BMW 1er M Coupé/Porsche Cayman R: Test
Ein(s)er auf Porsche-Pirsch

Alarm für den Cayman R: Das BMW 1er Coupé hat sich bei der M GmbH einer umfassenden Fitnesskur unterzogen. Mit jetzt 340 PS soll der Bayern-Brutalo dem Power-Porsche seine Grenzen zeigen.
Manche Vorbilder erweisen sich einfach als unerreichbar. Denken wir nur an Claudia Cardinale, Haribo-Goldbären oder auch Porsche. Die schnellen Schwaben gelten seit über einem halben Jahrhundert als Maßstab im Sportwagengeschäft – am Thron wackeln zwecklos. Ganz besonders dann, wenn aus den Weissacher Wunderwerken so höllisch heiße Fahrmaschinen rollen wie der Cayman R. Doch wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und so traut sich BMW (mal wieder) in die Höhle des Boxer-Biestes. Als Herausforderer tritt das flammneue 1er M Coupé an – ein bajuwarischer Bestzeiten-Jäger mit wahrhaft sportlichen Anlagen. Das "M" in seinem Namen steht jedenfalls ganz sicher nicht für Mädchenpensionat, die Übersetzung Männerspielzeug kommt der Wahrheit schon näher.
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Video: BMW 1er M Coupé
Der kleine Bayern-Blitz
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Video: Porsche Cayman R
Sportgerät mit 330 PS
Bei der Jagd nach Zehnteln lässt sie den Porsche dagegen unverschämt souverän über die Piste brennen. Zusammen mit der messerscharfen Lenkung, dem rasend schnellen Doppelkupplungsgetriebe und der Quersperre hinten erweckt sie den Eindruck, als gehörten Ideallinie und Bestzeit zur Serienausstattung jedes Cayman R. Der 1er im M-Trimm hält mit seinem bravourösen Dreiliter-Reihensechser eisern dagegen. Anders als beim Porsche feiern die 340 PS eigentlich bei jeder Drehzahl eine wilde Leistungsorgie, drücken den BMW mit unwiderstehlicher Macht nach vorn und bringen so manchen Standard-Cayman schwer ins Schwitzen. Nicht jedoch den R. Dazu trägt der Bayer einfach zu viel Wohlstandsspeck mit sich rum. Satte 128 Kilo Mehrgewicht (unter anderem Kima und Radio Serie) lassen den leichtfüßigen Cayman locker enteilen. Auch in Kurven kann der 1er dem Porsche – trotz wirkungsvoller Sperre an der Hinterachse – nicht folgen.
Die immer noch mit Restkomfort gesegnete Federung lässt die Karosserie stärker wanken, ungünstig viel Gewicht auf der Vorderachse (52 %, Porsche 44 %) sorgt im (hoch liegenden) Grenzbereich für stärkeres Untersteuern, der direkten Lenkung fehlt die telepathische Schärfe des Cayman. Nein, Herr M. aus M. gehört zwar zu den stärksten Stücken in der Kompakt-Clique, bleibt aber immer auch alltagstauglicher 1er. Hochgezüchtet, klar, aber im Vergleich zum Porsche eben ein zahmer Vorstadtbürger. Das gilt auch für den Preis. Nicht, dass gut 50.000 Euro für das 1er M Coupé als Schnäppchen durchgehen – im Vergleich zu rund 70.000 Euro für den Cayman R erscheinen sie aber plötzlich durchaus vertretbar. Porsche wird es verschmerzen. Man muss ja schließlich nicht überall Vorbild sein.
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