Alpina B5 GT: Limitiertes Sondermodell mit 634 PS im Fahrbericht
Der letzte Bulle aus Buchloe

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Er ist die letzte Gelegenheit, sich einen Alpina auf 5er-Basis zu sichern: der B5 GT. Zum Abschied legen die Buchloer nichts geringeres als den leistungsstärksten Alpina aller Zeiten auf
Bild: Hersteller
Wir müssen es in letzter Zeit immer wieder schreiben, wenn ein emotionaler, faszinierender Verbrenner neu auf den Markt kommt: Die Nachfrage war so enorm, dass das Modell der Begierde längst ausverkauft ist. So ist das auch im Falle des B5 GT. Zu Beginn des Fahrtermins Anfang Juli munkelte man noch, es wären noch zwei Touring zu haben, tags darauf hieß es schon: Alles weg!
250 Exemplare fertigt die Edelschmiede als krönenden Abschluss der Alpina-5er-Baureihe. Die neue Generation ist BMW-seitig schon vorgestellt, eine Alpina-Version zu entwickeln lohnt sich freilich nicht mehr – Ende 2025 übernimmt ohnehin BMW das Ruder und tüftelt intern sicherlich schon an einem Alpina-G60.

Der stärkste Alpina aller Zeiten schöpft 634 PS aus einem 4,4-Liter-V8.
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Bis es so weit ist, belebt Buchloe ein Kürzel wieder, das für Alpina zum einen viel historische Bedeutung hat und auf der anderen Seite nicht aus der Luft gegriffen ist, denn mit einem GT lässt sich schon per Definition gediegen und zügig reisen. Der neue B5 GT treibt das auf die Spitze: Mit 634 PS ist er der stärkste Alpina aller Zeiten und 330 km/h Topspeed (328 für den Touring) garantieren, dass Autobahnabfahrten nur so vorbeifliegen.
Feine Details im Innenraum schmeicheln dem Auge
"Zügig" hätten wir also abgehakt, bleibt noch "gediegen" – und auch hier lassen sich die Allgäuer nicht bitten. Innen begeistert der GT mit einem neuen Farb-Kontrastschema. Schaltwippen, Fußmatten-Einfassungen und die Kontrastnähte des Lavalina-Lederlenkrads sind in Marron Volciano gehalten, einem bronzeartigen Ton, der hervorragend zum offenporigen Walnuss-Dekor in Anthrazit passt. Die serienmäßigen Komfortsitze schmeicheln jedem Fahrer-Rücken, wer mehr Seitenhalt und Verbindlichkeit sucht, greift zu den 4600 Euro teuren M Multifunktionssitzen. Das extra von Alpina abgestimmte Fahrprogramm Comfort+ macht die eiligen Reisen noch sänftiger.

Auch das 20-Zoll-Rad erstrahlt in Marron Volciano. Dahinter: die gelochte Sportbremse.
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Auch außen sind die 20-Zoll-Schmiederäder in diesem Farbton gehalten, zwischen den filigranen Speichen ist ein "B5 GT"-Logo eingearbeitet. Dahinter sitzt serienmäßig die Sportbremsanlage mit gelochten Scheiben. An der typischen Alpina-Frontlippe sollen seitlich je zwei schwarze Flics einen Tick mehr Anpressdruck bringen, haben aber wohl eher kosmetischen Sinn. Das traditionelle Streifen-Deko-Set an der Flanke ist ebenfalls in Marron Volciano zu haben, zudem bietet der Hersteller ein mattes Blau oder Grün an. Dadurch lassen sich die beiden Alpina-Sonderfarben optimal ergänzen.
Eine stärker konturierte Haube grenzt den GT von den normalen B5 ab
Wer jetzt jedoch denkt, Alpina würde nur mit ein paar optischen Eigenheiten aufwarten, der irrt sich: Die Motorhaube grenzt sich durch stärkere Konturen in Längsrichtung vom normalen Modell ab, der Mittelschalldämpfer wurde überarbeitet, wodurch der GT einen eigenen Sound erhält, und eine Domstrebe versteift den Vorderwagen, wodurch die Lenkpräzision besser werden soll. Ob das zutrifft, testen wir gleich auf der Formel-1-Strecke in Zandvoort, doch zunächst vervollständigen wir noch die technischen Daten:
Die 13 Mehr-PS kommen durch eine verbesserte Ansaugführung und den bereits erwähnten Mittelschalldämpfer zustande, 50 Newtonmeter auf nun 850 packt Alpina quasi als Bonus obendrauf. Dadurch sprintet die Limousine in 3,2 Sekunden von Null auf Hundert, der 200er-Spurt ist in 10,2 Sekunden abgehakt. Der Touring muss durch seine 100 Kilo Mehrgewicht (1980 vs. 2080 kg nach DIN) ein paar Federn lassen, 3,4 bzw. 10,9 Sekunden sind dennoch respektabel.

Offenporiges Holz und feine Details im Interieur.
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Wir schwingen uns hinter das gediegene Lavalina-Lenkrad in der Boxengasse von Zandvoort. Der Instuktor fährt voraus, zeigt uns kurz die richtige Linie auf dem verwinkelten, unübersichtlichen Kurs, dann wird angegast: Der Biturbo-V8 schiebt wie die Angst, Traktion herrscht Dank xDrive-Allrad im Überfluss, selbst im Dritten hat das Sport-ESP noch gut zu tun.
Umsetzverhalten tadellos, beim Einlenken leichtes Untersteuern
Nach der ultra-engen Tarzanbocht geht es über einen leichten Linksknick in eine scharfe rechts und hinunter in die neu umgebaute und längst ikonische Hugenholtzbocht, benannt nach dem gleichnamigen ehemaligen Streckendirektor Hans Hugenholtz, der unter anderem Suzuka in Japan oder das Motodrom in Hockenheim designte. Gerade hier beeindruckt der GT mit souveränem Umsetzverhalten, Bremsmanöver unter Lenkwinkel steckt er 1a kontrollierbar weg.

Schaltpaddel und weitere Details in Marron Volciano.
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Allerdings – und hier müssen wir doch ein wenig Kritik walten lassen: Zuvor waren wir schon mit einem B8 Gran Coupé auf der Strecke und gerade, was die Vorderachse angeht, wirkte der elegantere Bruder merklich williger im Einlenkverhalten. Das zeigt sich auch in der nun folgenden Vollgas-links-recht-Sektion: Wo der B8 gripstark auf Linie durchzieht, schiebt der GT tendenziell über die Vorderachse – der Touring übrigens noch mehr als die Limousine.
Kaum ein Curb bringt den zwei Tonnen schweren GT aus der Ruhe
Kurve acht ist eine schnelle Rechts mit frühem Scheitel, bei der wir hart den Innencurb mitnehmen. Hier bringen die knapp zwei Tonnen der Limousine endlich mal was, denn dadurch bringt so schnell nichts das gewissenhaft abgestimmte Adaptiv-Fahrwerk aus der Ruhe. Die folgende Rechts bremsen wir aus exakt dieser Dynamik-Situation unter Lenkwinkel an, der B5 GT streckt dezent den Allerwertesten raus und dreht sich so fein in die Kurve hinein – exquisit.

Erstaunlich, wie solch ein schweres Auto auf der Rennstrecke performt.
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Am Ende der Runde fragen wir uns wieder mal, wie es eigentlich sein kann, dass solch ein massiges Auto einen derartigen Fahrspaß, eine derartige Agilität an den Tag legen kann. Die Antwort ist Allrad – beim Antrieb und der Lenkung. Der eine nennt sich xDrive, ist tendenziell hecklastig ausgelegt und kaschiert das Gewicht durch souveräne Traktion, der andere heißt im BMW-Kosmos Integral-Aktivlenkung und macht die große Limousine handlicher.
Gäbe es noch verfügbare Autos, müsste man mindestens 145.000 Euro an Alpina überweisen, für den Touring sogar 3000 Euro mehr. Die ersten Stufenhecks kommen im August 2023 zu den Kunden, Kombis erst ab November.
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