Audi RS 6 Avant/Mercedes E 63 AMG S T-Modell: Vergleich
Duell der Power-Kombis
Die quattro GmbH und AMG stellen die derzeit weltstärksten Serienkombis. Die Sportschmieden von Audi und Mercedes setzen auf Allrad und kraftstrotzende Biturbo-V8. Welcher Eiltransporter verknüpft Lust und Last besser miteinander?
Frank Wiesmann
König zu sein, ist schön. Wie angenehm sich die Krone auf dem Haupt anfühlt, weiß der Audi RS 6 Avant nur zu gut. Jahrelang allradlert er sich an der heckgetriebenen Kombi-Konkurrenz vorbei, ist mit seinem Traktionsvorteil und den zuletzt 580 einschüchternd übermächtigen Biturbo-PS ganz klar Chef im Ring. Doch nun ist seine Herrschaft in Gefahr. Direkt bei ihrer Premiere muss sich die dritte Generation des Power-Kombis vom Widersacher aus Affalterbach düpieren lassen – zumindest auf dem Papier. Die S-Version des E 63 AMG T-Modells trumpft mit 585 PS auf, während der Audi in neuester Ausführung 20 Pferde einbüßt.
Verglichen mit dem V10 kurvt der neue RS 6 spielerischer ums Eck.
Bild: Emmerling
Den Start kann der Audi für sich entscheiden, kommt einen Tick schneller vom Fleck. Sein Rezept für die Bestzeit: die ESP-Fesseln mittels Sportstellung lockern, Dynamic-Modus aktivieren, Bremse fest treten, Vollgas geben. Die Drehzahl regelt sich auf etwa 2800 Touren ein. RS-Techniker sprechen von einer Launch-Control, die jedoch in der Betriebsanleitung keinerlei Erwähnung findet. Drei Dinge sichern dem RS 6 einen winzigen Vorsprung bis 100 km/h: Seine Wandlerautomatik wirkt beim Katapultstart wie ein Drehmomentverstärker und schießt 700 Newtonmeter ohne Umschweife an die Räder – die Nassanfahrkupplung des AMG rückt bauartbedingt trotz 3800 Touren Anfahrdrehzahl mittels Race-Start-Funktion einen Hauch träger ein.
Zeitraubender Traktionsverlust ist dank 4Matic Vergangenheit.
Bild: Emmerling
Der AMG beweist kraft seines 100 Newtonmeter großen Drehmomentplus einen langen Atem. Messgerät und Popometer sind sich einig: Über 160 km/h drückt der Benz einfach gewaltiger, verwandelt bis 200 km/h seinen leichten Rück- in einen Gleichstand und zieht jenseits dieser Marke noch kräftiger durch. Zwar verfällt auch der E 63 niemals ins Krawallige, interpretiert die V8-Melodie aber offensiver. Sein hubraumstärkeres Triebwerk brodelt dunkler, fülliger, basslastiger. Während Schaltvorgänge im RS 6 akustisch an heftige Feuerwerkskörper erinnern, scheint beim Benz eine riesige Welle gegen Felswände zu branden. Bei derartigem Vorwärtsdrang und klanglichem Spektakel könnte man glatt vergessen, in einem Kombi zu sitzen.
Wie der Vergleich am Ende ausgeht, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten gibt es als pdf-Download im Heftarchiv.
Fazit
von
Frank Wiesmann
Die sonst eher abgeklärten Stuttgarter gewinnen ganz knapp mit dem emotionaleren Auftritt. Ihr Glück, denn längs-, querdynamisch und preislich liegen RS 6 und E 63 so nah beieinander wie noch nie. Beide Kombis stellen das Nonplusultra in Sachen Lustfrachter dar.