Irgendwie gehen uns die letzten Klischees verloren: Da nähern wir uns einem sechsäugigen Coupé, das sich hinreißend auf die Straße duckt. Winden uns auf den in der Höhe etwas knapp bemessenen Sitzplatz, drücken Schlüssel sowie Startknopf und hören – Taxigrummeln. Erster Gedanke: Mist, ein Diesel nun auch in so einem herrlichen Sportcoupé. Zweiter Gedanke: Wow, was für ein Wurf. Der noch vom 156 stammende Fünfzylinder wuchert schon bei 2000 Umdrehungen mit 400 Newtonmeter. Kein Wunder, wenn die 235er-Reifen dabei um ihr Profil bangen müssen. Denn die Kraft geht auf die Vorderräder. Bei Nässe bekommt die Antriebs-Schlupfregelung ordentlich zu tun. Kurz nach dem Kaltstart wandelt sich das hörbare Nageln in leises Rasseln, und wenn nach 8,5 Sekunden die Tachonadel auf 100 zeigt, fragt niemand mehr nach dem Verbrennungs-Prinzip. Dann hat der Fahrer aber auch gut zu tun, der wackelige Geradeauslauf lässt sich mit der Lenkung jedoch leicht korrigieren.
Alfa Romeo Brera 2.4 JTDM 20V
Der noch vom 156 stammende Fünfzylinder wuchert schon bei 2000 Umdrehungen mit 400 Newtonmeter.
Auch ist der Brera gut aber nicht allzu komfortabel abgestimmt, vermittelt den Insassen stets die gefahrene Geschwindigkeit, was ja der Aufmerksamkeit dient. Die Sky-View-Version (plus 1350 Euro) verbessert das Raumgefühl, denn der Himmel wird durchsichtig, wenn das elektrische Rollo das gläserne Dach freigegeben hat. Von außen wirkt das geschwärzte Glas echt stilbildend. Verwirrend die zum Teil versteckten Schalter und eigenwillig gestalteten Instrumente. So hat der Tacho keine Markierung bei 50 oder 130, Zahlen stehen teils auf dem Kopf. Bei jedem Neustart schaltet sich die Klimaanlage wieder ein, und der Bordcomputer lässt sich ohne Lesen der Betriebsanleitung nicht begreifen. Was letztlich zählt, ist die Ausstrahlung. Dafür gibt es keinen Messwert, das empfindet jeder für sich allein.

Fazit

Alfas kauft man mit dem Bauch, einen Brera erst recht. Denn es gibt kaum ein formschöneres Coupé auf dem Markt. Motormäßig lässt sich sparen: Der 185-PS-Benziner ist fast 4000 Euro billiger, bietet aber denselben Fahrspaß.

Von

Dieter Rebmann