Audi RS 3, BMW M2: Test
Brave Kompakte im PS-Rausch: Audi RS 3 und BMW M2 auf dem Rundkurs

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Es gibt sie noch, echte Kompaktsportler mit Zündkerze und Zylinder. Und so heißt es hier und heute: Fünfer gegen Sechser.
Beide überzeugen mit Kraft und Klang
Da wäre in der roten Ecke der Audi RS 3, der seine Kraft von 400 PS aus 2,5 Liter Hubraum schöpft und mit seiner typischen Zündfolge 1-2-4-5-3 einen einzigartigen Sound generiert. Mit seinem tiefen Grollen klingt er immer ein bisschen rotzig, laut und etwas pubertär. Weckt so aber die Urinstinkte eines jeden Petrolheads, wenn es verheißungsvoll aus der RS-Sportabgasanlage tönt.

Dynamisches Duo aus Deutschland: BMW M2 und Audi RS 3 messen sich im AUTO BILD-Vergleich auf dem Rundkurs.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
In der blauen Ecke steht der BMW M2, der jeden Tuner neidisch macht, bevor es nur noch elektrisch um den Rundkurs geht. Dank seines 3,0-Liter-Sechsenders wartet er mit enormen 480 PS und einem nicht minder markigen Klang aus der klappengesteuerten Abgasanlage auf. Wenngleich die EU-Normen hier arg zugeschlagen und das Sounderlebnis ordentlich domestiziert haben.
Fahrzeugdaten
Modell | Audi RS 3 Sportback | BMW M2 Coupé |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Fünfzylinder, Turbo | Reihensechszylinder, Biturbo |
Einbaulage | vorn quer | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 2480 cm³ | 2993 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 294 (400)/5600 | 353 (480)/6250 |
Nm bei 1/min | 500/2250 | 600/2650 |
Vmax | 290 km/h | 285 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Achtstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb | Hinterradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | v. 265/30 ZR 19, h. 245/35 ZR 19 | v. 275/35 ZR 19, h. 285/30 ZR 20 |
Reifentyp | Pirelli P Zero Trofeo R | Michelin Pilot Sport Cup 2 |
Radgröße | v. 9 x 19", h. 8 x 19" | v. 9 x 19", h. 10,5 x 20" |
Abgas CO2 | 223 g/km | 232 g/km |
Verbrauch* | 9,4 l/100 km | 9,8 l/100 km |
Tankinhalt | 55 l | 52 l |
Kraftstoffsorte | Super Plus | Super Plus |
Partikelfilter | Serie | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 70 dB(A) | 69 dB(A) |
Kofferraumvolumen | 282–1104 l | 390 l |
Länge/Breite/Höhe | 4381/1851–1984**/1418 mm | 4580/1887–2068**/1403 mm |
Radstand | 2631 mm | 2747 mm |
Grundpreis | 66.000 Euro | 77.500 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 76.500 Euro | 91.500 Euro |
Im AUTO BILD-Wettstreit dürfen die beiden Kontrahenten ihr Lied auf dem Contidrom singen, der Teststrecke des Reifenherstellers Continental. 3,8 Kilometer misst der Trockenhand-lingkurs, auf dem sich der Audi RS 3 und der BMW M2 messen werden. Doch bevor es so weit ist, geht es um die Beschleunigungswerte von null auf 100 km/h.
Im Standardsprint hat der Audi die Nase vorn
Um dem Trackanforderungen gerecht zu werden, steht der RS 3 auf Pirelli P Zero Trofeo R, bei BMW bevorzugt man für den M2 die Michelin Pilot Sport Cup 2. Trotz seiner 80 PS weniger erledigt der Ingolstädter Kompaktsportler die erste Aufgabe in 3,7 Sekunden, während der BMW M2 glatte 4,0 Sekunden braucht.

Etwas überraschend: Der 80 PS schwächere Audi RS 3 schlägt den BMW M2 im Sprint von 0 auf 100 km/h um drei Zehntelsekunden.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Allerdings dreht sich das Bild im weiteren Vollgas-Vergleich. Bis Tempo 200 erreicht ist, vergehen im RS 3 14 Sekunden, der M2 schießt bereits nach 12,4 Sekunden über die Marke. Dennoch geht der Punkt an Audi. Warum? Stellen Sie sich eine Startaufstellung vor, bei der Audi und BMW auf Position eins und zwei stehen. Die Ampel schaltet auf Grün, und bis zur ersten Kurve sind es 200 bis 300 Meter. Wer sticht als Erster ein? Richtig, der RS 3. Jetzt muss der Bayer sich die nächste Überholmöglichkeit erkämpfen.
Im M2 steckt ein reinrassiger Sportler
Zugegeben, was das Handling betrifft, hat der M2 locker das Zeug dazu. Im Gegensatz zum Audi ist er ein reinrassiger Sportler. Heckgetrieben mit M-Differenzial im Hinterachsgetriebe und mit Sperre für einen stufenlosen und variablen Drehzahlausgleich zwischen den Hinterrädern. Dieses Gebilde versucht mit aller Macht zu verhindern, dass durch Schlupf das Antriebsmoment verloren geht. Denn wenn nach der Einstellung von Motor- und Gaskennlinie die entsprechende M-Taste am Lenkrad gedrückt wird, können 600 Newtonmeter maximales Drehmoment mit brachialer Gewalt auf die Hinterachse geschaufelt werden.

Tracktool: Mit seinem Heckantrieb und der Lenkung fast ohne Nulllage erfordert der M2 mehr Einsatz – gewinnt aber auch die Kurvenhatz.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Hinzu kommt die Möglichkeit, die Traktionskontrolle in zehn Stufen von sanft bis superscharf zu stellen. Oder anders gesagt, Sie können sich zwischen Pfeffer, Paprika und Chili entscheiden. Schon bei Paprika, das wäre in unserem Fall Stufe vier, wird die Gaspedalbedienung zur Millimetersache, bevor das Heck zu schwänzeln beginnt.
Messwerte
Modell | Audi RS 3 Sportback | BMW M2 Coupé |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 1,4 s | 1,8 s |
0–100 km/h | 3,7 s | 4,0 s |
0–130 km/h | 5,9 s | 5,8 s |
0–160 km/h | 8,7 s | 8,1 s |
0–200 km/h | 14,0 s | 12,4 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 1,9 s | 1,8 s |
80–120 km/h | 2,4 s | 2,1 s |
Rundenzeit | ||
Contidrom | 1:31,76 Min. | 1:30,22 Min. |
Leergewicht/Zuladung | 1594/476 kg | 1731/424 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 59/41 % | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 12,3/12,2 m | 11,8/11,8 m |
Sitzhöhe | 500 mm | 520 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h warm | 32,6 m | 33,1 m |
aus 200 km/h warm | 127,5 m | 128,3 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 60 dB(A) | 61 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) | 67 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) | 70 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 7,8 l SP/100 km | 8,1 l SP/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 9,5 l SP/100 km (+1 %) | 10,7 l SP/100 km (+9 %) |
Sportverbrauch | 13,5 l SP/100 km | 15,1 l SP/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 225 g/km | 254 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 575 km | 485 km |
Dazu hat der M2 eine Lenkung, die fast keine Nulllage kennt und ebenso sanft wie gleichsam bestimmt bedient werden möchte. Für die Straße ist das fast zu viel, auf dem Rundkurs hat es den Vorteil, dass der Fahrer das Auto in den Kurven leicht anstellen kann, und wenn das Heck spürbar zu weit dreht, fängt er es über die Lenkung mit minimaler Bewegung schnell wieder ein.
Könner gewinnen hier die Kurvenhatz, und so geht der BMW M2 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h in 1:30,22 Minuten über die 3,8 Kilometer auf dem Contidrom. In Summe nimmt er dem Audi RS 3 über die Distanz mehr als eine Sekunde ab.
RS 3 umrundet die Strecke spielerischer
Der Ingolstädter bewältigt den Kurs mit maximal 212 km/h in 1:31,76 Minuten. Die Gründe dafür liegen in einer anderen, in bestimmten Punkten sogar besseren Herangehensweise der Audianer. Während der Münchener – und das war die einhellige Meinung des Testkollektivs – auf der Rennstrecke "harte Arbeit" erfordert, lässt der Audi sich kinderleicht dirigieren. Die Lenkung ist linearer und leichter und erfordert weniger Handmoment, arbeitet aber ebenso zielgenau wie die im M2.

Einfacher zu fahren: Der RS 3 macht es seinem Piloten leicht, schnell zu sein. Die präzise Lenkung erfordert zudem weniger Kraft.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zudem ist der RS 3 mit seinem Allradantrieb und den hinterlegten individuellen Einstellungsmöglichkeiten sowie einem deaktivierten ESC der wohl agilste und kurventauglichste quattro, den Audi je gebaut hat. Das liegt am Zusammenspiel des Torque Splitters mit vollvariabler Momentenverteilung an den Hinterrädern mit der elektronischen Stabilitätskontrolle, den adaptiven Dämpfern und dem RS-Sportfahrwerk sowie dem radselektiven Bremseingriff, dem sogenannten Brake Torque Vectoring.
All das lässt den RS 3 einen ganz feinen Strich durch die Kurve ziehen. Es verhindert aber auch, dass man den Audi gerade auf einem Kurs wie dem Contidrom zum Querfahren anstellen kann. Zwar sind die Momente da, wenn bei entsprechendem Lenkradwinkel die Kraft praktisch nur über die Hinterräder und eines der Vorderräder abgegeben wird. Aber irgendwann schiebt er dann doch über die Vorderräder und verlangt nach weniger Gas.
Im Gegensatz zum rein heckgetriebenen M2 fehlt hier der fahrdynamisch vorteilhafte Hang zum (leichten) Übersteuern, der dem M2 schneller ums Eck hilft. Und das manifestiert sich dann beim Vergleich der Sektorenzeiten. Der RS 3 kann auf der Rennstrecke allerdings deutlich leichter richtig schnell bewegt werden.
Zeitenjagd besser mit Handarbeit am Getriebe
Ihre Grenzen erreichen beide Kompaktsportler auf dem Rundkurs beim Automatikgetriebe. Zwar holt sich der BMW mit seiner über acht Stufen schaltenden Steptronic mehr Punkte als das superschnelle und mit einer Stufe weniger ausgestattete DSG des Audi. Um Rundenzeiten zu machen, sollte man aber über die Schaltwippen am Lenkrad beider Boliden selbst tätig werden.

Trotz guter Automatikgetriebe in beiden Konkurrenten sind auf der Piste manuelle Gangwechsel per Schaltwippe zu empfehlen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Denn beide neigen dazu hochzuschalten, wenn es im Schubbetrieb auf die Kehre zugeht. Was dazu führt, dass beim spontanen Tritt auf den Pin mehrere Stufen zurückgeschaltet werden muss, um mit entsprechender Kraft aus dem Kurvenausgang zu kommen. Und das kostet unnötig Zeit. Dem entzieht man sich mit den Schaltwippen am Lenkrad, die übrigens beim BMW in jeder Lenkradstellung sehr gut zu erreichen sind, im Audi sind sie etwas klein geraten.
Was die Einbindung des Fahrers in den Wagen betrifft, ist der M2 vorn. Allerdings kostet dieser Punkt dann auch schlappe 14.000 Euro. Denn nur wer das M-Race-Track-Paket kauft, kommt in den Genuss der M-Carbon-Schalensitze. Bei denen lässt sich nicht nur der Neigungswinkel der Sitzauflage verstellen, es lassen sich auch die Seitenwangen den Bedürfnissen des Fahrerrückens anpassen.
Bremsen sind bei beiden stimmig
In den ebenfalls nicht kostenlosen RS-Schalensitzen (2000 Euro) sind diese beiden Optionen nicht zu haben. Zudem fühlt man sich im Vergleich etwa zu hoch platziert und nicht genügend in den Wagen eingebunden. Bei einigen Fahrern führte das zu dem Gefühl, nie die richtige Position zu finden, weil die Abstände zu den Pedalen und zum Lenkrad nicht stimmig sind.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Stimmig sind bei Audi und auch bei BMW die Bremsen. Wenngleich sich die im M2 einen Tick besser dosieren lassen, bringt die optionale RS-Keramikbremsanlage den RS 3 aus 100 und 200 km/h 0,5 beziehungsweise fast einen Meter früher zum Stehen, als die M-Compound-Bremsanlage den M2 zu stoppen vermag.
Sportwertung
Modell | Audi RS 3 Sportback | BMW M2 Coupé |
|---|---|---|
Karosserie (max. Punkte: 15) | 12 | 11 |
Qualität (max. Punkte: 10) | 7 | 7 |
Sitze/Sitzposition (max. Punkte: 25) | 19 | 22 |
Ausstattung (max. Punkte: 10) | 10 | 10 |
Motoreigenschaften (max. Punkte: 20) | 15 | 16 |
Fahrleistungen (max. Punkte: 50) | 41 | 39 |
Getriebe/Schaltung (max. Punkte: 20) | 16 | 17 |
Sound (max. Punkte: 10) | 8 | 7 |
Fahrkomfort (max. Punkte: 10) | 8 | 6 |
Fahrsicherheit (max. Punkte: 20) | 18 | 16 |
Handling (max. Punkte: 30) | 20 | 23 |
Rundenzeiten (max. Punkte: 50) | 38 | 41 |
Lenkung (max. Punkte: 20) | 15 | 16 |
Bremsen (max. Punkte: 30) | 23 | 21 |
Unterhalt (max. Punkte: 10) | 9 | 7 |
Verbrauch (max. Punkte: 20) | 14 | 12 |
Preis (max. Punkte: 50) | 35 | 32 |
Gesamtwertung (max. Punkte: 400) | 308 | 303 |
Resümierend kann gesagt werden, dass der BMW M2 ein reinrassiger Sportler ist, der den Fahrer in jeder Sekunde fordert. Für diejenigen, die sich auf der Rennstrecke so richtig austoben wollen, ist der Münchner die erste Wahl. Und dennoch trägt der Audi RS 3 in unserer Gesamtwertung den Sieg davon.
Audi siegt dank Preis und Alltagstauglichkeit
Und das gelingt ihm abseits der Rennstrecke mit der gehörigen Portion Alltagstauglichkeit. Das fängt beim sich deutlich weiter spreizenden Fahrwerk an, geht über die fünf Türen und den größeren Kofferraum weiter bis hin zum niedrigeren Anschaffungspreis. Während BMW für den M2 in der Basis 77.500 Euro aufruft, verlangt Audi für den RS3 nur 66.000 Euro. Rechnet man Steuern und Versicherung zusammen, kostet der Audi im Jahr 1799 Euro, der BMW schlägt mit 2499 Euro zu Buche.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch bei den von uns gemessenen Verbrauchswerten ist der RS3 mit 9,5 Litern zu 10,7 Litern auf 100 Kilometer sparsamer. Und noch etwas: Wer die Vmax-Aufhebung kauft, kann es im Audi bis auf Tempo 290 treiben, im BMW sind es 5 km/h weniger.
Fazit
Wer einen alltagstauglichen Kompaktsportler mit höchstem Spaßfaktor, einem Hauch Understatement und maximalem Speed sucht, der muss beim Audi RS 3 landen. Der Ingolstädter kann alles in höchster Perfektion. Wem es nach einem schweißtreibenden Sportgerät mit Tuner-Attitüde gelüstet, das im Extrembereich keine Kompromisse zulässt, der muss BMW M2 fahren.
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