Erntezeit ist Unfallzeit: Je näher der Sommer rückt, desto mehr Landmaschinen sind auf den Straßen unterwegs. Ein stark unterschätztes Risiko, warnen Unfallforscher, denn bei einem Crash sind die Folgen für den Auto-, Motorrad- oder Fahrradfahrer zumeist dramatisch.
Als landwirtschaftliche Zugmaschine (LZM) gelten Traktoren, Mähdrescher, Rüben- oder Kartoffelernter. Obwohl diese immer größer und schwerer werden und oft als Lkw-Ersatz arbeiten, müssen sie keine modernen Assistenzsysteme an Bord haben. Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h dürfen sie schon ab 16 Jahren gefahren werden.

LZM-Unfälle haben meist schwere Folgen

"LZM-Unfälle kommen zwar verhältnismäßig selten vor, dafür ziehen sie überproportional häufig schwere und tödliche Verletzungsfolgen nach sich", heißt es jetzt in einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Crash mit Traktorbeteiligung ein Mensch ums Leben kommt, sei – bezogen auf die Fahrleistung – 56-mal höher als bei Pkw-Beteiligung und dreimal höher als bei Motorradbeteiligung.
Autounfälle mit Erntemaschinen
Keine Überlebenschance: Pkw trifft auf Erntegerät, hier beim Crashtest der Versicherer.
Bild: Harald Almonat/GDV

Dabei passieren die meisten dieser Unfälle bei besten äußeren Bedingungen, nämlich zu fast 80 Prozent zwischen April und Oktober, bei Tageslicht (88 %) und Trockenheit (91 %).

"Beim geringsten Zweifel nicht überholen"

Als Konsequenz der Untersuchung fordert die UDV den verpflichtenden Einbau von Notbrems- und Spurwechselassistenten, wie in Pkw längst üblich. Außerdem könne ein Vorbau-Kamerasystem die Gefahr in schlecht einsehbaren Kreuzungen deutlich senken. Autofahrer sollten defensiv fahren und "beim geringsten Zweifel nicht überholen".