Fahrbericht Audi RS 6 Avant Performance

Audi RS 6 Avant Performance: Fahrbericht

Servus, mach's gut!

Der Audi RS 6 Avant Performance tritt bald von der automobilen Bühne ab. Wir haben den 605 PS starken Wahnsinns-Kombi zu einer letzten Ausfahrt gebeten.
150 PS sind eine vernünftige Wahl, mehr braucht der Deutsche in der Regel in seinem Auto nicht. Bei 605 PS hingegen würden die meisten wohl die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Wofür braucht es derart viel Leistung? Fast nichts auf der Welt garantiert so viel Freiheit wie das Auto. Wir fahren, wohin wir wollen, wie lange wir wollen, vergessen den Alltag und seine Sorgen. Letztlich kann das jedes Auto, aber nur wenige so gut wie der Audi RS 6 Avant. Ein Kombi und doch so unvernünftig, so verschwenderisch, dass man sich hinter dem Steuer glatt selbst vergisst.

Nur bei genauem Hinsehen offenbart sich der Audi als RS 6

Wolf im Schafspelz? Nicht ganz, aber seine 605 PS sieht man dem Power-Kombi nicht sofort an.

Vor 16 Jahren beginnt die Geschichte des RS 6. Generation C5, die auch noch als Limousine vom Band rollt, startet mit stolzen 450 PS aus einem turbogeladenen V8. 2008 addiert Audi zwei weitere Zylinder und schickt Generation C6 mit 580 PS ins Rennen. Fünf Jahre weiter Richtung Gegenwart schaltet der C7 erst einmal einen Gang runter, verpackt wieder acht Zylinder mit zwei zwischen den Zylinderbänken platzierten Turbos unter der Haube und leistet zum Start 560 PS. In noch höhere Sphären katapultiert Audi den RS 6 mit dem Zusatz "Performance". Weitere 45 PS obendrauf, damit erreicht der RS 6 mit 605 PS und maximal 700 Newtonmetern vorerst seinen Zenit. Zahlen, die der Laie eher einem Porsche, Ferrari oder Lamborghini zuweisen würde, aber sicher keiner "Familienkutsche". Der RS 6 ist eben kein konventioneller Begleiter. Das beginnt schon beim Design und den Ausmaßen. Sie müssen schon einen genaueren Blick auf den fast fünf Meter langen RS 6 werfen, um ihn korrekt zu identifizieren.

Beim Interieur gibt es reichlich markentypische Gediegenheit

Dezent sportlich: Auch innen macht der Audi nicht auf dicke Hose, er bleibt angenehm unaufgeregt.

Verbreiterte Schweller, tiefschwarzer Wabengrill mit quattro-Schriftzug und am Heck zwei massive Endrohre, die ein Carbondiffusor umrahmt. Zahm ist er nicht, aber wirklich auffällig ebenso wenig. Das setzt sich innen fort. Von klinisch rein wollen wir hier nicht reden, aber alles sitzt am richtigen Platz; fast schon ein bisschen langweilig, so gut, wie es arrangiert ist, und doch genau richtig so. Gleichzeitig protzt das Cockpit nicht mit übertriebenem Sportlook, dass beim Anblick gleich ein Testosteron-Überschuss droht. Die einzelnen Akzente machen es in Summe so bemerkenswert. Das perforierte Leder am Lenkrad mit dem kleinen RS-Schriftzug; die für die Ewigkeit gemachten, schwarz hinterlegten Analoginstrumente, deren Tachoskala bis 320 reicht; oder das Carbonband mit eingearbeitetem blauen Faden, das sich von Tür zu Tür über den Armaturenträger und die Mittelkonsole spannt. Dazu laden die vier überaus komfortablen Sitze mit blauen Nähten, die wie der Frontgrill ein Wabenmuster tragen, zu mehrstündigen Fahrten oder auch den gelegentlichen Rennstreckenausflug ein.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Für futuristisch-technische Spielereien ist die C7-Baureihe schlichtweg zu betagt. Sicher, der branchenübliche Assistenten-Schnickschnack ist natürlich mit von der Partie, hat auf langen Strecken auch seine Daseinsberechtigung. doch eigentlich braucht es das für den schnellen Ritt auf der Landstraße nicht. Elektrische Sitzeinstellung, Sitzheizung und -lüftung sowie ein 15 Lautsprecher umfassendes Soundsystem von Bang und Olufsen zum Preis eines soliden Gebrauchten gönnt man sich dann doch. Schadet ja nicht.

Der Vortrieb des Achtzylinders ist einfach atemberaubend

Hammer: Der RS 6 Avant Perfomance katapultiert seine Passagiere in 3,7 Sekunden auf Tempo 100.

Herzstück des RS 6 ist und bleibt der doppelt aufgeladene V8. Er zeigt sein volles Potenzial erst ab gut 6100 Touren, drischt die 700 Newtonmeter aber schon bei 1750 in den Wandler. Und das lässt er einen spüren, denn beim Antritt werden die ersten beiden Übersetzungen schlichtweg übersprungen. Erst Gang drei erbarmt sich mit ausreichender Spreizung, um die schiere Kraft geschmeidig auf die Straße zu drücken. Den Sprint auf Landstraßentempo absolviert der über zwei Tonnen schwere Allradler in nur 3,7 Sekunden. Wer da nicht aufpasst, sucht im Anschluss besser einen Chiropraktiker auf, denn der vehemente Schub ist für jede unvorbereitete Nackenmuskulatur eine Tortur. Tempo 200 steht schon nach knappen zwölf Sekunden an. Die "Dynamikpaket Plus"-Erweiterung vorausgesetzt, erlaubt Ingolstadt den Sprint bis 305 km/h – immer noch elektronisch begrenzt, da ginge noch mehr! Freunde der Längsdynamik kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten, denn gefühlt egalisiert der Audi trotz seines hohen Gewichts die Trägheit der Masse.
Weitere Details zum Audi RS 6 Avant Performance finden Sie in der Bildergalerie.

Fahrzeugdaten* Audi
Modell RS 6 Avant Performance
Motorbauart V8, Biturbo
Einbaulage vorn längs
Hubraum 3993 cm³
kW (PS) bei 1/min 445 (605)/6100-6800
Literleistung 152 PS/l
Nm bei 1/min 700/1750-6000
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Antriebsart Allrad
Reifengröße vorn 285/30 ZR 21
Reifengröße hinten 285/30 ZR 21
Länge/Breite/Höhe 4979/1936/1461 mm
Leergewicht/Zuladung 2025/555 kg
Leistungsgewicht 3,3 kg/PS
ECE-Normverbrauch 9,6 l Super Plus
CO2-Ausstoß 223 g/km
Abgasnorm Euro 6
0-100 km/h 3,7 s
Vmax 305 km/h (abgeregelt)
Preis ab 118.000 Euro
*Herstellerangaben

Christoph Richter

Fazit

Fahren in Reinkultur – das bietet der RS 6 sicher nicht, hier greift der Kenner zu anderen Fabrikaten. Aber es ist diese Kombination aus Sinn und Verstand für das Wesentliche und reinem V8-Biturbo-Wahnsinn, der sich unter der pragmatischen Silhouette verbirgt. Das macht den RS 6 so unglaublich begehrenswert.

Stichworte:

Sportwagen Kombi

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