Audi Q3 (F3): Gebrauchtwagen-Test
Welcher gebrauchte Q3 ist zu empfehlen?

Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Auf der Erfolgsspur fährt der Audi Q3 bereits in zweiter Generation. 2018 wurde die aktuelle Version des im Werk Martorell (Spanien) montierten Kompakt-SUV (interner Code F3) vorgestellt. Technische Basis ist der auch von VW Golf genutzte Modulare Querbaukasten (MQB), was Wartungsarbeiten jenseits der Markenwerkstatt spürbar erleichtert.
Audi blieb seiner Designsprache treu
Das ist er: Mit einer Länge von 4,48 Metern positioniert sich der Audi Q3 (F3) oberhalb seines rundlicheren Vorgängers und bietet mehr Platz im Innenraum, was ihn etwas familientauglicher macht. Die Karosseriestruktur ist solide, 2018 reichte es im EuroNCAP-Test für fünf Sterne und 95 Prozent Insassenschutz. Für zusätzliche Wahlfreiheit sorgt ein Sportback-Ableger mit Fließheck. Ansonsten blieb Audi seiner Designsprache treu: Der schlundartige Singleframe-Grill darf etwas kantiger wirken, scharf geschnittene LED-Scheinwerfer (optional Matrix-LED) und betonte Radhäuser sollen die Präsenz des SUV betonen.

Der zweite Q3 tritt mit zwei Karosserievarianten an. Neben dem von uns gefahrenen Klassiker gibt es zusätzlich auch ein Fließheck, genannt Sportback.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Im Innenraum geht es nicht immer ganz so exklusiv zu, jedoch legte Audi gegenüber dem Vorgänger beim Thema Digitalisierung eine ordentliche Schippe drauf. Hochauflösende Displays und eine klar strukturierte Mittelkonsole sind dem Premiumanspruch würdig. Das Virtual Cockpit mit praktischer Navi-Einbettung ist bei recht vielen Gebrauchten zu finden. Die Materialqualität bewegt sich auf hohem Niveau, allerdings bemerkt man in manchen Details auch unerwartet harte Kunststoffe. Ein Pluspunkt für die Nutzbarkeit: Die Rückbank ist verschiebbar, was die Variabilität des Kofferraums (530 bis 1525 Liter, TFSI e 380 bis 1375 Liter) erhöht.

Unser Testwagen glänzt mit Alu-Dekor, Ledersitzen und digitalen Features. Jedoch fehlt ihm eine Rückfahrkamera.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Der Q3 erreicht ein bemerkenswertes Individualisierungsniveau
Das hat er: Das Basismodell bildet einen schnörkellosen Einstieg. Es verzichtet mit rohen Plastikteilen und schlichten 17-Zoll-Alufelgen weitgehend auf Ausstattungs-Glamour. Dem oft nachgefragten Premium-Lametta der Marke tragen die höherwertigen Linien "advanced" und die sportliche "S line" mit aufwendigeren Zierelementen und umfangreicheren Lackierungen deutlich mehr Rechnung. Mit dem entsprechenden Budget ließ sich der Q3 beinahe uferlos konfigurieren. Essenzielle Interieurpakete wie Design "Selection" mit Sportsitzen und Alu-Einlagen wurden wie das sinnvolle Komfortpaket mit MMI Radio plus, Sitzheizung und Mittelarmlehne vorn, Einparksensorik hinten sowie elektrischer Heckklappe häufig geordert.
Technische Daten
35 TFSI | 45 TFSI e | 40 TDI quattro S tronic | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder-PHEV/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1498 cm³ | 1395 cm³ | 1968 cm³ |
Leistung/Systemleistung | 110 kW (150 PS) bei 5000/min | 180 kW (245 PS) bei 5000/min | 147 kW (200 PS) bei 3600/min |
Drehmoment/Systemdrehmoment | 250 Nm bei 1500/min | 400 Nm bei 1550/min | 400 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschwindigkeit | 211 km/h | 210 km/h | 225 km/h |
0–100 km/h | 9,6 s | 7,3 s | 7,3 s |
Tank/Kraftstoff/Akku | 60 l/Super | 45 l/Super + 10,4 kWh (netto) | 58 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man,/Vorderrad | Sechsgang-S-tronic/Vorderrad | Siebengang-S-tronic/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4484/1849/1585 mm | 4484/1849/1585 mm | 4484/1849/1585 mm |
Kofferraumvolumen | 530-1525 l | 380-1375 l | 530-1525 l |
Leergewicht/Zuladung | 1535/510 kg | 1815/505 kg | 1735/485 kg |
Anhängelast | 1800/750 kg | 1400/750 kg | 2200/750 kg |
Mit zusätzlichen Extras wie Matrix-LED-Licht, "Audi exclusive"-Lackierung, Carbonspiegelgehäusen, 20-Zoll-Aluminiumrädern, Panorama-Glasdach und Premium-Soundsystem enteilte der Neupreis jedoch leicht in Richtung Oberklasse. Zusätzlich verfügbar waren gegen Aufpreis diverse Assistenten und Upgrades für mehr Fahrsicherheit. Empfehlenswert sind insbesondere Fernlichtassistent, Rückfahrkamera und Seitenairbags hinten.
Antriebsspektrum von vernünftig bis hochemotional
So fährt er: Die zweite Auflage des Audi Q3 nutzt das MQB-Fahrwerkslayout mit MacPherson-Federbeinen vorn und Mehrlenker-Hinterachse. Standardmäßig muss dem Kompakt-SUV Frontantrieb reichen. Der Allradantrieb quattro ist für die Versionen 2.0 TFSI und 2.0 TDI verfügbar, wobei es sich aufgrund der quer verbauten Motoren um eine Lösung mit Haldexkupplung handelt, die die Hinterräder bei Traktionsverlust verstärkt nutzt.

Straff abgestimmt liegt der Q3 sehr sicher. Mehr Dynamik versprüht er mit quattro-Antrieb.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Der Fahreindruck ist erwachsen. Der Q3 liegt satt auf der Straße und punktet mit einer präzisen Lenkung sowie sicherem Fahrverhalten. In schnell angefahrenen Kurven schiebt der Q3 spürbar über die Vorderräder, bleibt aber insgesamt gutmütig. Das Antriebsspektrum reicht von vernünftig bis hoch emotional: Einstiegsbenziner ist der 1.5 TFSI (35 TFSI) mit 150 PS. Ihn gab es alternativ zum S-tronic-Doppelkuppler ausnahmsweise auch mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe. Der 2.0 TFSI (45 TFSI) schiebt mit 230 PS kraftvoll in nahezu jeder Lebenslage an. Sein Verbrauch liegt bei sieben bis neun Litern auf 100 Kilometer.
Besonders Vielfahrer schätzen die drehmomentstarken TDI-Modelle. Sie glänzen mit moderaten Verbräuchen (fünf bis sieben Liter auf 100 Kilometer) und taugen mit Allrad als überraschend potente Zugwagen mit bis zu 2,2 Tonnen Anhängelast. Viele Kurzstreckenfahrten begünstigen allerdings Partikelfilter-Probleme. Der von uns gefahrene Plug-in-Hybrid war neu vergleichsweise teuer und fast immer ein Dienstwagen.
Ein 45 TFSI e fährt realistisch bestenfalls 40 Kilometer elektrisch, dadurch in der Praxis allzu oft als Benziner. Bei leeren Akkus steigt der Verbrauch leicht auf über acht Liter Super, bei zügiger Autobahnfahrt sogar über zehn Liter. Eine Ausnahmeerscheinung ist der allradgetriebene RS Q3. Der charismatisch bollernde Fünfzylinder taugt mit 400 PS als Sportwagen-Schreck, hat dann allerdings Durst wie ein Großer und fordert auch sonst im Unterhalt seinen Tribut.
Stärken
- Erfreulich variabler und hochwertiger Innenraum
- Enorme Konfigurationsvielfalt
- Antriebspalette breit gefächert
Schwächen
- Oftmals sehr teuer
- Plug-in-Hybrid mit kleinerem Kofferraumvolumen
- Unterhalt hat bis auf Versicherung echtes Premiumniveau
Qualitativ wird der Q3 dem Markenimage gerecht
Das macht Ärger: Audi bot zwei Jahre Neuwagengarantie (optional erweiterbar), drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Garantie gegen Durchrostung. Davon, dass die Qualität sich langfristig über dem Durchschnitt bewegt, zeugen die starken Ergebnisse im AUTO BILD TÜV-Report und die Verfassung unseres Fotofahrzeugs. Typische Schwächen sind eine verzögert ansprechende S tronic, Softwareprobleme des Infotainmentsystems, polternde Vorderachsen, verstärkte Windgeräusche und knisternde Armaturenbretter. Beim KBA sind insgesamt elf Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,7 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 31 g/km |
Inspektion | 400-850 Euro |
Haftpflicht (13)* | 636 Euro |
Teilkasko (23)* | 751 Euro |
Vollkasko (19)* | 1115 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6d-ISC-FCM) | 28 Euro |
Ersatzteilpreise*
Batterieladegerät | 1827 Euro |
|---|---|
Hochvoltbatterie (komplett) | 11 858 Euro |
Wasserpumpe | 681 Euro |
Zahnriemen | 914 Euro |
Nachschalldämpfer | 656 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1966 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 1066 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1089 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/55 R 18 V) | 600 Euro |
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