nicht mal sonderlich unbequem. Der Alltag endet wegen des absurden Wendekreises hüben und der überzogenen 102-Oktan-Verordnung drüben remis, sodass Abt mit der schnörkelloseren Garantie und den tieferen Preisen nur noch der Anschlusstreffer gelingt.