Der Unfalltod einer jungen Frau hat eine Diskussion um die Einführung von Alkoholsperren in Autos, sogenannten Alkolocks, ausgelöst. Das Thema kochte hoch, nachdem bekannt wurde, dass der Beamte, der bei dem Unfall in Berlin vor einem Jahr am Steuer des Polizeiwagens saß, angetrunken war. Die 21-jährige Fabien M. war am 29. Januar 2018 in Berlin ums Leben gekommen, als ein Polizist mit rund 90 km/h in ihren einparkenden Wagen fuhr. Später wurde bekannt, dass der Beamte zum Unfallzeitpunkt rund 1,1 Promille im Blut hatte. Das ging aus der Patientenakte der Berliner Charité hervor. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Polizisten wegen fahrlässiger Tötung und Trunkenheit am Steuer. 

Unfall löst Diskussion um Alkoholsperren aus

Video: Dobrindt für Alkolocks

Erst pusten, dann fahren

Der tödliche Unfall hatte Deutschland erschüttert. Im Kölner "Express" forderten Fabiens Eltern nun die Einführung von sogenannten Alkolocks in allen Polizeifahrzeugen. Unfallforscher gingen sogar noch weiter, forderten den Einsatz von Alkoholsperren in allen Autos. Diskutiert wird vor allem, wo und wann die Alkoholsperren eingesetzt werden sollten. So empfahlen Experten auf dem Verkehrsgerichtstag 2019 in Goslar die Einführung von Alkolocks in Fahrzeugen aller Autofahrer, die zuvor schon einmal mit mindestens 1,1 Promille im Straßenverkehr erwischt worden sind. Schon 2015 sprach sich der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) für einen solchen Vorschlag aus. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), forderte sogar den generellen Einbau von Wegfahrsperren in Neufahrzeugen. 

Wie und wo Alkolocks zum Einsatz kommen

Eine Alkohol-Wegfahrsperre besteht aus zwei Geräten. Unter dem Armaturenbrett ist eine Steuereinheit eingebaut, die mit der Fahrzeugelektronik verbunden ist. Hinzu kommt ein Handmessgerät ähnlich den digitalen Alkoholtestern, die im Handel erhältlich sind. Schaltet der Fahrer die Zündung ein, wird er zum Test aufgefordert. Dazu pustet er wie bei einer Polizeikontrolle durch ein Röhrchen in das Messgerät, das darauf den Atemalkoholgehalt des Fahrers misst. Nur wenn der Wert unter dem zuvor programmierten Grenzwert liegt, gibt die Steuereinheit die Wegfahrsperre des Wagens frei. Liegt er darüber, blockiert sie diese und der Motor lässt sich nicht starten. In den USA kommen Alkolocks schon seit 1986 zum Einsatz, Pflicht sind sie jedoch nicht. In Frankreich und Schweden gehören Alkolocks für Fahrer im öffentlichen Dienst (Bus, Taxifahrer etc.) zum Alltag. In Polen und den Niederlanden sind bereits alkoholauffällig gewordene Fahrer zur Benutzung verpflichtet.