Extrem geringe Stückzahlen bei gleichzeitig extrem hohen Preisen – diese Kombination dürfte heutzutage auf so ziemlich jeden Kleinserienhersteller zutreffen. Pagani, Koenigsegg, Ruf sind da die üblichen Verdächtigen, die Autoliebhabern schnell in den Sinn kommen. Der wahre Connaisseur nennt zuallererst aber womöglich ein 70 Kilometer westlich von München gelegenes Haus: Alpina aus Buchloe!
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Autos, die in der Redaktion schneller weiche Knie auslösen, als die Kollegen den vollständigen Modellnamen ausgesprochen haben: der BMW Alpina D5 S Touring. Für alle, denen der Name nichts sagt: Das ist die Endstufe oberbayerischen Understatements. Er ist vergleichbar mit Kleidung von Manufactum – unheimlich teuer, unfassbar langlebig, aber kaum zu identifizieren. Es braucht schon einen zweiten Blick: tiefe Schürze, doppelte Endrohre links wie rechts und absolut zeitlose Schmiederäder. Gründer Burkard Bovensiepen schätzte bereits 1965 den dezenten Auftritt.

Alpina-Kur für Motor, Fahrwerk, Lenkung und Getriebe

Weniger dezent liest sich das Datenblatt des Überdiesel. 408 PS und 800 (!) Newtonmeter aus einem famosen und dreifach aufgeladenen Reihensechszylinder klingen nach Gewalt, nach einem nicht erbetenen Nackenschlag. All das geht, ist aber nicht der Sinn eines Alpina. In ihm reist es sich wie im Airbus A380 – schnell und entspannt. Das Riesenflugzeug läuft bekanntermaßen aus. Der Alpina zum Glück nicht. Er setzt auf grundsolide BMW-Technik, lässt aber wenig unangetastet.

Bildergalerie

BMW Alpina D5 S Touring
BMW Alpina D5 S Touring
BMW Alpina D5 S Touring
Kamera
Alpina D5 S Touring alle Infos und Bilder zum König der Sportkombis
 Motor, Fahrwerk, Lenkung und Getriebe unterziehen die Ingenieure in Buchloe einer umfangreichen Alpina-Kur. Das Endergebnis gleicht, und das möchten wir an dieser Stelle betonen, einem Meisterwerk. Ab 1750 Umdrehungen presst einen das Aggregat mit wohlklingendem Selbstzünderrhythmus und gehörig Druck in die dicken Ledersessel.

D5 S Touring mit viel Kraft und exzellentem Wandler

Das hauseigene Sportfahrwerk mit kürzeren und strafferen Federn brilliert mit einer ordentlichen Spreizung von Komfort bis Sportlichkeit. Der serienmäßige Fahrmodus "Comfort Plus" bügelt selbst gröbere Unebenheiten souverän aus. Die fein austarierte Lenkung agiert dank anderer Vorderachsquerlenker agil und neutral. Der Wagen läuft so spurtreu, dass wir stellenweise überprüfen müssen, ob nicht der Spurhalteassistent aushilft. 
Im Modus "Sport Plus" folgt die fast fünf Meter lange Fuhre ohne Mucken auch kurvenreicher Straßenführung. 100 km/h stehen nach gemessenen 4,4 Sekunden im digitalen Tacho, erst bei 283 km/h stößt der D5 S an seine Grenzen. Ist er dort angekommen, darf man sich zu Recht fragen, ob denn gerade überhaupt etwas passiert ist.
Hinweis
Alpina D5 S im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt
Der modifizierte Reihensechser erzeugt diese Geschwindigkeit mit einer Gelassenheit und in so kurzer Zeit, dass wir kurzzeitig die Kräfte der Physik infrage stellen. Für diese sich stoisch einstellende Ruhe ist in weiten Teilen die von ZF gelieferte und von Alpina verfeinerte Achtstufen-Wandlerautomatik verantwortlich. Sie geht mit der Absicht ans Werk, die Insassen unter keinen Umständen zu belästigen, schaltet gänzlich ohne irgendeine Form merklicher Unterbrechung. 

Bordcomputer zeigt einen Schnitt von etwa acht Litern

408 PS auf 2039 Kilogramm, da könnte selbst beim Selbstzünder die Vermutung aufkommen, dass der Tankinhalt im Eiltempo durch die sechs Zylinder und am Ende durch die Edelstahl-Abgasanlage entweicht. Das muss aber nicht sein. Wer nicht durchgehend auf maximale Geschwindigkeiten aus ist, dem zeigt der Bordcomputer einen Schnitt von etwa acht Litern an. Bester Kompromiss: Tempomat schön auf 160 km/h, Fahrmodus auf "Comfort Plus" und Sie steigen nach Fahrtende entspannter aus als bei Reiseantritt ein. Wer selbstbewusste 283 km/h im Kombinationskraftwagen ermöglicht, der sorgt im gleichen Zug hoffentlich für die entsprechende Negativbeschleunigung.
BMW Alpina D5 S Touring
Hier spielt die Musik. Den Reihensechser beatmen drei Turbolader. Die Achtstufen-Automatik schaltet vorzüglich.
Die optionale Hochleistungsbremse bewegt sich auf dem Level einer deutlich teureren Carbon-Keramik-Anlage, kostet aber mit 1780 Euro einiges weniger. Einziger Nachteil: Das Gequietsche malträtiert beide Trommelfelle teils gehörig. Alles kein Problem, ordern Sie einfach für 4800 Euro die klangstarke Audio-Anlage von Bowers & Wilkins, spielen Ihre Lieblingsmusik – und reisen entspannt unter dem Radar durchs Land. Insgesamt berechnet Alpina einen stolzen Preis für den D5 S Touring. 97.200 Euro für das Serienfahrzeug.

Fazit

von

AUTO BILD
In aller Stille regiert der König aus Buchloe. Der Alpina D5 S ist für die Langstrecke prädestiniert wie kaum ein zweiter Wagen. Wenn Sie den Preis verkraften können, dann tun Sie sich selbst einen Gefallen – und kaufen sich das Auto! AUTO BILD-Testnote: 2+

Von

Berend Sanders
Christoph Richter