Schneller, drehmomentstärker und sparsamer – so lauten die Vorzüge des aktuellen Audi S4 mit V6-Kompressor gegenüber seinem 11 PS kräftigeren Vorgänger mit Saug-V8. Tuner bejubeln das Downsizing jedoch noch aus einem anderen Grund – dank Zwangsbeatmung fällt die Leistungssteigerung wieder wesentlich leichter. Musste der 4,2-Liter-Achtzylinder mittels teurer nachträglicher Aufladung zu seinem Glück gezwungen werden, genügen heute gezielte elektronische Handgriffe, um die Kraft des Sechszylinders in Leistungsregionen des alten RS4 zu hieven. Denn – da sind sich die Vergleichsgegner Abt Sportsline und Sportec einig – erstaunliche Reserven liegen im V6 brach. Imposante 425 PS entlocken die Schweizer dem Dreiliter-Aggregat, in Kempten sind es sogar noch 10 PS mehr. Beide Veredler fetten zudem die Drehmomentspitze von 440 auf 520 Newtonmeter an.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi S4

Getunter Sportec Audi S4 Avant
Schade: Eine defekte Regelkappe im Motor trübte die Fahrfreude mit dem RS 425.
Bild: Lena Barthelmeß
Auch in Sachen Leistungsgewicht liegen beide Kontrahenten äußerst eng beieinander – und schenken sich beim Beschleunigen nichts. Nach 4,7 Sekunden stürmt Abts S4 mit 100 km/h dahin. Sportecs Kreation hastet noch ein Zehntel früher über die prestigeträchtige Marke und schiebt seine karbonverzierte Front bis 160 km/h weiter in Führung. Doch dann verschluckt sich der V6, bleibt beim Ausdrehen im vierten Gang immer wieder hängen, als würde ihm der Sprit gekappt – und verspielt so seinen Vorsprung. Ursache: eine defekte Regelklappe des Motors. Seit deren Austausch soll das Auto reibungslos sprinten, versichert Sportec. Der Abt S4 rauscht nach 17,1 Sekunden mit 200 Sachen dahin und bietet somit dem alten handgeschalteten, aber eben auch 75 Kilo leichteren Audi RS4 Avant (4,8 Sekunden auf 100 km/h, 17,0 auf 200 km/h) knallhart die Stirn. Beide Tunerautos lassen darüber hinaus die von uns gemessene, serienmäßige S4 Limousine mit S-Tronic (5,1 Sekunden auf 100 km/h, 19,3 auf 200 km/h) hinter sich.

Serie trifft Tuner: Audi RS4 gegen Abt AS4 R

Getunter Abt Audi S4 Avant
Wolf im Schafspelz: Der Abt S4 gibt sich optisch und akustisch zurückhaltend.
Bild: Lena Barthelmeß
Nach Art des Hauses hält sich der Abt S4 dabei allerdings zurück. Seine harmonische Kraftentfaltung und der trotz geänderter Endschalldämpfer recht zahme Klang lassen zu keiner Zeit auf eine nachträgliche Leistungssteigerung schließen. Das serienmäßige Fahrwerk mit optionalem Drive-Select-Paket und Abt-19-Zöllern federt besonders im Comfort-Modus der adaptiven Dämpfer geschickt und vermittelt auch bei 282 km/h noch ein besänftigend souveränes Gefühl – dann wird abgeregelt. Mehr Topspeed mutet Abt den Reifen nicht zu. Straßenkrümmungen durchprescht der Kemptener Kombi sachte untersteuernd, ein kurzer Gaslupfer lässt das Heck radienverengend driften. Wer es schärfer mag, kann auf das von Abt angebotene Gewindesportfahrwerk mit 40 Millimeter Tieferlegung und eine Achtkolben-Sportbremse mit 380 Millimeter messenden Vorderachsscheiben zurückgreifen. Der Sportec RS 425 bringt beides mit – und geht radikaler ans Werk. Seine modifizierte Feder-Dämpfer-Einheit mit optimiertem Radsturz und -nachlauf sowie die veränderten Bodenventile für besseres Ausfedern und geringere Rollneigung lassen ihn spürbar wankärmer durch Biegungen heizen.
Die montierten Michelin-Semislicks klammern sich beim Einlenken blutsaugergleich am Asphalt fest, die Lenkung agiert strammer und noch direkter als im Abt S4 – vor allem im Dynamic-Modus. Zügig angegangene Kurven schnippelt sich der Sportec mit leicht drängendem Heck zurecht, auch unter Last. Das freizügige ESP vermiest zu keiner Zeit die Stimmung. Fahrfreude pur – das soll ein 1,9-Tonnen-Kombi sein? Nur die bei gemessenen 256 km/h eingreifende, unveränderte Vmax-Begrenzung schmälert den Spaß. Eine Anhebung (1200 Euro) ist bei Sportec in Vorbereitung. Der fahrdynamischen Glanzleistung stehen allerdings gewisse Komforteinbußen gegenüber. Zwar hält der Sportec RS 425 auch auf übleren Passagen stabilisierenden Restfederweg bereit, seine 20-Zoll-Cupreifen rollen aber merklich schroffer ab – auch akustisch. Der dumpf und basslastig röhrende Sportauspuff mit vergrößertem Querschnitt nervt um 2500 Umdrehungen mit Dröhnen, das sogar die Mittelkonsole leicht zum Scheppern bringt.

Das Doppelkupplungsgetriebe stört puristisch veranlagte Sportpiloten

Getunter Abt Audi S4 Avant getunter Sportec Audi S4 Avant
DSG ist nicht erste Wahl: Sportliche Fahrer sollten zur Handschaltung greifen.
Bild: Lena Barthelmeß
Laut Sportec war der Testwagen noch mit einem Prototyp unterwegs, verkauft wird nun eine ziviler tönende Variante, die vor allem beim Kaltstart gemäßigter klingen soll. Und auch die verstärkte Bremsanlage mit schwimmend gelagerten, zweiteiligen Vorderachsscheiben, Achtkolbensätteln, Stahlflex-Leitungen und Sportbelägen übertrumpft die Serienstopper des Abt immerhin mit gleichbleibend festem Pedaldruck unter extremen Bedingungen, vibriert jedoch auf der Autobahn nach heftigem Verzögern lautstark nach. Zu guter Letzt bringt sie bei den Messungen selbst in Koalition mit den Sportreifen kaum kürzere Bremswege zustande – nicht mal in erwärmtem Zustand. Somit lohnt sich der knapp 6000 Euro teure Umbau nur für regelmäßige Rennstreckenbesucher. Auch das werkseitig erhältliche Doppelkupplungsgetriebe sollten S4-Käufer je nach bevorzugtem Einsatzgebiet mit Bedacht wählen. Auf der Autobahn und im Stadtverkehr funktioniert es reibungslos.
Bei forschen Landstraßen-Partien mit stetig wechselnder Geschwindigkeit sortiert der flinke Selbstschalter aber zunehmend hart und unbeholfen seine Gänge. Auch das zwangsläufige Hochschalten am roten Bereich, die stets aktive Kickdown-Funktion sowie die kurze Gedenksekunde, bis nach dem Kickdown die volle Leistung anliegt, stören puristisch veranlagte Sportpiloten. Dann lieber 2450 Euro sparen, zum Schaltgetriebe greifen, in die Leistungskur investieren und die umfangreiche Mehrleistungsausbeute der Tuner ohne Bevormundung selbst verwalten.