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Für dieses Vergehen im Straßenverkehr muss man 100.000 Euro zahlen

Es gibt Vergehen im Straßenverkehr, die mächtig teuer werden können. Eines kann Autofahrer sogar bis zu 100.000 Euro kosten!
Bild: dpa
Satte 100.000 Euro Strafe für ein Vergehen im Straßenverkehr? Ja, theoretisch ist das möglich. In Deutschland ist es nämlich eine Unart, Müll wie Zigarettenkippen, Zigarettenschachteln, Becher oder Flaschen aus dem Auto zu werfen.
Warum Menschen so etwas machen? Aus Bequemlichkeit, Faulheit und Gleichgültigkeit, wie eine Untersuchung des sogenannten "Litterings" – das achtlose Wegwerfen von Müll – durch deutsche und österreichische Städte ergeben hat. Das hauptsächliche Alter der Verursacher: zwischen 18 und 30 Jahren.
Hauptabladeplatz des illegalen Mülls: Parkplätze
Die Folgen sind heftig: Wie das Bundesverkehrsministerium ermittelt hat, werden jährlich nur im deutschen Autobahnnetz 17.000 Tonnen Müll widerrechtlich weggeworfen. "Hauptabladeplatz" sind Parkplätze mit zwei Dritteln, ein Drittel wird an der Strecke entsorgt.
Wie der ADAC berichtet, muss der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen jedes Jahr mit rund 17.100 Personenstunden für das Einsammeln von Abfällen kalkulieren. Umgerechnet sind das ungefähr elf Vollarbeitskräfte. Denn es werden nicht nur Kippen, Schachteln oder Behälter entsorgt, sondern auch Autoreifen, Altbatterien, Sperrmüll und Bauschutt.
Auch weitere Zahlen machen nachdenklich, denn die Umweltprobleme durch Unrat sind enorm. Nur ein Beispiel: 2021 wurden in Deutschland fast 72 Milliarden Zigaretten abgesetzt, die bis zu 7000 Chemikalien enthalten. Bis ein Filter auf natürlichem Weg verrottet ist, vergehen 10 bis 15 Jahre.
Jahrelanger Zersetzungsprozess
Selbst eine Bananenschale benötigt drei Jahre, bis sie zerfallen ist. Der Zerfallsprozess bei einem Kaugummi dauert fünf Jahre, bei einer Zigarettenkippe sieben Jahre, bei Plastikflaschen bis zu 1000 und bei Glas bis zu 4000 Jahre.
Eine Studie des Umweltbundesamts ergab, dass sich unter den Top 3 der am häufigsten gelitterten Abfallarten Kunststoff-/Verbundmaterialien (57 %), Kunststoffabfälle (49 %) sowie Sperrmüll (43 %) finden.
Gefragt nach der Häufigkeit gelitterter Gegenstände werden von den Befragten Zigaretten (75 %), Einweggetränkebecher (71 %) und Kaugummis (68 %) sowie Einwegverpackungen (59 %) am häufigsten im Litter ausgemacht. Im Sperrmüll sind zudem häufig Elektrogeräte zu finden.
Mehrere Bundesländer haben Geldstrafe fürs Littering angehoben
Deshalb haben ein paar Bundesländer die Geldstrafe auf eine sechsstellige Summe angehoben. In erster Linie natürlich zur Abschreckung, in der Regel dürfte es bei einem Verstoß wohl eher dreistellig werden. Trotzdem: In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen können bis zu 100.000 Euro fällig werden.
Die Bundesländer gehen aber nicht nur an den Geldbeutel, um Autofahrer zu sensibilisieren. Daneben gibt es Aktionstage zum gemeinschaftlichen Aufräumen ("Rama dama"), mehr Kontrollen, größere Mülleimer und neue Mehrwegsysteme.
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