Es könnte alles so schön sein mit dieser Gebrauchtwagen-Kaufberatung. Denn der A4 allroad der Generation B8 aus der Zeit zwischen 2009 und 2015 ist ein sorgfältig verarbeitetes Auto mit ausgezeichnetem Rostschutz und stabilem Fahrwerk, zudem haltbaren Bremsen. Extrem selten deshalb, dass so ein A4 allroad aus diesen Modelljahren bei einer Hauptuntersuchung auffällig wird. Korrosion gibt es eigentlich nur bei schlecht reparierten Unfallschäden. Und vorzeitigen Verschleiß an Lenkung, Fahrwerk oder Antriebsgelenken nur bei sehr hohen Laufleistungen oder Misshandlungen mit überbreiten Rädern. Dann und wann gibt es Federbrüche durch die Einwirkung heutigen Streusalzes. Dieses Probleme zieht sich aber durch praktisch alle Marken.

Dieser A4 allroad ist richtig gut versiegelt

Audi A4 allroad quattro
Die Bremsscheiben halten lange. Auch die Feststellbremse funktioniert nach Jahren noch überdurchschnittlich gut.
Weil auch die Bremsscheiben trotz der guten Fahrleistungen und oft hohen Kilometerständen lange halten, müssen die Prüfer beim A4 allroad nur sehr selten Mängel ankreuzen. Selbst die bei vielen anderen Autos oft einseitig ziehende Feststellbremse funktioniert beim A4 auch nach Jahren überdurchschnittlich gut. Nur die Qualität der Bremsschläuche lässt zu wünschen übrig, was man aber gut kontrollieren kann und ab einem Fahrzeugalter von fünf Jahren auch wirklich tun sollte. Weil auch nur selten Öl tropft und die hochwertige Auspuffanlage sehr lange ohne Lochfraß durchhält, könnte alles tatsächlich so schön sein, weil so unproblematisch. Doch jetzt kommt das große Aber. Und das sitzt unter der Motorhaube. Die Problemzonen, die sich hier verbergen, interessieren in der Regel keinen Prüfer bei der Hauptuntersuchung, weshalb der A4 von dieser Seite dennoch Bestnoten erhält. So lange ein Auto aus eigener Kraft über die Prüfgrube und zum Bremsenprüfstand fahren kann, fällt einem Prüfer hier nichts weiter auf. Und doch liegt bei den Motoren das zentrale Problemfeld. Beginnen wir mit dem Benziner. Heute ist er als Gebrauchter etwas gefragter als früher, was mit Schmährufen auf die Dieseltechnik, aber auch mit argen Verfehlungen des VW-Konzerns in der Diesel-Abgasnachbehandlung zu tun hat.
Überblick: Alles zum Audi A4 allroad

Häufige Ölwechsel helfen dem 2.0 TFSI

Audi A4 allroad quattro
Alle Motoren sind beim A4 längs eingebaut. Euro-6-Versionen gab es bereits ab 2011 auf Wunsch.
Also Benziner? Das sollte man sich gut überlegen. Denn im Falle des A4 dieser Bauzeit ist der Zweiliter-Turbobenziner alles andere als ein Garant für Sorgenfreiheit. Problemzone Nummer eins ist der Kettenantrieb der beiden obenliegenden Nockenwellen. Der leiert nicht selten schon bei Kilometerständen unter 100.000 aus und muss dann ersetzt werden. Wer ein feines Gehör hat, erkennt den Problemfall an einem Rasselgeräusch, das man am deutlichsten nach dem Kaltstart hört; es rührt von einer schleifenden Kette im Motor her. Problem Nummer zwei: erhöhter und immer weiter steigender Ölverbrauch. Audi hatte seinerzeit Probleme mit den Kolbenringen und mit Verkokung, also festsitzenden Rückständen aus Öl und Verbrennung. Dadurch dichten vor allem die Ölabstreifringe an den Kolben nicht mehr korrekt ab, wodurch Öl an den Zylinderwänden mitverbrannt wird. Rückstände davon können auch noch dem Katalysator zusetzen. Die Motoreninstandsetzer sind durch diese TFSI-Vierzylinder gut ausgelastet – aber auch bei denen gibt es selbstverständlich Unterschiede in der Qualität ihrer Arbeit.
Gebrauchtwagensuche: Audi A4 allroad
Also doch Turbodiesel? Der 2.0-Vierzylinder und auch der 3.0-V6 sind von Rückrufaktionen und Software-Updates betroffen. Und nicht immer fallen diese zur Zufriedenheit der A4-Besitzer aus: Leistungsverlust, Verbrauchssteigerung, Verkokungsgefahr durch erhöhte Quote bei der Abgasrückführung, dadurch Ärger mit verkokten Ansaugwegen und Zylinderköpfen, die dann aufwendig mechanisch gereinigt werden müssen. Das alles kann deftige Mengen an Arbeitsstunden und damit Werkstattkosten nach sich ziehen.

Das Urteil über den A4 allroad ist uneinheitlich

Mit den Vertragswerkstätten sind die A4-allroad-Besitzer recht zufrieden. Immerhin 71 Prozent vergeben gute oder sehr gute Noten – ein durchschnittlicher Wert. Als Preis für eine große Inspektion werden durchschnittlich 530 Euro angegeben. Das Urteil über den A4 allroad selbst fällt unterschiedlich aus. Es teilt sich in diejenigen, die bislang keinen Ärger mit dem Motor (egal ob Benziner oder Diesel) hatten; die sind zufrieden mit den 175 mm Bodenfreiheit, die sich aus der Höherlegung um 37 mm gegenüber einem normalen A4 Avant ergeben. Das sind die Leute, die auch weiterhin an Audi interessiert sind und auch den nächsten Wagen bei Audi bestellen wollen. Wer allerdings Motorenärger hat, der ist in der Regel tief enttäuscht. Teure Reparaturen, die zudem nicht immer von Erfolg gekrönt waren, sowie wiederkehrender Ärger mit Abgasrückführungen, Ölverbrauch und Verkokung führen verständlicherweise dazu, dass sich die Audi-Fahrer von ihrer Marke abwenden, um ihr Glück woanders zu suchen. Die meisten wechseln zu BMW.

Bildergalerie

Audi A4 allroad quattro im Test
Audi A4 allroad quattro im Test
Audi A4 allroad quattro im Test
Kamera
Gebrauchtwagen-Test Audi A4 allroad (B8)
Fazit von Martin Braun: Der allroad wäre ein empfehlenswerter Gebrauchter: rostresistent und stabil gebaut. Wenn nicht die Probleme mit den Motoren wären: Ölverbrauch, Verkokung, Software-Updates – nicht gut.

Fazit

Der allroad sieht gut aus und fährt fantastisch – egal ob mit Diesel oder als Benziner. Wenn ein richtiges SUV also nicht elegant genug ist und ein normaler A4 Avant zu wenig Abenteuerlust versprüht, dann macht ein allroad sicher glücklich. Vorausgesetzt, der hohe Preis schreckt nicht ab.

Von

Martin Braun