"Schnellste Limousine am Sachsenring" ist bis dato ein Audi S8. Tuner MTM hatte 2015 Jahren das Dickschiff Talladega mit 802 PS und Michelin-Cup-Reifen versehen und schaffte damit eine sensationelle 35er-Runde. Kaum jemand wollte damals glauben, dass diese Zeit in den nächsten Jahren von irgendeinem Viertürer geknackt werden könnte. Ein Tuner, der das Rekordprojekt nicht für unmöglich hielt, war AC Schnitzer.

AC Schnitzer ringt dem Motor per Software mehr Leistung ab

AC Schnitzer ACS3
Stark: Hinter der Niere tobt ein Biturbo-Reihensechser, den AC Schnitzer auf 510 PS gebracht hat.
Der von Haus aus 450 PS starke Biturbo-Sechszylinder im M3 mit einem Competition-Paket sollte in ihren Augen noch Luft nach oben haben, und auch in puncto Reifen und Fahrwerk sah der Tuner noch Optimierungspotenzial. Sollte das tatsächlich reichen, einen neuen Rekord für Viertürer einzufahren? AC Schnitzer ging beim Motor behutsam zu Werke – keine größeren Lader, keine Eingriffe in die Mechanik. So erhält der Kunde für die 4185 Euro lediglich ein Zusatzsteuergerät inklusive zwei Jahren Garantie. Die AC Schnitzer-Prüfstandsmessung ergab einen Leistungszuwachs um 60 auf 510 PS. Auch das Drehmoment erhielt einen ordentlichen Nachschlag, hier drücken nun 645 statt 550 Newtonmeter ins optionale Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Zum Leistungszuwachs trägt auch die Sportauspuffanlage mit rund 6 PS und 12 Newtonmetern bei.

Anbauteile aus Carbon pressen den 3er auf die Straße

AC Schnitzer ACS3
Downforce: Das Aerodynamik-Paket drückt den ACS3 unter anderem per Diffusor auf den Asphalt.
Bei einem über 500 PS starken Auto, das auf der Rennstrecke unterwegs ist und Tempo 280 läuft, ist Abtrieb ein probates Hilfsmittel für ruhige Kurvenlagen. Hier setzt AC Schnitzer voll auf Carbon; so wiegen die Frontspoiler-Elemente nur wenige Hundert Gramm. Das Aerodynamikpaket umfasst zudem seitliche Luftschaufeln, einen Dach- und Heckspoiler sowie einen Diffusor. Was hat der Tuner noch für die Rekordjagd umgebaut? Klar, Räder und Fahrwerk – ohne den richtigen Gummi lässt sich die Power nicht verwerten. Für die Längsdynamik-Messungen belässt es der Tuner beim ab Werk aufgezogenen Michelin Pilot Super Sport. Montiert sind die französischen Gummis auf teuren AC1-Leichtbaurädern. Statt des elektronisch einstellbaren Werksfahrwerks kommt ein Clubsport-Gewindefahrwerk aus dem Hause KW zum Einsatz. Einzige Änderungen gegenüber den regulär käuflichen Fahrwerken sind die vom Tuner modifizierten Stützlager sowie die vorab von ihm getesteten Werte für Druck- und Zugstufe.Ob die Abstimmung von Sachsenring-Chef und Porsche-Rallyepilot Ruben Zeltner für eine Topzeit reicht, werden wir noch erfahren. Vorher muss die blaue Limousine zeigen, ob die Leistungssteigerung Wirkung zeigt. Auf Sport Plus getastet, die Klappen der Auspuffanlage öffnen sich, die Launch Control ist aktiv. Doch der elektronische Startschuss ist uns keine echte Hilfe, kuppelt mit zu hoher Drehzahl ein, die Hinterräder hüllen sich sofort in blauen Rauch.

Einen Serien-M3 hängt der ACS3 erst auf 200 km/h ab

AC Schnitzer ACS3
Gar nicht so einfach: Ohne Schlupf beschleunigt, geht der ACS3 in 4,2 Sekunden auf Tempo 100.
Ein gefühlvoller Start ohne Launch Control ist gefragt, um das gestiegene Drehmoment auf den Asphalt zu bringen. Wir fahren also mit niedriger Drehzahl an und treten das Gas progressiv durch. Dennoch verliert der ACS3 bis 100 km/h erst einmal zwei Zehntel auf den von uns gemessenen Serien-M3-Competiton. Dann aber macht das Aachener Modell Boden gut und kann sich sukzessive von der Serie absetzen. Bis Tempo 200 ist der Vorsprung auf 1,3 Sekunden angewachsen. Auch bei der Elastizitätsprüfung sind die 510 PS hellwach: mess- und spürbarer Vorsprung in allen Gängen. Beim Bremsen liegen dagegen beide gleichauf. Kein Wunder, treten doch Werk und Tuner auf identischen Reifen samt den optionalen Carbon-Keramik-Stoppern an. Beim Super-Plus-Konsum gönnt sich der ACS3 wiederum 1,4 Liter mehr pro 100 Kilometer.
Wie sich der ACS3 auf der Rennstrecke schlägt, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Glückwunsch zum neuen Rekord "Schnellste Limousine am Sachsenring" nach Aachen! Nur acht Zehntel fehlen auf den schnellsten Serien-BMW, den kompromisslos auf Rennstrecke abgerichteten Zweisitzer M4 GTS. AC Schnitzers M3-Version ACS3 kann aber nicht nur Top-Rundenzeiten, die Limousine ist ein echter Allrounder: zwei Sitzreihen, Kofferraum, der Auspuff kann laut und leise, das Fahrwerk verzeiht Spurrillen und Bodenwellen – eine bessere Mischung aus Fahrspaß und Nutzwert gibt es derzeit nicht. Und das eine kleine Manko, die etwas zu tiefe Frontspoilerlippe, lässt sich über die Fahrwerkseinstellung beseitigen.