Editorial

Das Lade-Märchen

Fast 90 Prozent der öffentlichen Ladesäulen sind angeblich frei. So steht es in einer aktuellen Auswertung des Bundesverbandes der Energiebranche und Wasserwirtschaft. Problem gelöst? Ist es nicht! Denn diese Zahl beschreibt eine Welt, die mit dem Alltag vieler Autofahrerinnen und Autofahrer wenig zu tun hat. Sie sagt etwas über Durchschnittswerte aus. Aber nichts darüber, ob ich heute Abend einen Ladepunkt finde. Vor meiner Haustür. In meiner Straße. Genau dann, wenn ich ihn brauche. Und genau da liegt das Problem.
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Die Infrastruktur wächst. Keine Frage. Mehr als 200.000 öffentliche Ladepunkte sind eine starke Zahl. Aber sie stehen oft dort, wo sie leicht gebaut werden können, nicht dort, wo sie gebraucht werden. An Supermärkten. Auf Parkaplätzen. Nur eben viel zu selten in Wohngebieten, in denen Menschen keine eigene Wallbox haben. Das bestätigen auch andere Quellen. Im aktuellen Report der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) nennen viele Autofahrerinnen und Autofahrer die fehlende Lademöglichkeit im Alltag als zentrales Hindernis. Nicht, weil es zu wenige Säulen gibt. Sondern weil sie nicht passend verteilt sind. Die Energiebranche argumentiert aus Systemsicht. Die Auslastung ist niedrig, also ist genug da. Die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer ist eine andere. Es geht nicht um Durchschnittswerte. Es geht um Alltag. Es geht darum, ob Laden bequem möglich ist. Ohne Umwege. Ohne Planung. Ohne Stress. Es ist kein Mengenproblem, sondern ein Verteilungsproblem. Wir bauen Ladeinfrastruktur aus Sicht der Anbieter, nicht aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer.
Robin Hornig
AUTO BILD-Chefredakteur Robin Hornig.
Bild: AUTO BILD
Ein Ladepunkt, der zwei Kilometer entfernt ist, hilft im Alltag nicht. Schon gar nicht, wenn langsames AC-Laden mehrere Stunden dauert. Niemand stellt sein Auto abends irgendwo im Viertel ab und holt es nachts wieder ab. Elektromobilität muss so einfach sein wie Tanken früher. Und so bequem wie Parken. Solange Laden nicht dort stattfindet, wo Autos ohnehin stehen, bleibt die Skepsis. Völlig zu Recht. Denn am Ende entscheidet nicht die Statistik über den Erfolg der Elektromobilität. Sondern der Alltag. Und genau deshalb irritiert diese Schönrechnerei. Denn die Realität entwickelt sich gerade in die richtige Richtung. Die Zulassungen von Elektroautos ziehen spürbar an. Die Produkte werden besser, alltagstauglicher, überzeugender. Modelle wie der VW ID.Polo (S. 6) oder der BMW iX3 (S. 28) zeigen, wohin die Reise geht.
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Umso unverständlicher ist es, dass wir die größte Hürde weiter kleinreden. Die Menschen benennen sie seit Jahren klar. Fehlende Ladepunkte im direkten Umfeld. Genau das muss jetzt gelöst werden. Erste Ansätze wie die Förderung für Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern gehen in die richtige Richtung. Statt uns die Lage schönzurechnen, sollten wir endlich das angehen, was wirklich fehlt. Ladepunkte dort, wo sie gebraucht werden. Direkt vor der Haustür.

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