Alfa Romeo und Maserati gebraucht im Check
Daten, Fakten, Tipps: Wie gut sind gebrauchte Alfa Romeo und Maserati?
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Sportlichkeit und Luxus versprechen die traditionsreichen Stellantis-Konzerntöchter Alfa Romeo und Maserati. Beide kauft man mit dem Herzen, doch genügen sie als Gebrauchte auch dem Verstand?
Bild: AUTO BILD - Meiners
Gut zwei Autostunden trennen die italienischen Metropolen Mailand und Modena. In beiden Städten sind Autohersteller von Weltruf beheimatet, die seit Jahrzehnten berühmt für ihre sportlichen Kreationen sind und als feine Töchter zu den Aushängeschildern des Stellantis-Konzerns gehören.
Während Alfa Romeo als Premiummarke mit hiesigen Produkten von Audi oder BMW konkurrieren soll, setzt Maserati nochmals deutlich einen drauf und buhlt um finanziell potente Kunden im Luxussegment, denen Performancemodelle deutscher Hersteller zu profan erscheinen.
Geringe Stückzahlen, große Faszination
Von den Stückzahlen her sind die Erfolge beider Marken jedoch überschaubar. Alfa Romeo erreicht einen Marktanteil von rund 0,3 Prozent und profitierte zuletzt von ordentlichen SUV-Verkäufen, Maserati dümpelt bei kaum 0,1 Prozent. Alfa-Romeo-Kleinstserienmodelle wie der Supersportwagen 33 Stradale oder die Giulia GTA sind clevere Imagepflege. Als Volumenbaureihen hat Alfa Romeo aktuell zusätzlich zu seiner rassigen Mittelklasselimousine Giulia mit Junior (Kleinwagen), Tonale (Kompaktklasse) und Stelvio (Mittelklasse) gleich drei SUV-Modelle im Portfolio.
Die Quadrifoglio-Varianten sind bärenstarke Aushängeschilder, die kaum einen Performancevergleich scheuen müssen. Mittelfristig ist eine umfangreiche Elektrifizierung der Mailänder Traditionsmarke geplant, bei der die Plattformen des Stellantis-Konzerns kostenreduzierende Technik-Paten sein sollen.
Darüber positioniert, setzt Maserati voll auf Faszination und Fahrspaß und verfügt ebenfalls bereits über mehrere elektrifizierte Modelle. Der 2022 vorgestellte Grecale fährt gegen BMW X3 M und Porsche Macan, ist jedoch gebraucht kaum marktrelevant. Deutlich häufiger sind die jüngst ausgelaufenen Modelle Ghibli III und Levante sowie die traditionsbewussten Sportwagen-Hochkaräter GranTurismo und MC20 anzutreffen.
Größte Vorsicht bei Vorschäden und unklarer Historie
Generell sollte man bei der Gebrauchtwagensuche unbedingt auf eine hohe Fahrzeugqualität achten. Mit der teils haarsträubenden Qualität älterer Biturbo-Modelle haben jüngere Maserati zum Glück nichts mehr zu tun, als Diesel tauchen regelmäßig Exemplare mit über 250.000 Kilometer Laufleistung in Südeuropa auf.
Bei Fahrzeugen mit Vorschäden oder unklarer Historie ist jedoch größte Vorsicht angebracht! Diese können durch teils horrende Reparaturkosten dramatisch teurer werden. Zusätzlich muss man die oft gesalzenen Versicherungstarife der obligatorischen Spezialversicherer vorab kalkulieren. Hier kommen die wichtigsten Baureihen der beiden Marken im Schnell-Check!
Alfa Romeo Giulietta
Neupreise: von 19.250 bis 38.550 Euro • Gebrauchtpreise*: von 6999 bis 18.490 Euro • Durchschnittlicher Gebrauchtpreis**: 11.950 Euro • Motoren: von 120 bis 240 PS • Motortipp: 240 PS (Verbrauch: 9,4 l S/100 km) • Rückrufe: 8 • Euro-NCAP-Insassenschutz: 72 % (3 Sterne, 2017).
Stärken
- Charaktervoller Kompakter
- Viele Individualisierungen
Schwächen
- Durchwachsene Qualität
- Mäßige TCT-Getriebe

Stilvoll und leidenschaftlich: Das Design der Giulietta verzückt noch immer.
Bild: AUTO BILD - Krieger
Ab 2010 trat die jüngste Giulietta (Typ 940) als charmante Italienerin im Kompaktsegment an – ihr Design verzückt noch immer, so stilvoll und leidenschaftlich ist kaum ein Konkurrent. Egal ob als sparsamer Diesel oder bulliger Turbo-Benziner – die stets fünftürige Giulietta müht sich um Dolce Vita. Besonders die 240 PS starke Veloce-Version sorgt für Herzklopfen. Den Blutdruck erhöhen jedoch auch technische Unzulänglichkeiten: Die Elektronik kann temperamentvoll sein, und Turbolader der eigentlich standfesten Diesel zeigen gelegentlich Schwächen.
Das Interieur ist schön, aber bei Weitem nicht perfekt verarbeitet. Am Ende der Bauzeit wirkte das Modell veraltet. Gebraucht passt die Wartungshistorie im Alter häufig nicht. Dennoch taugt die Giulietta für Individualisten, die mehr als nur ein durchschnittliches Auto suchen. Sie ist kein Golf – sie ist eine leistbare Rebellion gegen die Kompaktklasse-Norm.
Alfa Romeo Giulia
Neupreise: von 33.100 bis 178.000 Euro • Gebrauchtpreise*: von 21.800 bis 49.680 Euro • Durchschnittlicher Gebrauchtpreis**: 39.880 Euro • Motoren: von 136 bis 540 PS • Motortipp: 280 PS (Verbrauch: 9,6 l S/100 km) • Rückrufe: 15 • Euro-NCAP-Insassenschutz: 98 % (5 Sterne, 2016).
Stärken
- Sehr elegantes Konzept
- Hohe Fahrdynamik
Schwächen
- Infotainment mäßig
- Platzangebot durchschnittlich

Die Giulia bietet präzises Handling, feinstes Design – und einen Hauch von Drama.
Bild: Roman Raetzke
Neu konstruiert ging Italiens Antwort auf die deutsche Mittelklasse 2016 an den Start. Auf der anspruchsvollen Giorgio-Plattform baut die vergleichsweise leichte Karosserie auf. Ihre geschwungene Silhouette und der traditionelle Scudetto-Kühlergrill machen die Giulia zu einem Statement auf vier Rädern. Bereits der 2.0 Turbo geht gut, doch die Quadrifoglio- und GTA-Versionen mit mindestens 510-PS-V6 und Ferrari-Genen sind Kunstwerke für die Straße.
Auch die effizienten Vierzylinder-Diesel füllen den Alltag mit authentisch italienischem Flair. Kritikpunkte? Die Giulia kann im gehobenen Alter manchmal auch launisch werden – besonders frühe Modelle kämpfen mit Elektronikproblemen. Der Karosseriebau ist anspruchsvoll gedacht, jedoch nicht immer perfekt ausgeführt. Doch wer Giulia fährt, kriegt Emotion: präzises Handling, feinstes Design und ein Hauch von Drama. Sie ist mehr als italienische Mittelklasse, sondern eine gebraucht bezahlbare Liebeserklärung an das Fahren.
Maserati Ghibli
Neupreise: von 65.380 bis 190.000 Euro • Gebrauchtpreise*: von 25.900 bis 161.111 Euro • Durchschnittlicher Gebrauchtpreis**: 39.925 Euro • Motoren: von 275 bis 580 PS • Motortipp: 430 PS (Verbrauch: 10,7 l S/100 km) • Rückrufe: 12 • Euro-NCAP-Insassenschutz: 95 % (5 Sterne, 2013).
Stärken
- Sportliche Oberklasse-Option
- Sehr eleganter Auftritt
Schwächen
- Teurer Unterhalt
- Teils zickige Technik

Der Ghibli ist gebraucht ein erstaunlich bezahlbares und alltagstaugliches Traumauto.
Bild: Christoph Boerries
Als Businessflieger kennt man den 2013 eingeführten Ghibli III hierzulande kaum, obwohl er neu preislich durchaus mit dem oberen Viertel der A6- und 5er-Modellprogramme konkurrierte. Die Maserati-Limousine ist gebraucht ein erstaunlich bezahlbares und alltagstaugliches Traumauto. Die stattliche Fünf-Meter-Limousine gibt es als potente Vierzylinder- und V6-Benziner oder als erstaunlich effizienten Diesel.
Eleganz und ein Hauch von Drama sind serienmäßig. Die Innenausstattung glänzt mit feinstem Leder – aber der Konzernbaukasten lässt trotz mehrerer Modellpflegen in vielen Details die deutsche Konkurrenz überlegen wirken. Typische Macken wie Elektronikprobleme, ruckelnde Automatikgetriebe, Turboladerschäden, teurer Bremsenverschleiß und hohe Wartungs- und Versicherungskosten schrecken nüchtern kalkulierende Kunden ab, aber nicht den durchschnittlichen Maserati-Liebhaber.
Der Ghibli III war nie als schnöder Leasing-Dienstwagen für das gehobene Management gedacht. Und so bleibt er auch gebraucht trotz oftmals verblüffend moderater Gebrauchtpreise ein exklusiver Begleiter für Individualisten mit dickem Bankkonto.
Maserati Quattroporte
Neupreise: von 94.850 bis 185.997 Euro • Gebrauchtpreise*: von 32.425 bis 71.800 Euro • Durchschnittlicher Gebrauchtpreis**: 36.990 Euro • Motoren: von 275 bis 580 PS • Motortipp: 430 PS (Verbrauch: 14,9 l S/100 km) • Rückrufe: 14 • Euro-NCAP-Insassenschutz: keine Daten.
Stärken
- Luxuriöses Fahrerlebnis
- Teils enorme Fahrleistungen
Schwächen
- Sehr üppige Abmessungen
- Teurer Unterhalt

Der Quattroporte ist mit maximal 580 PS für einen Topspeed von 326 km/h gut.
Bild: AUTO BILD - Werk
Sein Name ist legendär. Der Quattroporte VI ist nicht einfach eine Luxuslimousine – er ist ein rollendes Statement. Die Motorenpalette des zuletzt 2013 rundum erneuerten Italieners reicht vom souveränen 275-PS-Diesel bis zum grollenden V8, der mit maximal 580 PS für einen supersportwagenverdächtigen Topspeed von 326 km/h gut ist. So oder so gibt es garantiert reichlich Leidenschaft und Kraft.
Innen ist der 5,26 Meter lange Quattroporte ein chauffeurtauglicher Salon. Er bietet nur Infotainment-Schonkost, aber dafür feinste zeitlose Zutaten wie Leder oder Seide, Edelholz, Carbon und sehr viel italienisches Flair. Doch nicht alles bleibt dauerhaft glanzvoll: Elektronikprobleme und die Verarbeitung können die Toleranz von Enthusiasten arg herausfordern.
Aber: Wer einen Quattroporte fährt, kauft nicht nur ein Statussymbol – sondern setzt voll auf Emotionen und Individualismus. Während A8, S-Klasse und 7er eben noch als rational durchgehen, gibt der Quattroporte eine niemals günstige italienische Oper auf vier Rädern.
Maserati GranTurismo
Neupreise: von 112.280 bis 222.535 Euro • Gebrauchtpreise*: von 46.500 bis 202.222 Euro • Durchschnittlicher Gebrauchtpreis**: 104.990 Euro • Motoren: von 405 bis 460 PS • Motortipp: 460 PS (Verbrauch: 16,0 l S/100 km) • Rückrufe: 9 • Euro-NCAP-Insassenschutz: keine Daten.
Stärken
- Eleganter GT
- Faszinierendes Konzept
Schwächen
- Unterhaltskosten stattlich
- Teils dubiose Importe

Der Fokus des Maserati GranTurismo liegt auf Kultiviertheit und Langstreckentauglichkeit.
Bild: AUTO BILD - Meiners
Rational wird man dem GranTurismo schwerlich gerecht. Er ist kein Auto, sondern ein Mythos. Sein unter der Fronthaube verbauter V8 ist ein Orchester, das Lebensfreude pur spielt. Mit 405 bis 460 PS ist der GT schnell, doch sein Fokus liegt nicht auf Rundenzeiten, sondern auf Kultiviertheit und Langstreckentauglichkeit. Sein Design ist zeitlos, die Karosserie mit gut 4,90 Meter Länge üppig. Der Innenraum ist luxuriös, wenn auch alles andere als innovativ oder taufrisch.
Schwächen sollte man bei echtem Kaufinteresse ausblenden können: Die Wartungskosten sind hoch, löchrige Servicehistorien können unangenehm teuer werden. Das Automatikgetriebe dürfte geschmeidiger sein. Aber wen stört das, wenn der GranTurismo vorbeirauscht? Er ist ein Casanova der alten Schule und für Zahlungskräftige ein potenzielles Sammlerstück – perfekt unperfekt.
Vorsicht ist allerdings bei vermeintlichen Schnäppchen aus den USA angebracht! Diese werden häufiger als Totalschäden (Salvage Title) für kleines Geld in Osteuropa fragwürdig repariert. Die zweite GranTurismo-Generation startete 2024.
Alfa Romeo 4C
Neupreise: von 63.500 bis 78.000 Euro • Gebrauchtpreise*: von 71.900 bis 92.450 Euro • Durchschnittlicher Gebrauchtpreis**: 75.945 Euro • Motor: 245 PS • Motortipp: 245 PS (Verbrauch: 7,8 l S/100 km) • Rückrufe: 0 • Euro-NCAP-Insassenschutz: keine Daten.
Stärken
- Kultige Fahrmaschine
- Sehr wertstabil
Schwächen
- Geringer Komfort
- Komplexe Karosserie

Bild: AUTO BILD - Bader
Das Herz trifft die Entscheidung für einen Alfa Romeo 4C. Der rassige Carbon-Monocoque-Sportler ist ein puristisches Mittelmotorkonzept und eine Ode an den Leichtbau. Der 1750erTurbomotor mit vier Zylindern und 240 PS stammt aus der Großserie und fühlt sich dank knapp einer Tonne Leergewicht nach mehr als reichlich für die zweisitzige Fahrmaschine an, die es als Coupé und Spider gab. Komfort ist kaum vorhanden, man sollte zumindest nicht wesentlich mehr als in einem Kart erwarten. Elektronik und Doppelkupplung können temperamentvoll sein.
Und dennoch: Der 4C hat nach dem Ende seiner Bauzeit bereits etliche zahlungskräftige Enthusiasten um sich geschart, was für stabile bis teils steigende Preise sorgt. Er will kein Auto für die Masse sein. Mit seiner recht hohen Dynamik und dem radikalen Design erinnert er daran, dass Autofahren auch diesseits der 300 PS nicht nur Mittel zum Zweck sein muss, sondern pure Leidenschaft sein kann. Wichtig ist, dass die Wartung stets in kundige Hände gelegt wurde. Typische Probleme sind ruckelnde Getriebe, defekte Batterien und kritische Motortemperaturen.
Alfa Romeo Stelvio
Neupreise: von 39.800 bis 128.520 Euro • Gebrauchtpreise*: von 23.900 bis 56.990 Euro • Durchschnittlicher Gebrauchtpreis**: 35.990 Euro • Motoren: von 150 bis 510 PS • Motortipp: 190 PS (Verbrauch: 7,3 l D/100 km) • Rückrufe: 14 • Euro-NCAP-Insassenschutz: 97 % (5 Sterne, 2017).
Stärken
- Alfa Romeo Stelvio
- Gutes Dauertest-Ergebnis
Schwächen
- Infotainment nur mäßig
- Teils Qualitätsdefizite

Bild: Toni Bader
Langeweile ist für den Stelvio (Typ 849) kein Thema. Das familientauglich geschnittene SUV mit der markanten Front und dem sportlichen Fahrverhalten hebt sich angenehm von der teutonischen Konkurrenz ab. Die Motoren reichen von genügsamen Vierzylinder-Dieseln ab 150 PS bis zum 510 PS starken 2,9-Liter-Biturbo-Benziner im Quadrifoglio-Monster, das selbst Porsche Macan Turbo nervös macht. 2023 gab es ein dezentes Facelift.
Die Haltbarkeit ist gut, mögliche Mängel sollte man bei der Gebrauchtwagensuche jedoch nicht außer Acht lassen. Infotainment- und Elektronikprobleme sowie die Qualität kleiner Karosseriedetails können auf Dauer nerven. Teils berichten Besitzer auch von erhöhtem Ölverbrauch und Lenkungsproblemen. Doch der Stelvio setzt eben auf Charakter statt Perfektion. Er paart Praktikabilität mit italienischer Eleganz, ist kein Durchschnitts-SUV. Im Dauertest über 100.000 Kilometer reichte es am Ende zur Gesamtnote 2+.
Maserati Levante
Neupreise: von 77.520 bis 199.000 Euro • Gebrauchtpreise*: von 33.450 bis 125.333 Euro • Durchschnittlicher Gebrauchtpreis**: 54.979 Euro • Motoren: von 275 bis 580 PS • Motortipp: 275 PS (Verbrauch: 9,1 l D/100 km) • Rückrufe: 10 • Euro-NCAP-Insassenschutz: keine Daten.
Stärken
- Reichlich Platz
- Bemerkenswerte Dynamik
Schwächen
- Teurer Unterhalt
- Unharmonischer 2.0 Hybrid

Bild: Roman Rätzke
Fast kein Weg ist dem stets allradgetriebenen Levante zu abwegig. Das Sport-SUV ist seit 2016 die italienische Antwort auf Cayenne und Co. Die Spreizung reicht vom 275-PS-Diesel über den angestrengt wirkenden 330-PS-Mildhybrid-Vierzylinder bis zum 580 PS starken V8-Boliden. Markentypische Sportlichkeit und Gänsehautsound gibt es, ohne dass die Themen Komfort und Platzangebot vernachlässigt werden.
Der Innenraum beeindruckt mit edlen Materialien, doch Luftfederung und Elektronik neigen teils zu kapriziösem Verhalten. Der Levante ist leidenschaftlich und unverwechselbar – aber er erfordert finanzielle Leidensfähigkeit. Von Verarbeitungsmängeln und Antriebsproblemen berichten mehrere Besitzer. Die Stärken liegen im Design und der Exklusivität, die größte Schwäche sind die Unterhaltskosten. Doch wer einen Levante wählt, ist nicht vernunftgesteuert – sondern will italienisches Lebensgefühl.
* Quelle: AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Börse; ** Medianpreis
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