Es sei ein warmer Morgen für diese Jahreszeit, murmelt Stig Blomqvist, während er den Reißverschluss seiner Strickjacke ein Stückchen nach unten zieht. Wir stehen in einem Waldstück irgendwo mitten in Schweden und schnauben dicke Dampfschwaden in die aufgehende Sonne. Immer wieder verkriecht sich der Autor bis über die Nasenspitze im Daunenkragen und versucht, die Füße durch Aneinanderschlagen vor dem sicheren Erfrieren zu retten. Es hat um 15 Grad unter null, als die frostige Stimmung urplötzlich auftaut. Erst hört man es nur ganz leise, dann schiebt es sich als Murren über die Stille, um schließlich mit Schnee überzuckert, als eine Art gemischtes Doppel, auf eine riesige Lichtung zu rollen, die sich nur Ortskundigen als zugefrorener See offenbart.
Audi A1 quattro
Zwei Kurven, dann liegt der A1 quattro perfekt in der Hand und lässt sich über die Eisbahn zwirbeln.
Bild: Werk
Vornweg kullert der A1 quattro, der eher wenig zur allgemeinen Geräuschkulisse beiträgt und sich mit dem Schwarz-Weiß seiner Karosserie fast ein wenig in den Hintergrund zu spielen scheint. Zu den Schüchternen zählt er normalerweise nicht, aber vielleicht lampenfiebert er ja ein bisschen, wo er heute gemeinsam mit einem echten Weltmeister auf dem Eis stehen soll. Und sein Partner tritt genau wie einer auf. Laut, routiniert, umschwärmt von einer Bande Bodyguards und gekleidet ins schrille Dress seiner Geldgeber, das recht ungeniert an eine Zeit erinnert, in der man das mit dem Rauchen noch ein bisschen gelassener sah.
Audi Sport quattro (Gruppe B)
Sechs Strahler sind Pflicht in einer Welt, in der manche Nacht lange Messer hat.
Bild: Werk
Es ist Frühsommer in der Rallye-WM 1984, und die Gruppe B beginnt allmählich außer Kontrolle zu geraten. Mit drei Siegen aus vier Wettbewerben hat Audi eine hervorragende Ausgangsposition im Titelkampf, als der aberwitzige Peugeot 205 T16 – ein Allradbiest mit Gitterrohrrahmen, Doppelturbo, Mittelmotor und Glasfaserhaut – vorahnen lässt, dass die Dominanz der vergleichsweise konventionellen quattros bald zu Ende gehen wird. Zeitgleich – zur Tour de Corse im Mai – wehrt sich Audi mit dem handlicheren quattro Sport. Er konnte den Machtwechsel zwar nicht mehr aufhalten, rettete aber zumindest den Vorsprung ins Ziel. Nach kleinen Zipperlein zu Beginn siegt er erstmals im Schlamm der Elfenbeinküste, macht Audi zum Champion und Stig Blomqvist gleich mit.Mehr Fotos aus den quattro-Epochen sehen Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt's im Online-Heftarchiv als PDF-Download.

Fazit

von

Stefan Helmreich
Der A1 hätte das Zeug gehabt, das fortzusetzen, was der Sport Quattro 84 mit zwei WM-Titeln krönt. So bleibt ihm die Rolle des Fanartikels, die er blendend erfüllt. Der "Kurze" dagegen macht dir mit seiner brachialen Art binnen Sekunden klar, warum die Gruppe B nicht gutgehen konnte.