Bentayga Speed: Fahrbericht
Erste Fahrt in Bentleys Koloss mit 650 PS
Bild: Bentley
Einer geht noch. Vom W12, dem erfolgreichsten Zwölfzylinder der Welt, hat sich Bentley zwar schon tränenreich verabschiedet. Doch zumindest ihr Sportabzeichen wollen die Briten so schnell nicht preisgeben oder elektrisch verwässern.
Wenn der Bentayga in diesem Sommer für ganz und gar unbescheidene 268.800 Euro als Speed an den Start geht, gibt's deshalb noch mal klassisches Tuning und mehr Leistung als je zuvor.
Selbst die 635 PS des letzten, noch mit W12 bestückten Speed sind angesichts der 650 PS des scharf gemachten V8-Turbos vergessen. Von den 550 PS des ja auch nicht eben untermotorisierten Basismodells ganz zu schweigen. Aber wer einen Aufpreis von fast 50.000 Euro zahlt, der hat sich die Spitzenposition redlich verdient.
Bentayga Speed klingt nach Freddie Mercury
Und der lässt es auch alle wissen: Während der Bentayga sonst zumindest akustisch die vornehme Zurückhaltung des englischen Adels pflegt, hält er mit seiner Leistung diesmal nicht hinter dem Berg. Schon der normale Sportauspuff klingt mit seinen vier Endrohren eher nach Freddie Mercury als nach ihrer Majestät der Queen, Gott hab sie selig. Und wenn gegen Aufpreis die Herren Akrapovic die Musik machen, dann wackeln im Buckingham Palast die Wände – und die Royals werden zu Rockern.

Als Speed gibt der Bentayga noch einmal Vollgas nach alter Bayer Sitte.
Bild: Bentley
Aber Bentley hat natürlich nicht nur den Motor trainiert und am Sound gearbeitet. Sondern der Bentayga wird auch optisch zum Bösewicht. Statt des üblichen Zierrats aus Chrom trägt er nun dunkle Augenringe und einen rauchschwarzen Grill. Und selbst die Fliegen des Markenlogos sind düster – willkommen auf der dunklen Seite der Pracht!
Außerdem haben die Briten dem Speed die Sinne geschärft und die Sehnen gestählt. Im Comfort-Modus nach wie vor ein großer Gleiter in Samt und Seide und im Bentley-Setting ein Grand Tourer mit besserer Aussicht und erweitertem Nutzwert, treibt er es im Sportmodus spürbar wilder.

Dank Launch-Control sprintet der Zweieinhalbtonner in 3,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.
Bild: Bentley
Die Federung ist um 15 Prozent härter, die neu programmierte Dynamik-Regelung bietet nicht nur erstmals im Bentayga eine Launch-Control, mit der der Zweieinhalbtonner 3,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprintet, dem V8 dabei neun und dem seligen W12 immer noch drei Zehntel abnimmt. Sondern das ESP lässt dem Speed so eine lange Leine, dass er in Kurven unter Last kontrolliert übersteuert und so im Drift ins Eck kommt. Und wer es lieber längs mag als quer, lieber schnell als spektakulär, der profitiert von der Allradlenkung, an die im alten Speed nicht zu denken war.
310 km/h Topspeed
Da purzeln virtuell die Pfunde, und der Elefant hat es auch auf einer kurvigen Straße plötzlich ganz schön eilig. Und mit jeder Kehre dankt man den Briten mehr, dass sie der Versuchung eines Plug-in-Hybriden widerstanden und dem Koloss so fünf, sechs zusätzliche Zentner erspart haben. Vom emotionalen Sound ganz zu schweigen – und vom schlechten Gewissen, das den Genuss genau wie bei der im Affekt in einem Rutsch leer gefutterten Schachtel Pralinen eher noch steigert. Das zahlt sich am Ende auch beim Top-Speed aus. Denn mit 310 km/h ist der bislang stärkste Bentayga auch der schnellste.

Der Bentayga ist wahrscheinlich Bentleys letzter Speed ohne elektrische Unterstützung.
Bild: Bentley
Aber selbst 650 PS und 310 km/h werden kaum reichen, um dem Zeitgeist davonzufahren, den CO₂-Vorgaben und den Schadstoffnormen. Das wissen sie auch in Crewe und feiern den Speed deshalb mit einem lachenden und einem weinenden Auge als den letzten seiner Art. Aber mitten im Abschiedsschmerz genießt man so auch die Gunst der Stunde. Denn hier kommt das Beste zum Schluss.
Fazit
Sag zum Abschied lautstark Servus! Der Bentayga ist wahrscheinlich Bentleys letzter Speed ohne elektrische Unterstützung und deshalb fast schon eine Pflichtübung für Petrolheads. Und er klingt nicht nur besser als alle anderen Bentayga, sondern fährt auch so. Wenn nur der Preis nicht wäre. Aber Spaß muss man sich halt was kosten lassen.
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