In der automobilen Beletage zählt die Tradition: gedeckter Anzug, goldene Knöpfe und Stufenheck. Ein edler Kombi geht auch, aber nur in Nadelstreifen. Keine Experimente! Doch plötzlich tauchen in der Luxusklasse ein paar schräge Typen auf und scheren sich um nichts: Modelle wie der Audi A7 im Coupé-Stil oder der flache Mercedes CLS, der mit modischer Extravaganz eine Limousine als Langweiler dastehen lässt. Auch BMW verpasst dem 5er als GT ein Heck, das auffällt wie ein rotes Satin-Sakko in der Vorstandssitzung. Sicher, billig ist das Stöffchen nicht. Wollen wir doch mal sehen, wie viel Substanz hinter dem lauten Auftritt steht.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 5er GT

Ein Auto der ganz anderen Art ist vor allem der 5er GT. Schwer zu verstehen, dieser Typ. Ein Coupé ist er wohl nicht, also Limousine, Kombi oder Van? Der Bayer überragt die beiden Schönlinge der Konkurrenz um einen halben Kopf, was hinten spürbare Vorteile bringt: Die Insassen genießen mehr Platz und ein luftigeres Raumgefühl. Man sitzt herrschaftlich im BMW, aufrecht und erhaben. Besonders im Fond kann man es sich gemütlich machen – auf längs verschiebbaren Einzelsitzen mit verstellbarer Lehne. Audi und Mercedes verschwenden an verschiebbare Rückbänke oder ähnlich Alltägliches keinen Gedanken. Ihnen geht es um die Schönheit. Fast barock und wie hingegossen der Mercedes. Klar und kühl, wie mit dem Laser geschnitten der Audi. Beide spielen ihre Rolle als Coupé, ob vier Türen oder nicht, mit dem Fond eines Zweitürers. Wer zu Kompromissen bereit ist, kann es hier also aushalten. Auf den Einzelsitzen des CLS hockt man allerdings sehr tief.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A7

Dagegen verlangt der A7 nicht so viel Einschränkung, es geht im Fond bequemer zu. Eine gediegene Materialauswahl, feine Details und sorgfältige Verarbeitung zaubern bei allen drei Autos mehr als einen Hauch Luxus ins Abteil – immer mit einem eigenen Stil. Mit der größten Finesse ist aber wie stets der Audi eingerichtet. Den Test-A7 hat Audi mit Luftfederung (1950 Euro), quattro-Allradantrieb und Sportdifferenzial (1050 Euro) auf den AUTO BILD-Test vorbereitet. Mit diesem Technik-Paket fühlt er sich schlanker an, als dieser füllige Bursche (1976 Kilo Leergewicht) tatsächlich ist: Leichtfüßig und handlich fährt er sich. Der drehfreudige Dreiliter-TDI mit 245 PS läuft bemerkenswert leise, schiebt entschlossen an und harmoniert bestens mit dem aufmerksamen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Genau so sollte ein sportliches Coupé sich bewegen, die dynamische Note passt zur Optik. Solche Lebendigkeit traut man dem beleibten BMW auf den ersten Blick gar nicht zu. Ein Fehler.
Denn der 5er GT – mit xDrive-Allradantrieb für 2600 Euro und Adaptive Drive (mit verstellbaren Dämpfern) für 3000 Euro an Bord – überrascht mit seinem dynamischen Talent. Dirigiert von der präzisen Lenkung, geht er fast aufreizend locker um die Ecken. Dabei – und hier punktet er besonders – federt er eine ganze Klasse geschmeidiger als Audi und Mercedes. Sein Dreiliter mit 245 PS kommt an die Laufkultur und den massiven Druck der Audi- und Mercedes-Motoren zwar nicht ganz heran, muss aber auch 2,2 Tonnen schleppen. Ein prima Fernreise-Auto, dieser fahraktive Raumkreuzer. Der CLS fährt ohne Allradtechnik und Luftfederung vor, dafür mit 19-Zoll-Rädern (2321 Euro extra). Keine gute Wahl: Denn besonders die 285/30er-Walzen an der Hinterachse ruinieren den an sich harmonischen Fahrkomfort. Der CLS rollt damit poltrig ab, was sich im Coupé und der Luxusklasse nicht gehört.

Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes CLS

Grundsätzlich fährt sich der CLS straff und energisch, fühlt sich schwerer an als etwa der Audi. Der Dreiliter mit 265 PS ist ein bulliger Typ mit viel Dampf im Keller, durchzugsstark und souverän, der mit einem warmen, heiseren V6-Grundton freundlich brabbelt. Auch die sanft und schnell reagierende Siebenstufenautomatik passt bestens zum Charakter eines gepflegten Luxus- Gleiters. Traditionell vorn liegt Mercedes bei den Preisen, der CLS 350 CDI bringt es mit 19-Zoll-Rädern auf 65 748 Euro. Der spezielle Stil geht auch bei BMW ins Geld, die Bayern berechnen für den 530d GT inklusive Allrad, 19-Zoll-Reifen und Adaptive Drive 62 300 Euro. Kleiner Hinweis: Ab Januar steigt dessen Grundpreis um 200 auf 55 400 Euro. Audi hält sich beim A7 3.0 TDI mit 63 240 Euro zurück – denn da sind Luftfederung, Doppelverglasung, quattro-Antrieb und 19-Zoll-Räder schon mit drin. Aber zählt hier wirklich der schnöde Preisvergleich? Diese ausgefallenen Typen (und die Zubehörlisten) reizen dazu, sie mit allerlei schicken Extras aufzubrezeln. Wenn schon ein schräger Auftritt, dann bitte nach eigenem Geschmack.

Fazit

Es muss nicht immer der graue Einreiher sein und nicht das Stufenheck. Die Schräghecks A7, 5er GT und CLS bringen Abwechslung in die Oberklasse. Am besten macht das der Audi, schnell, schön und praktisch. Beim BMW gefällt vor allem der prächtige Innenraum. Und der hinreißende Mercedes liegt zwar nach Punkten dahinter, aber nicht nach Sympathien.