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Apple Watch Ultra 2 nach dem Update noch sportlicher

Für viele Benutzer ist und bleibt die Apple Watch Ultra 2 die beste Sportuhr für Ausdauer- und Outdoorsportler. Woran auch für uns gar kein Zweifel besteht: Kein anderes Modell bietet mehr smarte Features und ist gleichzeitig so hochwertig verarbeitet und potent. Neu und für Sportler und Radfahrer hochinteressant: Nach dem Software-Update watchOS 10.2 können Coaching-Plattformen wie TrainingPeaks Workouts auf die Apple Watch übertragen. Wir konnten die Funktionen vorab testen.
Bild: BIKE BILD
- Daniel Eilers
Inhaltsverzeichnis
Erst vor Kurzem hat Apple mit der Watch Ultra 2 ein Upgrade der beliebten Smart- und Sportuhr vorgestellt. Äußerlich hat sich nichts getan, das Nachfolgermodell ist mit dem Design der ersten Watch Ultra identisch. Die wichtigste Neuerung befindet sich im Inneren der Uhr: Laut Apple soll durch den S9-Chip die neue Apple Watch 30 Prozent schneller geworden sein. Und nicht nur das: Auch das Display ist mit 3000 Nits merklich heller als beim Vorgänger (2000 Nits), der Speicherplatz auf 64 GB angewachsen und der Preis dabei überraschend auf 899 Euro gesunken. Doch die für (ambitionierte) Ausdauersportler und Radfahrer interessanteste und wichtigste Neuerung geht mit dem Software-Update watchOS 10.2 einher: Ab sofort lassen sich mit Drittanbieter-Apps wie der Coaching-Plattform TrainingPeaks Workouts mit der Apple Watch Ultra synchronisieren, über die Uhr diese Workouts starten und live am iPhone verfolgen.
Neu: Anbindung an Coaching-Plattformen wie TrainingPeaks
Das ist neu! Endlich können nach dem erfolgreichen Apple-Watch-Update auf 10.2 von Drittanbietern über API, das sind sogenannte Programmierschnittstellen, strukturierte Workouts und Trainingspläne auf die Apple Watch übertragen werden. Der Weg für den User, um diese Funktion zu aktivieren und zu nutzen, soll anhand von TrainingPeaks in fünf Schritten gezeigt werden:
• 1. Schritt: Machen Sie das iPhone-Software-Update auf iOS 17.2.
• 2. Schritt: Anschließend bringen Sie Ihre Apple Watch Ultra auf watchOS 10.
• 3. Schritt: Laden Sie die Drittanbieter-App TrainingPeaks (TP) fürs iPhone herunter.
• 4. Schritt: Verbinden Sie TP mit der Apple Watch Ultra, indem Sie in der TP-App folgende Einstellung vornehmen:
• 5. Schritt: TP-App öffnen. Fußzeile "Mehr" –> "Einstellungen" –> "App-Verbindung" –> "Mit Apple Health und Workout App verbinden" –> "Apple Watch Workout App" und "Apple Health" auswählen.
• 2. Schritt: Anschließend bringen Sie Ihre Apple Watch Ultra auf watchOS 10.
• 3. Schritt: Laden Sie die Drittanbieter-App TrainingPeaks (TP) fürs iPhone herunter.
• 4. Schritt: Verbinden Sie TP mit der Apple Watch Ultra, indem Sie in der TP-App folgende Einstellung vornehmen:
• 5. Schritt: TP-App öffnen. Fußzeile "Mehr" –> "Einstellungen" –> "App-Verbindung" –> "Mit Apple Health und Workout App verbinden" –> "Apple Watch Workout App" und "Apple Health" auswählen.

Nach der Kopplung von der Apple Watch Ultra und TrainingPeaks erscheint die TrainingPeaks-Kachel ganz oben im Menü Training. Zwei Klicks weiter – schon wird das Training gestartet.
Bild: BIKE BILD
So, das ist es schon – von hier an können Sie Workouts, die Sie oder Ihr Trainer in zum Beispiel TrainingPeaks planen, über Ihre Apple Watch Ultra abrufen. Hierfür wählen Sie einfach den Menüpunkt "Training" auf (kann praktischerweise auf den "Action Button" gelegt werden), anschließend finden Sie das anstehende Training tagesaktuell ganz oben in der Liste der Sportprofile. Ein weiterer Klick auf die Kachel führt zum Start der Einheit via Countdown, wenn zuvor ausgewählt wurde, ob die Einheit (im Beispiel oben ein Fahrradtraining) indoor oder outdoor absolviert wird. Eine weitere Menüebene tiefer (Klick auf die drei Punkte am oberen rechten Rand) wird das Training in seinen unterschiedlichen Segmenten dargestellt. Einfacher geht's wirklich nicht mehr!
Weiterer Pluspunkt nach dem neuen Update: Bluetooth-Zubehör (ANT+ ist ausgeschlossen!) wie Leistungsmesser, Smarttrainer oder Trittfrequenzsensoren, aber natürlich auch weiterhin Herzfrequenzmesser, kann man mit der Uhr koppeln. Hierfür muss unter Einstellung das Bluetooth-Menü aufgesucht werden und entsprechende Zubehörteile gekoppelt werden. Anschließend werden während der Aktivitäten alle relevanten Daten angezeigt. Die Darstellung empfinden wir als übersichtlich, benutzerfreundlich und auf dem Retina-Display gestochen scharf.
Beim Radfahren stehen acht vorprogrammierte Datenfelder à maximal fünf Zeilen zur Auswahl, beim Laufen sind es vier Datenfelder. Diese lassen sich per Krone oder vertikales Wischen austauschen. Über das horizontale Wischen gelangt man indes ins Menü, wo die Einheit beendet, pausiert oder ein Intervall (Segment) vorgesprungen werden kann; oder man greift horizontal wischend ganz rechts auf den Musikplayer zu. Die Uhr informiert akustisch und haptisch (durch Vibration), ob man sich in der entsprechenden Leistungszone aufhält und informiert während der Trainingseinheit über den Wechsel von Be- und Entlastung.

Während des Indoor-Workouts zeigt die Apple Watch Ultra alle relevanten Daten an. Bei Radfahren werden acht unterschiedliche Datenfelder angeboten. Die Umstellung erfolgt über die Krone oder via Touchdisplay.
Bild: BIKE BILD
Neu ist ebenfalls, dass Radfahrer ihr iPhone jetzt als Fahrrad- beziehungsweise Trainingscomputer einspannen können. Wichtige Daten wie Herzfrequenz, Tempo, Leistung und Trittfrequenz werden von der Apple Watch Ultra, wenn gewünscht, aufs iPhone gespiegelt (vorausgesetzt man deaktiviert diese Funktion nicht). Während unserer Tests hat die Spiegelung hervorragend funktioniert und wird für viele – wenn Apple in Zukunft parallel zu den Leistungsdaten auch Karten- und Navigationsübersichten zulässt – eine ernstzunehmende Alternative zum GPS-Radcomputer werden.
Kein Lob ohne Aber am Ende: Apple bleibt den Usern einen ordentlichen Datei-Export schuldig. Man würde sich wünschen, die absolvierte Trainingseinheit als GPX- oder FIT-Datei exportieren zu können, um leichter per Drag & Drop Workouts zu teilen. Immerhin: Die Anbindung an Strava ist unkompliziert möglich. Und noch ein Feature haben wir direkt auf dem Wunschzettel notiert und ihn an Apple weitergeleitet: Es wäre indoor äußerst praktisch, wenn der Widerstand des Smarttrainers über die Apple Watch Ultra automatisch via ERG-Modus gesteuert würde, sodass man sich nur noch aufs Treten konzentriere müsste.
Apple Watch Ultra 2 - technische Daten
Preis | 899 Euro |
|---|---|
Gewicht (gewogen) | 70,5 Gramm |
Abmessungen | Höhe: 49 mm, Breite: 44 mm, Tiefe: 14,4 mm |
Gehäuse | 49 mm (Titan), wassergeschützt bis 100 m, IP6X10, Sporttauchen bis 40 m |
Akkulaufzeit | 36 bis 60 Stunden |
Display | 1,92 Zoll, Retina |
Steuerung | 2 Tasten, 1 Krone, Touchdisplay, Sprachsteuerung (Siri) |
Gesundheitsdaten | Puls, Blutsauerstoff, Schlaf, EKG, Schritte, Lautstärke, Zyklus, Atmung |
Navigationssystem | GPS, GNSS, Galileo, Beidou |
Navigation | Karte (Google Maps, Apple Karten, Drittanbieter wie WorkOutDoors) |
Sicherheit | Notruf SOS, Internationale Notrufe, Sirene, Unfallerkennung, Sturzerkennung |
Verbindung | Bluetooth, WLAN, LTE, UMTS |
Die Apple Watch Ultra richtet sich explizit an Outdoor- und Ausdauersportler. Für letztere Gruppe stehen unterschiedliche Sportprofile zur Verfügung, die praktischerweise über den "Action Button" direkt ausgewählt werden können: Fahrrad (indoor wie outdoor), Wandern, Schwimmen (Becken wie Freiwasser), Triathlon (Multisport), Laufen (indoor wie outdoor), Krafttraining. Insgesamt 90 Sportprofile bringt die Apple Watch Ultra mit, neben den genannten Ausdauerprofilen zum Beispiel auch Yoga, Tanzen, Badminton, Basketball, etc.
Zusätzlich zu den Sportfunktionen erfasst die Uhr Gesundheitsdaten wie Schlaf mit Schlafphasen und Atemfrequenz, kann ein EKG erstellen, misst die Sauerstoffsättigung im Blut, erkennt Stürze und hat sogar einen Temperaturmesser zur Eisprungprognose. Aktivitäten lassen sich per Countdown oder Präzisionsstart beginnen. Der Präzisionsstart muss allerdings in der App aktiviert werden. Dann gibt die Uhr Bescheid, wenn sie bei Outdoor-Aktivitäten das GPS-Signal zwecks Streckenaufzeichnung gefunden hat.
Apropos GPS: Das zeigte in unseren Vergleichsmessungen (für den Sportuhren-Vergleich in der BIKE BILD 5/2023 sowie im Testzeitraum danach) nicht nur, dass es äußerst akkurat misst, sondern auch, dass es superschnell bereitsteht – selbst in Häuserschluchten oder in Waldnähe. Dass das Ortungssystem der Apple Watch Ultra sehr genau ist, überrascht wenig mit Blick auf die mögliche Ansteuerung von gleich vier Navigationssystemen: GPS, GNSS, Galileo, Beidou. Im GPS-Sport-Modus hält die Uhr unter Last maximal zwölf Stunden durch, eher aber ein bis zwei Stunden weniger.
Apple gibt die Akku-Kapazität der Watch Ultra 2 grob mit 36 bis 60 Stunden an. Die Nutzung kann verlängert werden, indem man den Stromsparmodus aktiviert. So soll sogar ein Langdistanz-Triathlon (3,86 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen) mit der Apple Watch Ultra 2 zu absolvieren sein. In unserem Alltagstest (Always-On-Display ausgeschaltet, eine GPS-Sporteinheit und eine Indoor-Sporteinheit mit Bluetooth-Geräten pro Tag, dazu Nutzung von Smartfeatures) hielt das Testmuster rund drei Tage durch. Das halten wir angesichts der Fülle an Funktionen, Displayhelligkeit und Prozessorgeschwindigkeit für einen soliden Wert. Gut gefallen hat uns, dass die Watch Ultra 2 tatsächlich unter zwei Stunden wieder vollständig aufgeladen ist.
Neben dem hervorragenden GPS hat uns aus Sportlersicht auch die optische Pulsmessung überzeugt. Beispiel gefällig? Auf dem Plan stand ein Treppen-Intervalltraining (ansteigende Intensität) mit vier Blöcken. Der optische Messer der Apple Watch Ultra 2 musste gegen einen Polar-Brustgurt antreten. Nach 52 Minuten Trainingszeit war die durchschnittliche Herzfrequenz trotz mehrmals wechselnder Herzfrequenzbereiche bei 154 Schlägen pro Minute identisch mit den Brustgurt-Werten. Und selbst die maximale Herzfrequenz deckte sich auf den Schlag genau (184 bpm), das ist wirklich top!

Links: Aufzeichnung mit Apple Watch Ultra 2, der Puls wurde über den optischen Sensor der Uhr gemessen. Rechts: Aufzeichnung über Zwift mit Polar-Brustgurt. Der Durchschnittswert (154 Schläge pro Minute) während dieses rund 50 Minuten andauernden Intervalltrainings ist identisch, ebenso der Maximalwert (184 Schläge pro Minute).
Bild: BIKE BILD
Spannend ist auch das neue "Double Tap"-Feature, das es nur für die Ultra 2 und Apple Watch 9 geben wird. Wenn Sie zweimal Daumen und Zeigefinger (am Handgelenk, an dem Sie die Uhr tragen) zusammen tippen, lassen sich Funktionen starten, etwa ein Anruf annehmen oder die Musik stoppen. Doube Tap funktioniert nur, wenn das Display aktiviert ist. Fürs Radfahren sicher nur eingeschränkt zu empfehlen (da beide Hände nach deutschem Recht am Lenker sein müssen). Andererseits: Besser eine Hand am Lenker als freihändig fahren.
Am Ende noch ein positiver Aspekt der Apple Watch Ultra, der uns oft bei Kommentaren und Tests der Uhr zu kurz kommt. Angesichts der recht üppigen Ausmaße der Apple Watch Ultra (70,5 g Gewicht, 49-mm-Gehäuse, fast 1,92-Zoll-Display) ist der Tragekomfort überraschend gut. Schon nach kurzer Zeit vergisst man die Uhr am Handgelenk, selbst dann, wenn das Handgelenk wie beim Autor dieser Zeilen schmal ausfällt. Auch während der Aktivität (ob laufend oder Rad fahrend oder im Gym) stört die Uhr nicht den Bewegungsablauf und macht nur dann auf sich aufmerksam, wenn sie Zwischenzeiten via Ton oder Vibration durchgibt.
Fazit
Die Apple Watch Ultra kann ohnehin verdammt viel, aber jetzt auch das: Endlich lassen sich Workouts über Drittanbieter-Apps (z. B. von TrainingPeaks) auf die Flaggschiff-Smartwatch laden und von dort aus steuern. Die Diskussion, ob das Feature längst überfällig war, ist mit dem neuesten watchOS-Update ad acta gelegt. Netter Nebeneffekt für den US-Megakonzern: So mancher ambitionierter Ausdauersportler, vom Läufer und Radfahrer bis zum Triathleten, könnte damit der Idee anheimfallen, renommierten Sportuhren von Garmin und Co. den Rücken zu kehren.
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