Eine ganze Branche sucht sie, die Universalisten. Handwerker, die gefühlt alles können. Denen Strom nicht fremd ist, Wasser nicht, Gas nicht, die mit Karosserien und Fahrzeugtechnik umgehen können. Also eigentlich Könner, die es nur selten gibt.
Genau das soll sich nun ändern, und weit vorn mit dabei sind Ismail Akhundzadeh, Jasper Blatt und Ruben Zerbach. Die drei, zwischen 16 und 21 Jahre alt, haben im vergangenen September bei Eura Mobil im rheinland-pfälzischen Sprendlingen ihre Ausbildung begonnen. Sie trägt einen Namen, der so kompliziert ist wie seine Entstehungsgeschichte: Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in mit Spezialisierung auf Caravan- und Reisemobiltechnik. In der Praxis soll sich Caravantechniker durchsetzen. Oder Reisemobiltechnikerin.
Erst seit Sommer 2023 gibt es diesen neuen Beruf. "Man musste ihn irgendwo andocken", sagt Gerhard Wünsch (55), Ausbildungsleiter bei Eura Mobil und zudem ehrenamtlicher Vizepräsident der Handwerkskammer Rheinhessen in Mainz: "Im Karosseriebau gibt es mehrere Fachrichtungen. Darauf satteln wir auf." Dabei ist vieles Neuland in dieser dualen Ausbildung, die unterm Strich 42 Monate dauert. Einen Teil davon übernehmen die Berufsschulen, den anderen der Ausbildungsbetrieb. Zudem decken die Handwerkskammern alle Ausbildungsthemen ab, die von den Betrieben nicht geleistet werden können.
Die Reisemobil-Macher von morgen
Vier, die gemeinsam in die Zukunft gehen: Ausbilder Gerhard Wünsch (2. v. r.) hat mit Ruben Zerbach, Ismail Akhundzadeh und Jasper Blatt (v. l. n. r.) noch viel vor.
Bild: Magali Hauser
Vieles steckt aktuell noch in den Kinderschuhen. Es braucht Menschen wie Gerhard Wünsch, die mit großer Erfahrung, noch mehr Motivation und endlosen Ideen diesen neuen Beruf mit Leben füllen. "Wir mussten zunächst eine geeignete Werkstatt für uns finden", sagt er, "eine, die auch hoch genug ist, damit wir ein Wohnmobil auf der Hebebühne hochnehmen können." Sechs Kilometer vom Werk entfernt haben sie ein Gebäude entdeckt, und Wünsch hat es mit seinen Auszubildenden eingerichtet. Sie haben Werkbänke gebaut, Tische organisiert, sogar die Küche ist gemeinsam entstanden – keine Mini-Teeküche, sondern eine richtige, in der sie gemeinsam essen.

Ausgebildet wird auch an altem Pkw

"Jeder kocht einmal in der Woche für alle", sagt Gerhard Wünsch, "dabei lernen sie viel, und für den Zusammenhalt ist es toll." Wünsch bringt Erfahrungen aus Entwicklungsprojekten in Georgien und Ruanda mit. Er ist kein Freund sturer Fachbezogenheit – und gerade zu diesem Berufsbild würde ein zu enger Fokus sowieso nicht passen.
Für manche Ausbildungsinhalte nutzt Gerhard Wünsch, ganz pragmatisch, alte Pkw. An ihnen kann er viele fahrzeugbezogene Arbeiten vermitteln, zum Beispiel den Aus- und Einbau von Teilen – und ihre Reparatur. Spezifische Reisemobil-Themen zeigt er an Prototypen im Werk, die dort nicht länger gebraucht werden. Auch der Einsatz in der Produktion kommt nicht zu kurz: Dort lernen die drei die Montage von Fenstern und Seitenwänden, die bei Eura Mobil seit rund zehn Jahren ausschließlich verklebt werden – ein anspruchsvoller Prozess, der eigene Zertifikate erfordert.
Die Reisemobil-Macher von morgen
Spezielle Herausforderungen halten die Arbeiten in der Produktion für die drei bereit.
Bild: Magali Hauser
Gerhard Wünsch kann die vielen Ansprüche an seine Schützlinge gut nachvollziehen. "Dieser Beruf ist unglaublich vielfältig", sagt er, "aber durchaus auch schwierig." Nicht für jeden eigne sich das Berufsbild mit seinen Anforderungen aus so unterschiedlichen Gewerken und Bereichen, die alle am Ende in einem funktionsfähigen, sicheren und zuverlässigen Fahrzeug münden.

Bewerbungen von Interessentinnen erwartet die Branche sehnlichst

Um seinen drei Jungs einen guten Start in diese neue Welt zu sichern, ist Gerhard Wünsch gemeinsam mit Ismail, Jasper und Ruben gleich zu Beginn ihrer Ausbildung im Sommer 2024 zum Caravan Salon nach Düsseldorf gefahren. Sie übernachteten in der Jugendherberge und streiften gemeinsam durch die Hallen. Die Fülle an Modellen und das Gedränge der Besucher bestätigte ihnen, wie viel Zukunft ihr Beruf haben würde: "Mir war überhaupt nicht klar", sagt Ruben, "wie groß das alles ist und wie verschieden."
Die Reisemobil-Macher von morgen
Im September 2024 haben Ismail, Ruben und Jasper (v. l. n. r.) ihre Ausbildung bei Eura Mobil begonnen.
Bild: Magali Hauser
An Fahrzeugen zu arbeiten, in denen Menschen ihren Urlaub verbringen oder manche sogar leben, bedingt auch stets ein besonderes Verhältnis zum Kunden. Schließlich ist keinem sein Reisemobil oder Caravan egal, nahezu immer gibt es eine emotionale Bindung.
Hohe Ansprüche also, keine Frage. Für Gerhard Wünsch, den Ausbilder, ist dies jedoch eine besondere Chance für jeden, der motiviert ist. "Ganz wichtig ist für mich dieser Satz: Wir alle lernen nie aus", sagt Wünsch, "und daher sehe mich selbst inzwischen im 38. Lehrjahr."

Infos zur Ausbildung

"Sonnige Karriere" heißt der Slogan, mit dem die Branche junge Menschen für diesen überaus abwechslungsreichen und zukunftsweisenden Beruf interessieren will. Allein die Zahl von 400 000 Fahrzeugneuzulassungen seit 2019 beweist, wie viel permanente Arbeit auf Hersteller und Werkstätten zukommt. Wer sich ungern auf ein kleines Fachgebiet festlegen und mit Kopf und Herz ein enorm vielseitiges Handwerk lernen möchte, sollte sich das Berufsbild Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in mit Spezialisierung auf Caravan- und Reisemobiltechnik näher anschauen. Weil der Name so kompliziert ist, soll sich Caravantechniker/-in durchsetzen.
Mehr Infos: www.sonnigekarriere.de