Auto und Umwelt: CO2-Bilanz

Auto und Umwelt: CO2-Bilanz

Wer ist hier der Umweltsünder?

Autofahren schädigt das Klima. Doch unser Leben ist mehr: AUTO BILD zeigt, wie Urlaub, Fleisch, Wohnen und sogar Haustiere die CO2-Bilanz belasten.
Das Klima erwärmt sich – und abgesehen von Donald Trump und der AfD hat heute fast jeder begriffen, dass dieser Prozess vom Menschen verursacht wird und das Treibhausgas CO2 daran einen wesentlichen Anteil hat. CO2 oder Kohlenstoffdioxid– wir Autofahrer kennen es seit Jahren aus den Verbrauchsangaben. Je höher der Spritverbrauch, desto mehr CO2 stößt ein Auto während der Fahrt aus. Deshalb sollen Autos sparsamer werden. Per Gesetz schreibt die EU immer neue Grenzwerte vor, die Autohersteller mit ihrer Modellpalette einhalten müssen. Seit dem Dieselskandal sieht es so aus, als wäre der Kampf verloren, denn die Verbrauchswerte neuer Autos steigen wieder an, nachdem sie jahrelang gefallen waren.

Dürfen Vegetarier mehr Auto fahren?

Aber ist das Auto wirklich Klimasünder Nummer eins? Was ist mit unseren Flugreisen, egal ob geschäftlich oder in den Pauschalurlaub? Was mit der Milliarde Rinder, die für Milch- und Fleischproduktion weltweit gehalten wird? Wie machen sich große oder schlecht gedämmte Häuser in der Klimabilanz bemerkbar? Und welchen Anteil haben unsere Hunde und Katzen, die hauptsächlich Fleisch fressen? Dürfen Vegetarier mehr Auto fahren? Womit muss ich meinen Hund füttern, um mein CO2-Konto nicht zusätzlich zu belasten?

Der CO2-Footprint
Der CO2-Fußabdruck (engl. Footprint) ist der CO2-Wert, den wir mit unserem gesamten Konsum verursachen. Dabei zählt alles mit: Mobilität, Wohnen, Ernährung, sonstiger Konsum und anteilig auch der staatliche CO2-Ausstoß (zum Beispiel für Infrastruktur wie Schulen, Krankenhäuser, Straßenbau). Der durchschnittliche CO2-Fußabdruck eines in Deutschland lebenden Menschen beträgt je nach Quelle neun bis elf Tonnen. Wissenschaftler haben ausgerechnet, wie viel Gesamt-CO2-Ausstoß die Erde jährlich verkraftet, damit die Erderwärmung einen bestimmten Wert nicht überschreitet. Teilt man diesen Wert durch die Zahl der Menschen, erhält man den durchschnittlichen CO2-Wert, der dem einzelnen Weltbürger zustehen würde. Dieser Wert liegt bei ungefähr zwei Tonnen CO2 pro Person pro Jahr. Zum Vergleich einige weitere CO2-Fußabdrücke: US-Amerikaner 16,5 Tonnen, Franzose 4,6 Tonnen, Chinese 7,5 Tonnen, Inder 1,7 Tonnen. Der Weltdurchschnitt liegt bei etwa vier Tonnen. Einen Rechner für die persönliche CO2-Bilanz gibt es unter anderem hier: www.uba.co2-rechner.de

Auch das belastet die CO2-Bilanz

Fliegen: Zwar geben die Fluggesellschaften gern einen CO2-Ausstoß pro Fluggast und Kilometer an, der mit 105 Gramm auf dem Niveau eines sparsamen Kleinwagens liegt. Allerdings wird hierbei angenommen, dass das Flugzeug gut ausgelastet ist. Außerdem bleibt die besondere Klimaschädlichkeit von Flugzeugabgasen in der Stratosphäre unberücksichtigt. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, bei der Berechnung den doppelten Wert zu nehmen. Dazu kommt, dass bei einer Fernreise mit dem Flugzeug auf einen Schlag eine fünfstellige Kilometerzahl zusammenkommen kann. So viel fährt das Durchschnittsauto in einem ganzen Jahr.
Fleischkonsum: Je hochwertiger das Fleisch, desto schlechter seine Bilanz. Während Geflügel schnell heranwächst und in seiner kurzen Lebenszeit verhältnismäßig wenig Futter zu sich nimmt, sieht das insbesondere bei Rindfleisch ganz anders aus. Eine Kuh frisst in etwa eineinhalb Jahren ungefähr 24 Tonnen Gras und Kraftfutter und stößt als Wiederkäuer bei der Verdauung große Mengen Methangas aus. Dessen Treibhauseffekt ist 28-mal größer als der von CO2. Aktuelle Betrachtungen gehen deshalb davon aus, dass für die Produktion eines Kilos Rindfleisch rund 60 Kilo CO2 freigesetzt werden. Ein Kilo Geflügel oder Schweinefleisch schlägt mit etwa zehn Kilo CO2 zu Buche. Lamm liegt mit 30 Kilo CO2 dazwischen.
Haustiere: Fleisch ist nicht nur Nahrungsmittel für uns, sondern auch Hauptzutat des Speiseplans unserer vierbeinigen Freunde Bella und Mieze. Wurden für Tiernahrung früher vorwiegend Fleischabfälle verarbeitet, handeln in reichen Ländern viele Hunde- und Katzenhalter heute nach dem Motto "meinen Liebling füttere ich nur mit Fleisch, das ich auch selbst essen würde". Das macht sich auch in der Klimabilanz bemerkbar. Laut US-Forschern fressen die 163 Millionen Hunde und Katzen in den USA so viel Fleisch wie 60 Millionen Amerikaner. Würden sie in einem eigenen Land leben, stünde dieses in Sachen Fleischkonsum weltweit auf Platz fünf, hinter den USA, Brasilien, China und Russland.
Wohnen: Die stetig wachsende Pro-Kopf-Wohnfläche bleibt bei der Betrachtung der Klimabilanz meist unerwähnt. In Deutschland ist diese allein seit 1990 von 34,8 auf 46,5 Quadratmeter gestiegen, ein Plus von über 30 Prozent. Die zusätzliche Wohnfläche muss unter anderem beheizt werden. So wird die Wirksamkeit effizienter Heizungen und besserer Dämmung teilweise wieder aufgehoben. "Rebound-Effekt" nennen Wissenschaftler dieses Phänomen.

Vom Vielflieger-Hipster bis zur Camping-Hundefreundin

Um das Thema der persönlichen CO2-Bilanz zu illustrieren, haben wir fünf Beispiele in der Bildergalerie konstruiert – vom vielfliegenden Hipster bis zur campende Hundehalterin – und anhand der fünf Kategorien Autofahren, Fliegen, Fleischkonsum, Haustiere und Wohnen nachgerechnet. Diese Einteilung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn um es möglichst anschaulich zu halten, haben wir einige für eine vollständige CO2-Bilanz wichtige Aspekte weggelassen. Unter anderem: öffentliche Verkehrsmittel, Unterhaltungselektronik, Kleidung und sonstigen Konsum. Die Charaktere in der Bildergalerie sind zugespitzt, zeigen aber, wie schnell sich individuelle Schwerpunkte bilden.

Auto und Umwelt: CO2-Bilanz

Frank Rosin

Fazit

Es geht nicht darum, den Autofahrer freizusprechen, sondern den Blick zu öffnen für andere, teilweise größere Umweltsünden. Wer den Klimawandel nicht leugnet und seine persönliche CO2-Bilanz verbessern möchte, sollte weniger fliegen, überlegt heizen und Fleisch essen, dem Hund kein Premiumfleisch geben. Und natürlich das Auto sparsam bewegen.

Stichworte:

Umweltverschmutzung

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