Alkohol am Steuer
Streit um null Promille

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Beim 49. Verkehrsgerichtstag wurde heftig über die Null-Promille-Grenze diskutiert. Zentrale Frage: Muss es denn gleich strafbar sein, wenn man ein Glas getrunken hat?
(dpa) Die Erfahrungen mit dem strikten Alkoholverbot bei Fahranfängern sind überzeugend: Nach Angaben der Deutschen Verkehrswacht ging gleich im ersten Jahr nach Einführung des Verbots im August 2007 die Zahl der alkoholbedingten Unfälle in dieser Altersgruppe um 15 Prozent zurück. Beim 49. Verkehrsgerichtstag in Goslar wurde im Januar 2011 deshalb heftig über die Null-Promille-Grenze diskutiert. "Ein Glas Bier ist noch vertretbar und beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit nicht", sagt der Vorsitzende des Ausschusses für Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins, Michael Bücken. Was bei Fahranfängern, die klare Vorgaben bräuchten, richtig sei, sei für ältere Fahrer nicht notwendig. Es sei zwar generell besser, auf Alkohol zu verzichten, wenn eine Autofahrt ansteht. "Aber muss es denn gleich strafbar sein, wenn man ein Glas getrunken hat?"
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Bild: Uli Sonntag
Hinzu kommt in einem Land der Biertrinker und Weinliebhaber der gesellige Aspekt. Für den Präsidenten des Verkehrsgerichtstages, Kay Nehm, ist das "eine Glas" für ältere Fahrer, die eine gewisse Erfahrung haben, auch eine Art Lebensqualität. Es wäre doch sehr mühsam, nach dem Genuss von Alkohol nachzurechen, wann der Nullwert wieder erreicht ist. Die Mehrheit der Deutschen scheint damit aber kein Problem zu haben. Sie ist für ein 0,0-Alkoholgebot am Steuer, wie eine Befragung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates im Dezember 2010 ergab. Fast 60 Prozent der insgesamt 2000 befragten Verkehrsteilnehmer befürworteten diese Maßnahme, knapp 30 Prozent waren dagegen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte in seiner Rede zum Verkehrsgerichtstag: "Wir arbeiten alle daran, dass alkoholbedingte Unfälle zurückgehen." Er ließ aber nicht erkennen, ob er sich selbst in die Diskussion um die Promillegrenze einmischen will.
Dies tat zuvor der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Dirk Fischer. Er lehne eine Neuregelung kategorisch ab, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Und auch für den SPD-Verkehrsexperten Uwe Beckmeyer ist eine Null-Promille-Grenze unmöglich. Wenn man Medikamente einnehmen muss, ist man schnell bei einem Wert von 0,15 Promille im Blut. Die FDP schließt sich an: "Immer neue Verbote können keine gesellschaftliche Dauerlösung sein", sagt der Verkehrssicherheitsexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Oliver Luksic. Der Bürger habe sich an die aktuelle 0,5-Promille-Regelung gewöhnt.
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