Alde Rask war ein wahrer Tüftler und Erfinder. In vielen Bereichen forschte der Schwede ab den 1940er-Jahren. Er entwickelte Anhängerzubehör, elektrische Bremsen, Umwälzpumpen – und auch einen Wohnwagen.
Heute steht der Name Alde vor allem für eins: Wasserheizungen. Im Gegensatz zum deutschen Marktführer Truma setzen die Schweden nicht auf warme Luft als Wärmeträger, die durch Luftdüsen an verschiedenen Stellen im Fahrzeug punktuell den Raum erwärmt. Die Alde-Heizung funktioniert nach rein physikalischen Prinzipien.
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Wärmere Luft steigt an den Wänden nach oben, kühlt ab und sinkt wieder. Dadurch entsteht ein Wärmekreislauf, der von Menschen kaum wahrnehmbar ist. Heizen wie zu Hause. Der Vorteil des Alde-Systems ist eine gleichmäßige Wärmeverteilung im Fahrzeug ohne Kältebrücken. Damit dieses System funktioniert, braucht es hinterlüftete Möbel, die eine Zirkulation der Luft ermöglichen. (Welche Neuheit verdient die Auszeichnung Goldenes Reisemobil 2022?)

Wärmetauscher besonders nachhaltig

Durch den komplexen Aufbau eignet sich die Alde-Heizung nicht für die Nachrüstung; sie muss beim Kauf des Reisemobils mitbestellt werden. Größter Nachteil des Systems ist sein Gewicht. Apropos: Gewichtig ist auch der Preis.
Je nach Ausstattung kostet eine Wasserheizung immerhin ab 3700 Euro. Wer nur ein paar Wochen im Jahr in den Süden fährt, wird das nicht investieren wollen. Aber in Reisemobilen, die ganzjährig genutzt werden, lohnt sich diese Investition allemal.
Besonders nachhaltig lässt sich mit dem Wärmetauscher heizen, denn dieser nutzt die Wärme des Motors zum Heizen des Innenraums. Mehr als 60 nationale und internationale Hersteller bieten serienmäßig oder gegen Aufpreis die schwedischen Heizungen an. Die Produktion der Alde-Systeme findet seit jeher auf dem Gelände der ehemaligen Werkstatt aus den 1940er-Jahren statt.
90 Prozent aller in Färlöv produzierten Heizungen gehen in das Exportgeschäft. Aus einem kleinen Dorf in Südschweden raus in die weite Welt bis in die USA und nach Südkorea. Denn nicht nur die Skandinavier wissen die Wohlfühlwärme zu schätzen.

Das Schweißen übernimmt ein Roboter

Das Herzstück der Anlage ist die Heizkammer. Diese befindet sich später in einer zylindrischen Form. Um die Blechenden zu verbinden, muss geschweißt werden. Dieser erste Arbeitsschritt ist einer der wenigen in der Produktion, die von einem Roboter übernommen werden.
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Der Schweißvorgang findet in einer verschlossenen Maschine mit Sichtschutz statt.
Mitarbeiter stellen das gebogene Blech in die Maschine, die anschließend beide Enden fest und sauber miteinander verschweißt. Der Einsatz dieser Maschine hat gleich mehrere Vorteile: Produktionssteigerung, Arbeitssicherheit und eine Verringerung der Fehlertoleranz.

Dichtheitsprüfung und Zusammenbau

Nach jedem Schweißarbeitsschritt kommen die Bestandteile in ein Wasserbad. Hierbei wird überprüft, ob die Schweißnaht auch dicht ist. Undichtigkeiten dürfen in dem geschlossenen Wassersystem nicht auftreten. Erst wenn keine Blasen aufsteigen, geht es weiter in der Produktion.
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Jeder einzelne Arbeitsschritt wird überprüft, damit keine Fehler oder Undichtigkeiten im System entstehen.
Um die Heizkammer wird nun der ebenfalls runde und geschweißte Heizungsboiler montiert und beides fest mit Boden und Deckel verbunden. Später verbreitet sich die Wärme von innen nach außen und erwärmt dabei das Wasser im Heizungsboiler sowie die Glykol-Flüssigkeit, die durch die Konvektoren, die Rohre der Fußbodenheizung und Handtuchwärmer fließt.

Steuerplatine und Elektrik

Nach dem Einbau von Heizstäben und Brenner erfolgt die Montage der Steuerplatine sowie Verkabelung und Anschluss der Elektrik. Die Platine steuert später die ganze Elektronik des Heizungssystems. Die Brennkammer selbst verfügt sowohl über einen Gasbrenner als auch über mindestens zwei Elektroheizstäbe.
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Bei der Montage der empfindlichen Elektrikbauteile ist besondere Vorsicht geboten.
Über das Bedienpanel oder die spezielle Alde-App bedient der Kunde später alle Heizungsfunktionen und kann entscheiden, ob er mit Gas, Strom oder beidem kombiniert heizt.

Endkontrolle auf dem Prüfstand

Obwohl während des kompletten Produktionsprozesses jeder einzelne Schritt bereits geprüft wurde, erfolgt zum Schluss noch eine umfassende Endkontrolle der gesamten Heizungsanlage.
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Bevor die fertigen Heizungen die Produktion in Färlöv verlassen, steht die Endkontrolle auf dem Programm.
Erfahrene Mitarbeiter checken auf einem genormten Prüfstand die Elektronik, Funktionstüchtigkeit und Dichtigkeit jeder einzelnen Heizung. Erst wenn hier alles in Ordnung ist, geht die Anlage in den Versand an Hersteller in Skandinavien und in den Rest der Welt.

Der fertige Wasserboiler

Die zylindrische Heizeinheit steckt samt Wasserboiler und Isolationsmaterial in dem rechteckigen Gehäuse aus Metall. Aber die Heizeinheit ist nur ein Teil des Heizsystems.
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Der Heizkessel wiegt schon ohne Flüssigkeit ca. 14 Kilogramm.
Schlussendlich verteilen Konvektoren, Handtuchwärmer oder die Schlaufen der Fußbodenheizung die Wärme im Fahrzeug. Ganz neu ist die Möglichkeit, das Modell Compact 3030 auch mit Erd- und Biogas zu betreiben.

Extremtest in der eigenen Kältekammer

Jede Heizung kann nur so gut sein, wie sie im Fahrzeug eingebaut wurde. Daher testen namhafte Hersteller und Alde gemeinsam in der firmeneigenen Kältekammer ständig unter extremen Bedingungen.

Zunächst wird jeder Testkandidat mit Sensoren im ganzen Fahrzeug bestückt und anschließend einer 24-stündigen Kühlung ausgesetzt. Nach der vorgeschriebenen Zeit erfolgen die Aufheizphase und die Überprüfung der Wärmeverteilung.

Von

Helene Schmidt