Autoklau an Ostgrenzen
Jetzt ist Polen offen

Seit dem Tag des Beitritts der Länder Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen und Malta zum Schengen-Abkommen der EU, steigt die Zahl der Pkw-Diebstähle.
- Claudius Maintz
Raketen malten bunte Sterne in den nachtschwarzen Himmel. Am Morgen danach, drei Tage vor Weihnachten, sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an der deutsch-polnischen Grenze feierlich von "einem wahrhaft historischen Moment". Sie meinte den 21. Dezember 2007, den Tag des Beitritts der Länder Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen und Malta zum Schengen-Abkommen der Europäischen Union (EU). Seit diesem Tag gibt es an den EU-Grenzen dieser Länder grundsätzlich keine Kontrollen mehr. Aber auch in der Kriminalitätsstatistik kam es zu einem historischen Moment.
Osteuropäische Autobanden nutzten die neue Reisefreiheit sofort aus. Alleine in der Grenzstadt Görlitz (Sachsen) verschwanden in den Monaten Januar und Februar 33 Autos. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es zwei. Auch in Frankfurt an der Oder (Brandenburg) stieg die Zahl der Pkw-Diebstähle in den ersten drei Monaten dieses Jahres von 18 auf 54. Deutsche Städte laufen Gefahr, zu Selbstbedienungsläden für Kriminelle zu werden. "Es kann nicht sein, dass die Leute Angst um ihre Autos haben", sagt Michael Kretschmer, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Görlitz. Auf der ganzen Welt gebe es kaum eine Grenze, an der das Wohlstandsgefälle so groß sei wie zwischen Deutschland und Polen sowie Tschechien. "Das lässt sich nicht wegdiskutieren", so Kretschmer. Andere Politiker wie Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) wollen das Problem herunterspielen und sprechen von einer "Momentaufnahme".

Bild: Harald Almonat
Als ein Fahndungstrupp in der Nähe einer früheren Passierstelle Position bezog, protestierten polnische Politiker gegen die Einschränkung der grenzenlosen Freiheit. Michael Kretschmer: "Die europäische Freundschaft würde auch funktionieren, wenn Grenzkontrollen Kriminellen das Leben weiterhin schwerer machen würden." Doch die Bundespolizei konzentriert sich künftig auf die Terrorismusbekämpfung an Flughäfen und Bahnhöfen. Frankfurts Ordnungsdezernent Markus Derling: "Solange sich Autodiebstähle und andere Straftaten häufen, kann das Personal der Bundespolizei nicht drastisch reduziert werden." BMW-Fahrerin Christina Fiedler (52) aus Frankfurt hat Angst vor Hysterie: "Man darf nicht alles auf die Polen schieben." Aber: Sie parkt nicht im Nachbarland. Aus Angst, dass ihr Wagen gestohlen wird.
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