Hymer ML-T 570 Crossover: Wohnmobil im Test
Vielseitiger Allrad-Camper auf Basis des Mercedes Sprinter

Hymer entführt seine Kunden ins Abenteuerland. Als Fluchtfahrzeug dient ein Teilintegrierter auf Basis des Allrad-Sprinter – Höherlegung inklusive.
Bild: Hanselmann
- Martin Häußermann
Reisemobile mit Stollenbereifung sind voll im Trend. Die haben mittlerweile nicht nur Spezialisten im Angebot, auch Großserienhersteller wie Eura Mobil, Dethleffs oder eben Hymer wollen da nicht abseitsstehen, sondern lieber abseits fahren.
Die Abenteuerlust ist groß, wie uns auf der Messe "Abenteuer & Allrad" Maximilian Loder verriet. Der Mitinhaber des Offroad-Ausrüsters delta4x4 hat in jüngerer Vergangenheit viele Reisemobile und Campingbusse auf hohe Beine gestellt. "Von denen fährt nur eine Minderheit ins schwere Gelände", mutmaßt der Offroad-Spezialist und ergänzt: "Aber die Optik ist eben cool."
Damit hat Loder sicher recht. Aber das ist ja nicht der Punkt: Man könnte zur Expedition aufbrechen, wenn man wollte! Ein entsprechend konfiguriertes Reisemobil wie der Hymer ML-T 570 Crossover erfordert allerdings ein gut gefülltes Bankkonto. Schon der Grundpreis des Crossovers beträgt 156.900 Euro. Damit liegt er deutlich über dem vergleichbaren Wettbewerber Eura Mobil Xtura (144.900 Euro) und noch deutlicher über dem Dethleffs Globebus Performance (119.999 Euro), der allerdings auf dem VW Crafter 4x4 basiert.
Alles Details des Allrounders
Das ist er: Der Hymer ML-T 570 Crossover ist ein Teilintegrierter auf Basis des Mercedes Sprinter mit hauseigenem Allradantrieb und Automatikgetriebe. Wir würden ihn als die Vernunftsversion des Hymer Venture S bezeichnen. Er strahlt mit All-Terrain-Reifen auf Alurädern und reichlich Bodenfreiheit schon reichlich Abenteuerlust aus.
Unterstützt wird der Eindruck durch das – wie bei Geländewagen – ans Heck montierte Ersatzrad, die daneben montierte Leiter, mit der man die Dachreling erreichen kann, sowie einem Unterfahrschutz. Dazu gesellt sich noch eine LED-Lightbar über dem Fahrerhaus sowie Zweifarblackierung und eine schicke Beklebung, die dem ML-T die ihm eigentlich eigene Biederkeit nimmt.

Allein oder zu zweit sitzt es sich hier sehr gemütlich.
Bild: Hanselmann
Das hat er: Neben den Exterieur-Extras enthält das Crossover-Editionspaket auch eine Solaranlage mit zwei 95-Watt-Panels auf dem Dach und dem Hymer-Smart-Battery-System 2.0, das aus vier Lithium-Batterien mit je 80 Ah Kapazität und einem Wechselrichter besteht. Hymer verspricht damit mindestens zehn Tage Unabhängigkeit vom Landstrom. Ebenfalls an Bord ist das Hymer-Connect-System, das die Steuerung wesentlicher Fahrzeugfunktionen per Smartphone erlaubt.
Sofort ins Auge sticht die unglaublich schicke Innenausstattung. Das Gestühl vorn sowie die L-Sitzbank sind mit Leder in zwei Grautönen bezogen. Offiziell heißt die Lederkombi "Lund". Dazu gesellt sich das Möbeldekor "Native Bamboo". Dazu gehören Wandverkleidungen in Filzoptik sowie die aus dem Venture S entlehnte Multifunktionswand in einem warmen Bambuston.
Der Clou dieser Verkleidung: In die Zwischenräume lassen sich ganz individuell Halter und Ablagen aus dem hauseigenen Zubehörprogramm einhängen. Diese Verkleidung rahmt auch die Liegewiese im Heck ein, die angenehm breit ist. Allerdings sind die beiden Einzelbetten nur 190 und 186 Zentimeter lang. Richtig lange Menschen tun sich da schwer.

Die Liegestatt ist bequem, dürfte aber länger sein.
Bild: Hanselmann
Die Gesamtlänge von unter sieben Metern macht sich auch in der Kombüse und im Waschraum bemerkbar. Beide lassen sich als kompakt, aber durchaus alltagstauglich beschreiben. Ob die Kleiderschränke im Alltag ausreichen, muss jeder für sich entscheiden. Sicher aber ist, dass zwei E-Mountainbikes nicht zusammen in der Heckgarage Platz finden.
Mit seiner umfangreichen Ausstattung inklusive Markise und Sat-TV wiegt der Hymer abfahrbereit rund 3450 Kilogramm und kommt folgerichtig mit einer Zulassung als 4,1-Tonner. Das schränkt die Freiheit – zumindest auf europäischen Straßen – ein wenig ein. Es gelten Lkw-Überholverbot und Tempo 100 auf Autobahnen.

Ab ins Grüne mit Allrad, reichlich Bodenfreiheit und Abenteuerlook.
Bild: Hanselmann
So fährt er: Überhaupt nicht wie ein ruppiger Geländewagen, sondern eben wie ein zivilisierter Teilintegrierter – flott und wendig. Das Sprinter-Fahrwerk liefert angenehmen Fahrkomfort, die Reifen machen zumindest im Neuzustand kaum Geräusche. Mit dem 190-PS-Diesel ist der Crossover üppig motorisiert, und über die Mercedes-Automatik kann man ohnehin nicht meckern.
Fazit
Die Mischung aus souveränem Teilintegrierten und Abenteuerlust gefällt mir sehr gut. Die Schlechtwegetauglichkeit des Allrad-Sprinter reicht mir. Den könnte ich mir auch gut als rollende Skihütte vorstellen. Was allenfalls nervt, sind die Beschränkungen, denen man mit einem 4,1-Tonner unterworfen ist.
Service-Links









