Audi S4 Cabriolet: Gebrauchtwagen-Test
Garantierter Spaß mit dem gebrauchten S4 Cabriolet?

Bild: AUTO BILD
Starke Emotionen sind der Antrieb eines Cabriolets. Das Audi S4 Cabriolet der Baureihe B7 macht davon keine Ausnahme. Als einer der letzten offenen Viersitzer mit freisaugendem V8-Motor, optionalem Schaltgetriebe und Stoffverdeck bewahrt es das Erbe einer Ära, die heute für viele Youngtimer-Enthusiasten als "goldenes Zeitalter" der Fahrfreude gilt. Sein Auftritt ist kraftvoll und kultiviert. Und gleichzeitig durch eine Armada von Airbags, ESP und permanenten Allrad noch lange nicht aus der Zeit gefallen. Wer den offenen S4 fährt, darf die große Freiheit auf vier Plätzen genießen – ohne auf Qualität, Stil oder Fahrspaß zu verzichten.
Seine zeitlose Form ließ das S4 Cabriolet gut altern
Das ist er: Optisch gibt sich das Audi S4 Cabriolet dezent-sportlich. Als feiner Ableger der A4-Cabrio-Baureihe trägt es wie seine Limousinengeschwister die erste Generation des Singleframe-Grills und ist technisch genau genommen ein größeres Facelift des S4 Cabriolet der Baureihe B6. Gemäß der damals vorherrschenden Audi-Designlogik gibt es erfreulicherweise kein krawalliges Spoilerwerk, sondern klare Linien. Elegantes Räderwerk, dezente S4-Logos und imposante Endrohre verraten nur Kennern auf den ersten Blick: Hier schlummern Kraft und Antriebskultur im Überfluss.

Dynamik und Frischluft wirken hier fein dosiert auf die Passagiere.
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Herzstück der S4-Version ist ein 4,2-Liter-Saugmotor (Kennbuchstabe BBK) mit 344 PS. Das längs verbaute V8-Triebwerk kommt ohne Turbolader aus und offenbart ab 3500 Umdrehungen kehlig bollernd seinen potenten Charakter. Das Tüpfelchen auf dem i: Damals gab es keinen Automatikzwang. Kunden durften den V8 als Alternative zur ZF-Tiptronic mit einem heute seltenen und gesuchten manuellen Sechsganggetriebe kombinieren. Hier darf der Fahrer noch selbst Hand anlegen, den massiven Schub der 410 Newtonmeter ganz direkt und ungefiltert erleben. Ebenjenes Zusammenspiel aus V8-Sound und knackigem Handschalter ist heute leider rar geworden – und eine echte Spaßgarantie für emotionale Youngtimer.
Technische Daten
3.2 FSI quattro | S4 | RS 4 | |
|---|---|---|---|
Motor | V6/vorn längs | V8/vorn längs | V8/vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
Hubraum | 3123 cm³ | 4163 cm³ | 4163 cm³ |
Leistung | 188 kW (256 PS) bei 6500/min | 253 kW (344 PS) bei 7000/min | 309 kW (420 PS) bei 7800/min |
Drehmoment | 330 Nm bei 3250/min | 410 Nm bei 3500/min | 430 Nm bei 5500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h | 250 km/h | 250 km/h |
0–100 km/h | 6,8 s | 5,9 s | 4,8 s |
Tank/Kraftstoff | 63 l/Super | 63 l/Super | 63 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Allrad | Sechsgang man./Allrad | Sechsgang man./Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4573/1777/1391 mm | 4573/1777/1391 mm | 4555/1814/1391 mm |
Kofferraumvolumen | 315 l | 315 l | 315 l |
Leergewicht/Zuladung | 1770/405 kg | 1930/385 kg | 1920/385 kg |
Anhängelast | 1800/750 kg | - | - |
Das S4 Cabriolet taugt auch für Langstrecken
Das hat er: Eine deutliche Premium-Note. Durch seine hohe Fertigungsqualität hat sich das S4 Cabriolet seine wertige Aura auch nach fast zwei Jahrzehnten bewahrt: Den Innenraum dominieren Echtleder mit Kontrastkeder sowie je nach Konfiguration Holz, Aluminium oder wie bei unserem Fotowagen aufwendige Carbon-Einlagen.

Die Interieurqualität war früher Benchmark. Heute freuen wir uns über den guten Zustand jenseits der 100.000 Kilometer.
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Die damals herausragende Audi-Verarbeitungsqualität wirkt bei unserem durchgehend scheckheftgepflegten Testwagen bis auf leichte Softlackprobleme noch immer erfreulich. Geringe Patina an Lenkrad und Schalthebel könnte ein Sattler für dreistelliges Geld restaurieren. Die elektrischen Sportsitze bieten ordentlichen Seitenhalt, während der Fond mit zwei vollwertigen Plätzen überrascht. Kinder und Jugendliche sitzen hier nicht nur theoretisch, sondern bis 1,70 Meter Körpergröße tatsächlich angemessen. Damit taugt das S4 Cabriolet auch für Langstrecken ohne gravierende Einschränkungen.
Und das Dach? Das stets elektrohydraulische Stoffverdeck öffnet sich vollautomatisch im Idealfall in 24 Sekunden und verschwindet sauber gefaltet im Verdeckkasten. Trotz des offenen Konzepts bleiben 315 Liter Kofferraum – was genug für verlängerte Wochenendtouren sein sollte.
Traktionsreserven gibt's reichlich
So fährt er: Kultiviert bis betörend. Nach dem Dreh am Zündschlüssel erwacht der V8 des S4 zum Leben. Grummelnd im Stand, angesichts möglicher Drehzahlen bis 7000 Touren kehlig aufbrausend in Fahrt. Eine authentische akustische Erfahrung, die modernen Sounddesigns aus dem Labor subjektiv überlegen ist. Die manuelle Schaltung fordert den Fahrer, belohnt aber mit präzisen, recht kurzen Wegen. Die Kupplung ist relativ straff, was zum verbindlichen Charakter passt. Dank quattro-Allradantrieb gibt es immer reichlich Traktionsreserven, selbst wenn der V8 seine vollen Reserven entfesseln darf. 5,9 Sekunden auf 100 km/h und eine elektronisch begrenzte Spitze von 250 km/h sind Fahrleistungen, die auch in der heutigen Zeit noch sehr souverän sind.

Hubraumreserven und reichlich Fahrspaß sind beim S4 Cabriolet wichtiger als Verbrauchsökonomie.
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S4-Alternativen gibt es in der Baureihe übrigens gleich zwei: Der nochmals bulligere, 76 PS stärkere RS 4 ist heute schon ein klarer Fall für Sammler. Er geht nochmals dynamischer ans Werk, sieht durch seine Details bulliger aus, kostet gebraucht aber auch knapp den doppelten Kurs. Ebenfalls dynamisch veranlagt und deutlich günstiger ist das 3.2 FSI Cabrio als quattro-V6-Version mit 256 PS. Das Fahrwerk balanciert Dynamikanspruch und Langstreckenkomfort gekonnt. Auf kurvigen Landstraßen zeigt sich der offene S4 trotz 1,9 Tonnen Leergewicht von seiner besten Seite. Er fährt, insofern die Achslager und Dämpfer fit sind, erstaunlich präzise und sehr souverän.
Stärken
- Hochwertiges viersitziges Cabriolet
- Tolle Fahrleistungen
- Positive Klassikerperspektive
Schwächen
- Zustand schwankt je nach Fahrzeughistorie
- Kostspieliger Unterhalt
Einige sensible Zonen sollte man vor dem Kauf abklären
Das macht Ärger: Zwei Jahre Neuwagengarantie, drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie waren Standard. Beim eigentlich langlebigen V8-Motor kommt es teilweise zu Steuerkettenproblemen. Auf Leistungsverlust und unrunden Lauf im kalten Zustand sollte man daher achten!
Auch Ölverbrauch oder Ölverlust sind durchaus relevante Themen. Der Allrad ist robust, doch die Tiptronic-Automaten brauchen entgegen der Werksvorgabe alle 120.000 Kilometer frisches ATF-Öl. Das hohe Gewicht setzt besonders den Achslagern der Vorderachse und den Bremsen oft früh erheblich zu. Das Verdeck muss rissfrei sein, teils wird der Hydraulikantrieb im Kofferraum unbemerkt undicht. Verstopfte Wasserabläufe führen zu Wassereinbrüchen, teils korrodieren auch die Schweller unter den Verkleidungen jahrelang unbemerkt. Das KBA listet zwei Rückrufe auf.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 13,8 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 331 g/km |
Inspektion | 400 bis 850 Euro |
Haftpflicht (11)* | 452 Euro |
Teilkasko (23)* | 671 Euro |
Vollkasko (19)* | 1088 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 4) | 283 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1252 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 964 Euro |
Wasserpumpe | 1038 Euro |
Zahnriemen | entf., Kette |
Nachschalldämpfer (Duplex) | 1795 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1697 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 790 Euro |
Navigationseinheit | 2950 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/40 ZR 18) | 800 Euro |
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