Alpina B3 Touring Allrad im Test
Alpinas Kraftakt erfreut bis ins kleinste Detail

Für die meisten unter dem Radar, eilt der Alpina B3 Touring über die Landstraßen – als Facelift nun noch windeseiliger. Wir haben ihn getestet!
Bild: Caroline Jüngling / Auto Bild
Das Windrad im Hintergrund verheißt nichts Gutes – zumindest nicht für die Marke Alpina. Schließlich kaufte BMW die Traditionsmarke letztes Jahr vollends auf. Mit einer der Gründe: die motorische Energiewende. Für einen Kleinserienhersteller wie Alpina ist es künftig schlicht nicht mehr umsetzbar, vier Antriebsvarianten parallel zu homologisieren. Benziner, Diesel, Hybrid und Vollelektro – das kann so ein kleines, aber feines Haus auf Dauer nicht stemmen.
Dieser B3 Biturbo als Touring wird also der letzte Mittelklasse-Alpina sein, der autark in Buchloe entwickelt wurde. Bis Ende 2025 wird er wohl laufen, dann übernimmt BMW.
Doch Trübsal blasen hilft ja bekanntlich nicht viel, vor allem, wenn wir ein derartiges Geschoss unter dem Hintern haben. Also blenden wir die Zukunft für einen wohligen Moment aus, schließen für ein paar Millisekunden die Augen, während wir das Gaspedal des B3 voll durchtreten.

Besonderheit: Die untere Stoßfängerpartie ist beim Alpina in Wagenfarbe lackiert.
Bild: Caroline Jüngling / Auto Bild
Die Achtstufen-Sportautomatik kickt ein paar Schaltstufen herunter, der Dreiliter-Reihensechser aus dem M3 übernimmt die Führung. Spontan-druckvoll und sämig zugleich presst er uns in den serienmäßigen Komfortsitz, den Hinterkopf gegen die Kopfstütze… "Schmalz für die Seele", hätte ein ehemaliger Kollege an dieser Stelle gesagt – und nichts beschreibt es treffender als dieses Bild. Im B3 rupft und zupft nichts am Wohlbefinden des Fahrers, mit der Vehemenz eines Airbus A380 katapultiert er sich von 100 auf 200.
306 km/h Höchstgeschwindigkeit
Wo er endet? 302 km/h gibt der Buchloer Hersteller an, deren 306 hatten wir auf der A 9 in Richtung München auf dem Tacho stehen. Mit ein bisschen Vorlauf glauben wir ihm die Werksangabe einfach mal. Und ganz ehrlich: Das waren mit die gediegensten "über 300", die ich persönlich je gefahren bin. Dafür steht die Marke Alpina seit jeher: Langstrecken-Souveränität ohne jede Aufgeregtheit.
Mit ein Grund auch, warum wir diesen B3 Touring nicht auf der Rennstrecke gezeitet haben. Der andere: Auf dem Sachsenring wüteten zum Testzeitraum die Vorbereitungen auf das Moto-GP-Wochenende – sonst hätten wir uns die Kurvenhatz natürlich nicht entgehen lassen. Aber wir haben ja die Zeiten der Vorfacelift-Limousine: Die legte auf dem Sachsenring eine 1:36,67 min hin.

Der 20-Zoll-Radsatz mit 255er-Pirellis vorn und recht zivilen 265er-Schlappen hinten kostet 2.280 Euro Aufpreis.
Bild: Caroline Jüngling / Auto Bild
Zur Einordnung: Audis RS 4 mit Competition-Plus-Paket war im Supertest nur minimal schneller (1:35,88 min). Rennstreckentalent wäre also vorhanden, ist aber nicht unbedingt vonnöten.
Der Alpina performt vor allem im Alltag mit einer Selbstverständlichkeit, die in der Branche ihresgleichen sucht. Vor allem im Dialog mit anderen Autofahrern wird das deutlich: Ein B3 fällt nicht jedem sofort als solcher auf – nur denen, die wissen, was sie da vor sich haben.
Fahrzeugdaten | Alpina B3 Touring Allrad |
|---|---|
Motorbauart | R6 |
Aufladung/Ladedruck | Biturbo/1,6 Bar |
Einbaulage | vorn längs |
Hubraum | 2993 cm³ |
kW (PS) b. 1/min | 364 (495)/5000-7000 |
Literleistung | 165 PS/l |
Nm b. 1/min | 730/2500-4500 |
Getriebe | 8-Stufen-Automatik |
Antriebsart | Allrad |
Maße L/B/H | 4723/2068/1438 mm |
Radstand | 2851 mm |
Tank-/Kofferraumvolumen | 59/500-1510 l |
Normverbrauch • CO2 | 10,1 l/100 km • 229 g/km |
Testwagenpreis | 95.860 € |
Seine Vielspeichenfelgen verraten ihn am offensichtlichsten, die Zierstreifen, wenn sie der Kunde geordert hat (was er unserer Auffassung nach unbedingt tun sollte), als Allernächstes. Und wenn das noch nicht gereicht haben sollte, verrät ihn spätestens der Schriftzug im Frontstoßfänger.
Ach ja – und das Heck: Hier hat Alpina die Facelift-Designelemente aus dem Hause BMW geschickt kaschiert, indem sie den unteren Stoßfängerbereich einfach in Wagenfarbe mitlackieren und darunter die bewährt perfekt eingepasste hauseigene Vierrohr-Abgasanlage installieren. Letztere gefällt mit einer unverfälschten, aber nicht zu aufdringlichen Soundkulisse.

Das neue Cockpit kommt mit ungewohnter Bedienlogik.
Bild: Caroline Jüngling / Auto Bild
Auch im Interieur haben die Allgäuer ihre eigene Handschrift hinterlassen: Zwar trägt der neue B3 das breite Facelift-Display der aktuellen 3er-Generation auf, wer jedoch genau hinsieht, erkennt eigene Menügrafiken und vor allem im Mitteltunnel den konventionellen BMW-Schaltknauf von vor der Modellpflege.
Infotainment bedarf einiger Gewöhnung
Das – so sagte man uns – hat man bewusst auf den alten Stand zurückgerüstet, weil die Alpina-Kundschaft einen handfesten Wählhebel zu schätzen wisse. Das neue Infotainment bedarf zwar einiger Gewöhnung, mit ein bisschen Suchen findet man aber dennoch die gewohnte Bedienlogik. Auflösung und Darstellung gefallen uns auf Anhieb.
Wenn es um die harte Währung geht, kommen unsere Testwagen zunächst auf die Waage. Hier findet unser Mess-Fuchs Theo meist heraus, dass die Probanden gern ein paar Pfunde mehr auf den Rippen haben, als das Prospekt verspricht. Nicht so hier: 1880 Kilogramm soll der B3 nach DIN wiegen, OAL-B 3495 schreibt mit 34 kg weniger an. Sehr löblich.

Dezenter Plastikdeckel auf famosem Reihensechszylinder – nun mit 495 PS.
Bild: Caroline Jüngling / Auto Bild
Nächster Stopp: Zapfsäule. 10,1 Liter gibt Alpina pro 100 Kilometer an, deren 11,3 ergibt unsere Praxis-Testrunde, die aus Ortschaften, viel Überland und einem ordentlichen Vollgas-Anteil auf der Autobahn besteht.
Zu guter Letzt geht es für den B3 Touring auf unseren Mess-Flugplatz nach Rothenburg, wo er längsdynamisch zeigen muss, was er draufhat. Und siehe da: Die werksseitig angegebenen 3,7 Sekunden für den Stammtisch-Sprint auf 100 km/h erledigt er exakt in der angegebenen Zeit.
Tempo 200 ist in sehr ordentlichen 12,6 Sekunden erreicht, und auch bei der negativen Beschleunigung gibt sich der B3 keine Blöße. Die aufpreispflichtige Hochleistungs-Bremsanlage wird mit zunehmender Temperatur nur besser, warme 32,1 Meter sind ein Top-Wert.
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