Es ist nicht weniger als die Neuordnung des deutschen Motorsports: Der Automobilclub ADAC hat sich die Namensrechte der DTM gesichert. Der bisherige Promoter Gerhard Berger zieht sich zurück, die Organisation ITR wird aufgelöst.
Jahrelang waren sich der ADAC mit seinem GT Masters und die ITR mit der DTM spinnefeind. 2021 traten sie sogar in direkte Konkurrenz – seither setzten beide Serien auf GT3-Autos. Der DTM gab das eigentlich Aufwind. Die Starterzahlen sind in den vergangenen zwei Jahren von 16 auf 27 gestiegen. Für das GT Masters ging es in die andere Richtung – von 29 runter auf 21 Boliden.
Doch der ADAC sitzt trotzdem am längeren Hebel. „Die Coronajahre waren für jeden Serienpromoter ein Graus“, weiß Ex-DTM-Chef Gerhard Berger (63). Der ADAC hat mehr Geld, um Defizite aufzufangen. Außerdem verzeichneten sechs von sieben Events 2022 neue Besucherrekorde – mit bis zu 28.000 Zuschauern.
Dennoch ist die DTM die bekanntere Serie. Teambesitzer Timo Bernhard (41) sagt: „Die drei Buchstaben kennt auch international jeder Rennfahrer.“ Die DTM existiert – mit kurzer Unterbrechung – seit 1984, das GT Masters erst seit 2007. Also wird auch der ADAC die DTM als Topserie auf seiner Plattform ansiedeln. Hier sollen die Profis fahren – und nur ein Pilot pro Auto.
Das GT Masters bleibt ebenfalls bestehen.
Bild: Gruppe C GmbH / ADAC

Das GT Masters sollte eigentlich in der DTM Endurance aufgehen, zusammen mit den LMP3-Prototypen, die bereits 2022 einen eigenen deutschen Prototypen-Cup ausgetragen haben. Doch die Teams des GT Masters liefen Sturm – es wäre eine doppelte Degradierung gewesen. Denn damit würde man nicht nur das Nachsehen gegenüber der DTM haben.
Die LMP3 sind schneller als die GT3-Autos. Zwar bringen sie es nur auf 455 PS im Vergleich zu 550 bei den GT3-Flitzern, aber sie sind leichter und haben eine bessere Aerodynamik. Die LMP3-Klasse ist darüber hinaus billiger. 350.000 Euro betrug das Budget 2022, für eine GT-Masters-Saison waren etwa 600.000 Euro fällig.
Also entschied sich der ADAC für die Rolle rückwärts: Das GT Masters bleibt, mit zwei Fahrern pro Auto soll es anders als die DTM Langstreckencharakter haben, ein Fahrer muss Amateur sein. Die vier DTM-Läufe in Oschersleben, am Norisring, am Sachsenring und in Hockenheim begleitet das GT Masters, dazu kommen zwei eigenständige Events in Hockenheim und am Nürburgring. Der LMP3-Kalender könnte etwa zwei DTM-Rahmenevents beinhalten.

DTM Trophy und deutsche Formel 4 verschwinden

Die DTM Trophy (GT4) verschwindet, weil der ADAC seine eigene GT4-Meisterschaft behält. Die Formel 4 stirbt ebenfalls, weil sie für deutsche Nachwuchsfahrer nicht mehr finanzierbar ist. Die deutsche TCR-Klasse (seriennahe Tourenwagen mit einem Zweiliter-Vierzylinder und 350 PS) dagegen bleibt, obwohl sie zuletzt auf 13 Autos geschrumpft ist. Aber hier soll ein neuer Hybridmotor ab 2025 die Wende bringen.
Die Namensrechte für die 2025 geplante DTM Electric hat der ADAC nicht gekauft. Stattdessen will man bis dahin auf 100 Prozent synthetischen Sprit umstellen (bisher 50 Prozent Biosprit).